<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Tierethik - Animal Ethics &#187; Proceedings</title>
	<atom:link href="http://tierethikblog.de/category/proceedings-veranstaltungsberichte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://tierethikblog.de</link>
	<description>Bilingual Blog about the Moral Status of Nonhuman Animals and Related Fields of Study</description>
	<lastBuildDate>Sun, 27 Jun 2010 23:23:44 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Mythos Tierrechte</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/07/23/tibor-r-machan-mythos-tierrechte/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2007/07/23/tibor-r-machan-mythos-tierrechte/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Jul 2007 20:12:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2007/07/23/mythos-tierrechte/</guid>
		<description><![CDATA[Prof. Dr. Tibor R. Machan in Heidelberg Am 13. Juli durften wir Prof. Dr. Tibor R. Machan im Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg begrüßen. Der Philosoph aus Kalifornien hielt einen Vortrag zum Thema &#8220;The Myth of Animal Rights&#8221;. Wie man dem Titel entnehmen kann, stellen &#8220;Tierrechte&#8221; für Machan einen Mythos dar, ein Konstrukt, das sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Prof. Dr. Tibor R. Machan in Heidelberg</strong><img align="right" alt="Tibor R. Machan" title="Tibor R. Machan" src="http://www.ag-tierethik.de/blog/machan.jpg" /></p>
<p>Am 13. Juli durften wir Prof. Dr. Tibor R. Machan im Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg begrüßen. Der Philosoph aus Kalifornien hielt einen Vortrag zum Thema &#8220;The Myth of Animal Rights&#8221;. Wie man dem Titel entnehmen kann, stellen &#8220;Tierrechte&#8221; für Machan einen Mythos dar, ein Konstrukt, das sich nicht begründen lässt. Machan nahm Stellung sowohl zu Tom Regans Tierrechtsphilosophie als auch zu Einwänden an seiner Tierrechtskritik. Regans Tierrechte werden mit Hinweis auf John Lockes Begründung der Menschenrechte negiert, die als Basis für Rechte die moralische Natur des Menschen vorsieht, welche Tieren nicht eigen ist. Dem Einwand, dass es auch Menschen ohne die Fähigkeit zu moralischem Handeln gibt, wie z. B. Kleinkinder oder geistig Kranke, begegnet er mit dem Hinweis, dass sich die &#8220;moralische Natur&#8221; immer auf den Normalzustand, also den erwachsenen, gesunden Menschen bezieht. Für Machan zählt nicht die Charakterisierung des Individuums, sondern des Typus, d. h. hier: der Spezies. Der darwinistischen Auffassung, dass der Mensch auch nur eine von vielen Spezies ist, stimmt er zu. Doch nichtsdestotrotz unterscheide der Mensch sich durch seine Fähigkeit zum moralischen Handeln von anderen Tieren, was der Darwin&#8217;schen Biologie nicht widerspricht. Auch in den Grundlagen des Singer&#8217;schen Utilitarismus sieht er keine normative Stellungnahme gegenüber Tieren. Jedoch, so Machan, habe der Mensch Verantwortung gegenüber Tieren, auch wenn sich für diese keine Rechte begründen lassen.<span id="more-59"></span></p>
<p style="text-align: center"><iframe width="387" scrolling="no" height="312" frameborder="0" marginheight="1" marginwidth="1" name="I1" src="http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~rebert/arlectures/media/machan_high.htm"> Ihr Browser unterstützt Inlineframes nicht oder zeigt sie in der derzeitigen Konfiguration nicht an.</iframe></p>
<p align="center">(<em>Für den Fall, dass Ihre Verbindungsgeschwindigkeit für eine flüssige Wiedergabe des Vortragsvideos nicht ausreicht, steht <a target="_blank" href="http://ag-tierethik.nkit.de/vortraege.htm">hier</a> dasselbe Video in niedrigerer Auflösung für Sie bereit.</em>)</p>
<p>Prof. Machan ist Inhaber des R. C. Hoiles Chair der Wirtschaftsethik an der Chapman Universität in Orange, Kalifornien, und Autor zahlreicher Papers und Bücher wie z. B. „Putting Humans First, Why We Are Nature’s Favorite“ (2004) und „Do Animals Have Rights?“ (1991).</p>
<p><strong>Weiterführende Verweise:</strong></p>
<ul>
<li><a target="_blank" href="http://www.rainerebert.de/arlectures/media/filme4/machan_audio.mp3">Tonaufzeichnung des Vortrags (MP3-Datei)</a></li>
<li><a href="http://tierethikblog.de/2007/07/15/tibor-r-machan-revisiting-animal-rights/">Vortragsmanuskript</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/vortraege.htm#machan">Fotos vom Vortrag</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/pressespiegel/faz_18-07-07.pdf">Artikel zur Veranstaltung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2007/07/23/tibor-r-machan-mythos-tierrechte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Tierrechte im Islam</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/07/17/tierrechte-im-islam-hojjat-ul-islam-seyyed-mahammad-nasser-taghavi/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2007/07/17/tierrechte-im-islam-hojjat-ul-islam-seyyed-mahammad-nasser-taghavi/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Jul 2007 15:45:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Schneele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2007/07/17/tierrechte-im-islam-hojjat-ul-islam-seyyed-mahammad-nasser-taghavi/</guid>
		<description><![CDATA[Hojjat-ul-Islam Dr. Seyyed Mahammad Nasser Taghavi in Heidelberg Am 5. Juli 2007 sprach Herr Hojjat-ul-Islam Dr. Seyyed Mahammad Nasser Taghavi im Hegelsaal des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg zum Thema &#8220;Tierrechte im Islam&#8221;. Dr. Taghavi ist stellvertretender Vorsitzender des Islamischen Zentrums Hamburg und hochrangiger Gelehrter des schiitischen Islam. Der Vortrag fand in persischer Sprache statt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hojjat-ul-Islam Dr. Seyyed  Mahammad Nasser Taghavi in Heidelberg</strong></p>
<p><img align="left" alt="Mahammad Nasser Taghavi" title="Mahammad Nasser Taghavi" src="http://ag-tierethik.de/blog/taghavi1.jpg" /></p>
<p>Am 5. Juli 2007 sprach Herr Hojjat-ul-Islam Dr. Seyyed  Mahammad Nasser Taghavi im Hegelsaal des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg zum Thema &#8220;Tierrechte im Islam&#8221;. Dr. Taghavi ist stellvertretender Vorsitzender des Islamischen Zentrums Hamburg und hochrangiger Gelehrter des schiitischen Islam. Der Vortrag fand in persischer Sprache statt und wurde synchron von Herrn Dr. M. Djavad Mohagheghi, einem mitgereisten Dolmetscher, ins Deutsche übersetzt.</p>
<p>Dr. Taghavi leitete seinen Vortrag zunächst mit Grundvoraussetzungen ein, z. B. dass im Islam das Leben an sich oberstes Gebot sei. Alle Lebewesen besäßen Rechte, wobei gleiches Recht für alle Lebewesen gilt. Die Rechte der Tiere müssen ebenso beachtet werden, wie die des Menschen, allerdings hat der Mensch die höchste Form der Vervollkommnung (der Schöpfung) erreicht.<span id="more-57"></span></p>
<p>Danach beschrieb Dr. Taghavi, dass der Koran sechs Bereiche zu Tierrechten beinhalte. Unter anderem besagen diese zunächst, dass auch durch Tiere eine Anbetung Allahs stattfindet, auch wenn diese durch den Menschen nicht wahrgenommen werden kann. Die Anbetung Allahs allein sei zur Begründung ausreichend, dass die Tiere Rechte besäßen. Außerdem kann in der Schöpfung der Tiere die Kunst und Macht Gottes betrachtet werden, was sie zusätzlich zu rechtsbesitzenden Wesen macht.</p>
<p>Alle Lebewesen bilden eine Gemeinschaft, allerdings mit unterschiedlicher Stellung, die von der Vollkommenheit der Anbetungsform Allahs abhängt (von der der Mensch die höchste Form erreicht hat).</p>
<p style="text-align: center"><iframe width="387" scrolling="no" height="312" frameborder="0" marginheight="1" marginwidth="1" name="I1" src="http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~rebert/arlectures/media/taghavi_high.htm"> Ihr Browser unterstützt Inlineframes nicht oder zeigt sie in der derzeitigen Konfiguration nicht an.</iframe></p>
<p align="center" style="text-align: center">(<em>Für den Fall, dass Ihre Verbindungsgeschwindigkeit für eine flüssige Wiedergabe des Vortragsvideos nicht ausreicht, steht <a target="_blank" href="http://ag-tierethik.de/vortraege.htm">hier</a> dasselbe Video in niedrigerer Auflösung für Sie bereit.</em>)</p>
<p>Wichtig war Dr. Taghavi zu erwähnen, dass der Koran jede Form der Tierquälerei verurteilt, sie ziehe die direkte Bestrafung Gottes nach sich.Im Anschluss erläuterte der Referent die Sichtweisen des Islam zum Verhältnis zwischen Menschen und Tieren. Er beschrieb, dass es verboten sei, Tiere für religiöse Rituale zu opfern. Dennoch darf der Mensch als Stellvertreter Gottes auf Erden dessen Schöpfung nutzen. Hier wird allerdings Maßhaltung gefordert, es ist also nur erlaubt, so viel zu nehmen, wie benötigt wird. Ein grundloses Töten von Tieren sei verboten. Wenn ihr Fleisch jedoch gegessen wird, findet die Schließung eines Kreislaufes statt, da das Fleisch der Tiere im Menschen wieder zu Fleisch wird.</p>
<p>Der Mensch stehe zwar grundsätzlich über anderen Lebewesen, daraus resultierte aber auch mehr Verantwortung. Tiere besitzen dagegen keine Verantwortungen gegenüber den Menschen.</p>
<p>Aus den Überlieferungen des Islam berichtete Dr. Taghavi anschließend, dass ein nachdrückliches Verbot der Tierquälerei bestünde. Dies gehe sogar so weit, dass ein Mensch ein in seinem Besitz befindliches Tier freilassen müsse, wenn er nicht in der Lage ist, dieses zu ernähren, damit das Tier sich selbst ernähren kann. Einige Vorgaben greifen sogar noch weiter und verleihen Tieren quasi gültige Rechte. Beispielsweise besitzt ein Reittier sechs festgeschriebene Rechte. Zu ihnen gehören die ausreichende Versorgung mit Nahrung und Wasser, sowie das Verbot von Schlägen. Weiter darf das Tier nicht zu lange geritten werden.</p>
<p>Außer diesen existieren noch weitere Vorschriften für den Umgang mit Tieren. Ein sehr hohes Gebot besagt etwa, dass ein Mensch nur wenn unbedingt nötig bei Dunkelheit das Haus verlassen solle, um zu vermeiden, dass er, ohne es wahrzunehme, sehr kleine Tiere versehentlich tötet.</p>
<p><img align="right" title="M. Javad Mohagheghi und Mohammad Nasser Taghavi" alt="M. Javad Mohagheghi und Mohammad Nasser Taghavi" src="http://ag-tierethik.de/blog/taghavi2.jpg" />Dr. Taghavi erklärte zusammenfassend, dass ein positiver Umgang mit Tieren die Barmherzigkeit und eine Belohnung durch Gott hervorrufe, wobei ein negativer Umgang eine Strafe nach sich zieht. Er fügte hinzu, dass es für die islamische Lehre außer Frage stehe, dass Tiere Verstand und Bewusstsein besitzen (da sie Gott anbeten). Das Verbot, Tieren ins Gesicht zu schlagen, ist laut Dr. Taghavi ein Ausdruck dafür, dass Tiere eine Form der Ehre besitzen. Es sei sogar möglich, dass ein Tier einen höheren Stellenwert vor Gott besitzt, als ein Mensch, wenn er seiner Verantwortung nicht gerecht wurde.</p>
<p>Im Anschluss an den umfangreichen und  informativen Vortrag stand Dr. Taghavi noch für eine lange Diskussion zur Verfügung. In deren Verlauf wurden viele interessante Fragen gestellt, die Dr. Taghavi sehr gewissenhaft zu beantworten versuchte.</p>
<p><strong>Weiterführende Verweise:</strong></p>
<ul>
<li><a target="_blank" href="http://www.rainerebert.de/arlectures/media/filme3/Taghavi.wma">Tonaufzeichnung des persischen Vortrags im Originalton (WMA-Datei)</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/vortraege/seyyed_mohammad_naser_taghavi/Tierrechte%20im%20Islam%20-%20Deutsch%20mit%20Arabisch.pdf">Vortragsmanuskript in deutscher Sprache</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/vortraege/seyyed_mohammad_naser_taghavi/Tierrechte%20im%20Islam%20-%20Persisch%20mit%20Arabisch.pdf">Vortragsmanuskript in persischer Sprache</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/vortraege.htm#taghavi">Fotos vom Vortrag</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/pressespiegel/faz_18-07-07.pdf">Artikel zum Vortrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2007/07/17/tierrechte-im-islam-hojjat-ul-islam-seyyed-mahammad-nasser-taghavi/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rechte von Tieren &#8211; Argumente pro und contra</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/06/05/jean-claude-wolf-tierrechte-argumente/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2007/06/05/jean-claude-wolf-tierrechte-argumente/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2007 09:25:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Blesch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2007/06/05/rechte-von-tieren-argumente-pro-und-contra/</guid>
		<description><![CDATA[Prof. Dr. Jean-Claude Wolf in Heidelberg Am 10. Mai gab Jean-Claude Wolf seiner ehemaligen Universität die Ehre und hielt am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg einen Vortrag zum Thema Tierrechte. &#8220;Rechte von Tieren &#8211; Argumente pro und contra&#8221; lautete der Titel seiner Vorlesung, die einen Überblick über die modernen Argumente und Argumentationsweisen bot, und dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: bold">Prof. Dr. Jean-Claude Wolf in Heidelberg</p>
<p><img align="left" title="Prof. Dr. Jean-Claude Wolf" alt="Prof. Dr. Jean-Claude Wolf" src="http://ag-tierethik.de/blog/wolflacht.JPG" />Am 10. Mai gab Jean-Claude Wolf seiner ehemaligen Universität die Ehre und hielt am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg einen Vortrag zum Thema Tierrechte. &#8220;<span style="font-style: italic">Rechte von Tieren &#8211; Argumente pro und contra</span>&#8221; lautete der Titel seiner Vorlesung, die einen Überblick über die modernen Argumente und Argumentationsweisen bot, und dem Zuhörer somit den Stan<img align="right" title="Prof. Dr. Jean-Claude Wolf" alt="Prof. Dr. Jean-Claude Wolf" src="http://ag-tierethik.de/blog/wolfgestikuliert.JPG" />d der heutigen Tierrechtsdiskussion nachvollziehen ließ. Einleitend stellte Prof. Wolf die Gründe für die Ablehnung von Tierrechten, sowohl von Seiten der Bevölkerung als auch und hauptsächlich von Seiten der Wissenschaft, vor. Darauf aufbauend wurden Fragen in den Raum gestellt, die auch für Befürworter der Tierrechtsidee offen oder zumindest umstritten bleiben: Wenn Tiere, ebenso wie der Mensch, Rechtsträger sein können, für welche Tierarten gelten dann welche Rechte? Wo sind Grenzen zu ziehen und welche Gründe gibt es dafür? Die vorgestellten Antworten zeigten, dass es nicht unmöglich ist, Antworten auf diese brisanten Fragen zu finden – wenn auch immer ein gewisser Zweifel mitschwingt. Besondere Betonung legte Prof. Wolf abschließend auf die Interpretationen bestimmter Ausdrücke, die in ihrer Auslegung zentral für die Diskussion um Tierrechte und Tierethik sind: die Deutung der Begriffe <span style="font-style: italic">&#8220;unnötiges Leiden</span>&#8221; und des &#8220;<span style="font-style: italic">Instrumentalisierungsverbot</span>&#8221; von Tieren im allgemeinen.<span id="more-50"></span></p>
<p style="text-align: center"><iframe width="387" scrolling="no" height="312" frameborder="0" name="I1" marginwidth="1" marginheight="1" src="http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~rebert/arlectures/media/wolf_high.htm"> Ihr Browser unterstützt Inlineframes nicht oder zeigt sie in der derzeitigen Konfiguration nicht an.</iframe></p>
<p align="center" style="text-align: center">(<em>Für den Fall, dass Ihre Verbindungsgeschwindigkeit für eine flüssige Wiedergabe des Vortragsvideos nicht ausreicht, steht <a target="_blank" href="http://ag-tierethik.de/vortraege.htm">hier</a> dasselbe Video in niedrigerer Auflösung für Sie bereit.</em>)</p>
<p style="text-align: left">Jean-Claude Wolf wurde 1953 in Davos (Schweiz) geboren und studierte Philosophie und Literaturwissenschaften an den Universitäten Zürich, Bern und Heidelberg. Seit 1993 ist Prof. Wolf Ordinarius für Ethik und politische Philosophie an der Universität Freiburg in der Schweiz. Sein Buch <span style="font-style: italic">&#8220;Tierethik – neue Perspektiven für Menschen und Tiere</span>&#8221; gilt als eines der zentralsten deutschsprachigen Werke zum Thema Tierethik.</p>
<div style="text-align: center"><img title="Prof. Dr. Jean-Claude Wolf" alt="Prof. Dr. Jean-Claude Wolf" src="http://ag-tierethik.de/blog/wolfmitpublikum.JPG" /></div>
<p style="text-align: left"><strong>Weiterführende Verweise:</strong></p>
<ul>
<li><a target="_blank" href="http://ag-tierethik.de/vortraege.htm">Fotos der Veranstaltung</a></li>
<li><a target="_blank" href="http://ag-tierethik.de/vortraege/jean-claude_wolf/jean-claude_wolf_handout_100507.pdf">Handout zum Vortrag</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2007/06/05/jean-claude-wolf-tierrechte-argumente/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>12. Internationale Fachtagung zum Thema Tierschutz in Rechtsetzung und Vollzug</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/18/12-internationale-fachtagung-zum-thema-tierschutz-in-rechtsetzung-und-vollzug/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2007/03/18/12-internationale-fachtagung-zum-thema-tierschutz-in-rechtsetzung-und-vollzug/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Mar 2007 19:43:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>
		<category><![CDATA[Science]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2007/03/18/12-internationale-fachtagung-zum-thema-tierschutz-in-rechtsetzung-und-vollzug/</guid>
		<description><![CDATA[Am 8. und 9. März 2007 fand die 12. Internationale Fachtagung zum Thema Tierschutz in Rechtsetzung und Vollzug in Nürtingen statt. Die Tagung wurde gemeinsam von der Fachgruppe Tierschutzrecht der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft e. V, der Hochschule Nürtingen sowie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz veranstaltet. Die Themen der insgesamt 20 Vorträge reichten von kognitiven Fähigkeiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img align="right" alt="Die Veranstalter" title="Die Veranstalter" src="http://ag-tierethik.de/blog/fachtagungtierschutz.jpg" />Am 8. und 9. März 2007 fand die 12. Internationale Fachtagung zum Thema Tierschutz in Rechtsetzung und Vollzug in Nürtingen statt. Die Tagung wurde gemeinsam von der Fachgruppe Tierschutzrecht der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft e. V, der Hochschule Nürtingen sowie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz veranstaltet. Die Themen der insgesamt 20 Vorträge reichten von kognitiven Fähigkeiten von Tieren, Management von Überwachungs- und Dokumentationsmaßnahmen, rechtlichen Fragestellungen wie Tiertötung bis zu speziellen Fällen wie die Haltung von Zierfischen in Diskotheken.<span id="more-43"></span></p>
<p>Den Anfang machte <a target="_blank" title="Judith Benz-Schwarzburg" href="http://www.ag-tierethik.de/benz-schwarzburg">Judith Benz-Schwarzburg</a> vom Interfakultären Zentrum für Ethik in den Wissenschaften in Tübingen mit ihrem Beitrag &#8220;<em>Kognitive Fähigkeiten bei Tieren und ihre Relevanz für Tierethik und Tierschutz</em>&#8220;.  Anhand von Beispielen wurden kognitive Fähigkeiten von Tieren in den Bereichen Kultur, Sprache und &#8220;Theory of Mind&#8221; (Selbst- und Fremdeinschätzung) veranschaulicht. Belege für eine Kultur im Sinne von über Generationen vermittelten Fähigkeiten fanden sich z. B. beim Werkzeuggebrauch von Schimpansen oder auch bei Delfinen, die Schwämme als Schnauzenschutz beim Gründeln benutzen und diese Taktik an ihre Jungen weitergeben. Als beeindruckendes Beispiel für Sprachfähigkeit gilt der Graupapagei &#8220;Alex&#8221;. Täuschungsversuche unter Menschenaffen, die eine Einschätzung des Gegenübers verlangen, weisen auf eine &#8220;Theory of Mind&#8221; hin. Besonders die Zootierhaltung macht angesichts der diversen Verhaltensstörungen von Zootieren eine Einbeziehung der psychisch-kognitiven Komponente in ethische Überlegungen und Tierschutz erstrebenswert.</p>
<p>Die folgenden vier Referate behandelten aktuelle Themen in Sachen Tierschutzkontrolle und  Verwaltung. Dr. Gerhard Kuhn aus  Stuttgart  sprach über &#8220;<em>Systematische Tierschutz-Kontrollen im Rahmen des Cross-Compliance-Verfahrens</em>&#8220;. Das Cross-Compliance-System der Europäischen Gemeinschaft koppelt Prämienzahlungen mit der Einhaltung von Verpflichtungen, die seit dem 1. Januar 2007 Tierschutzbestimmungen enthalten und durch systematische Kontrollen sowie anlassbezogene Kontrollen (Cross Checks) überprüft werden.</p>
<p>Dr. Thomas Pyczak thematisierte die &#8220;<em>Umsetzung des § 11 des Tierschutzgesetz einschließlich der Anerkennung von Verbandsprüfungen</em>&#8220;. Dieser Paragraf hat die Erlaubnispflicht für bestimmte Tierhaltungen und Tätigkeiten zum Inhalt. Pyczak besprach Regelungen hinsichtlich den Voraussetzungen der Erlaubnis, der Qualifikation der Person, einzelnen Bereichen der Tierhaltung und den Anzeigeverfahren im Bereich Wildhaltung, die im QMS-Schreiben der Veterinärverwaltung Baden-Württembergs darlegt sind. Eine besondere Erlaubnispflicht besteht z. B. bei der Haltung von Tieren im Zoofachhandel, Tierheim oder zu Versuchszwecken. An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass für die Pelztierhaltung keine besondere Erlaubnispflicht mehr besteht, sie ist nun Bestandteil der Nutztierverordnung.</p>
<p>Einen Erfahrungsbericht aus Vorarlberg (Österreich) lieferte Dr. Erik Schmid mit seinem Vortrag &#8220;<em>Qualitätsmanagement in der Veterinärverwaltung</em>&#8220;. Wichtige Grundlage der dortigen Verwaltung stellen zum einen die Trennung von Beratung und Kontrolle dar &#8211; d. h. Amtstierärzte konzentrieren sich auf Kontrollaufgaben, praktische Tierärzte stehen in einem Betreuungsverhältnis zum Landwirt &#8211; und zum anderen Professionalisierung und Spezialisierung dar, was durch ortsnahe Grund- und Weiterbildung erreicht werden soll. Ab 2007 soll der &#8220;risikobasierte integrierte Kontrollplan&#8221; die Überwachung der Betriebe verbessern, die nun durch freiwillige Kontrollen in eine höhere Sicherheitsstufe gelangen können.</p>
<p>Aus dem Kreis Kleve erfolgte der Beitrag &#8220;<em>Erfahrungen mit dem QM-Handbuch Tierschutz</em>&#8220;. Auf der Grundlage des EU-Hygienepakets erfolgte die Erstellung eines Handbuchs, das Auslegung und Vollzug des Tierschutzrechts für Verwaltung und tierärztliches Personal verbindlich und klar darstellen soll. Transparentes Handeln, dokumentierte Verfahren und regelmäßige Überprüfungen der Vorgehensweise sollen der Arbeit zugrunde liegen.</p>
<p>Dr. Irmela Ruhdel stellte die &#8220;<em>Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes zur Tätigkeit von Genehmigungsbehörden für Tierversuche und beratenden Kommissionen nach §15 TierSchG</em>&#8221; vor. Dazu wurden im Februar 2006 Fragebögen an Mitglieder der Genehmigungsbehörden der Länder sowie der beratenden Kommissionen verschickt. Von besonderer Bedeutung war hier die Frage, welchen Einfluss die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz 2002 auf die ethische Beurteilung von Tierversuchen zeigte. Weiterhin wurde nach konkreten Veränderungen und Optimierungsvorschlägen gefragt. Die vorläufige Auswertung lässt nur wenig Veränderung bzgl. des Stellenwerts des Tierschutzes und ethischer Belange erkennen. Es wurde der Ruf nach ethischen Entscheidungshilfen wie Belastungsobergrenze, Belastungskataloge und Ergebnisberichte zur Erfolgbewertung der Tierversuche laut.</p>
<p>DDr. Regina Binder aus Wien referierte über &#8220;<em>Die Tötung von Tieren aus tierschutzrechtlicher Sicht</em>&#8220;. Gemäß dem deutschen und österreichischen Tierschutzgesetz muss zur Tiertötung ein &#8220;vernünftiger Grund&#8221; vorliegen. Dieser liegt vor, wenn eine Rechtsnorm oder andere Rechtsmaterie die Tötung von Tieren ausdrücklich zulässt oder anordnet, wenn ein allgemeiner Rechtfertigungsgrund (Notwehr) vorliegt oder wenn die Interessen an der Tötung schwerer liegen als die des Tieres bzw. Tierschutzes. Tiertötung aus ökonomischen Gründen ist grundsätzlich nicht zulässig, dieses Verbot wird allerdings bei Nutztieren durch die stärkere Gewichtung ökonomischer Interessen ausgehebelt. Die Tötung gesunder oder überzähliger Heimtiere ist wiederum verboten. Dass dieses Verbot in Einzelfällen umgangen wird, zeigte Dr. Bodo Buschs Vortrag &#8220;<em>Problemfall Euthanasien im Tierheim</em>&#8220;, in dem er von einem besonders eklatanten Fall eines Tierheims berichtet. Hier erfolgten zahlreiche Euthanasien ohne gründliche Diagnose oder Therapieversuch, unzureichend dokumentiert und oft unmittelbar nach Aufnahme ins Tierheim.</p>
<p>Als &#8220;vernünftigen Grund&#8221; sieht das Tierschutzgesetz auch Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung an. Neben BSE, Schweinepest und Vogelgrippe, führte auch Scrapie, eine Form der übertragbaren spongiformen Enzephalopathie, zu zahlreichen &#8220;Keulungen&#8221;. Gesine Lühken aus Gießen informierte in ihrem Vortrag  &#8220;<em>Auswirkungen der aktuellen EU-rechtlichen Regelungen zur Scrapie-Bekämpfung beim Schaf auf die Keulungsmaßnahmen in von Scrapie betroffenen Schafherden</em>&#8221; über die Folgen neuer Verordnungen, die es seit dem 1. Oktober 2003 möglich machen, auf die vollständige Keulung von Schafherden zu verzichten. Eine Voraussetzung dafür stellt die Prionprotein-Genotypisierung der gesamten Herde dar. Schafe mit bestimmten Genotypen sind resistent bzw. weniger anfällig für Scrapie und können in der Herde verweilen bzw. 5 Jahre Aufschub erhalten. Keulungen gesamter Schafherden fanden nach Inkrafttreten der Verordnung nur noch in Einzelfällen statt. Stark abhängig von Rassezusammensetzung und Genotypen der Böcke konnten 10-90 % der Schafe in der Herde behalten werden.</p>
<p>Dirk Willem Kleingeld aus Hannover führte eine &#8220;<em>Tierschutzfachliche Beurteilung der Haltung von Zierfischen  in einer Diskothek</em>&#8221; durch, indem er sich zahlreichen Messungen wie z. B. der Wasseranalyse, Lichtimpulswirkung, Verhaltensbeobachtung, Schall- und Vibrationsbelastung bediente. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Haltung von Zierfischen in Diskotheken nicht grundsätzlich ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Entscheidend seien die Haltungsbedingungen und der Ort der Aufstellung.</p>
<p>Am zweiten Tag wurde eine &#8220;<em>Bundesweite Untersuchung zur kolostralen Versorgung von neugeborenen Kälbern</em>&#8221; aus München vorgestellt. Teilweise über 15 % der Kälber in Deutschland versterben in den ersten Lebenswochen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Versorgung mit der Immunglobulin-G-reichen Kolostralmilch. Die Forscher stellten fest, dass die Anzahl der Laktationen des Muttertieres, die warme Jahreszeit sowie die Menge der ersten Kolostrumverabreichung positiv mit dem IgG-Serum-Spiegel korrelierten. 18,4 % der untersuchten Kälber waren absolut IgG-unterversorgt, 20,4 % mangelhaft versorgt.</p>
<p>Nach der EU-Ökoverordnung müssen bis spätestens 2010 Biobetriebe Ausläufe bzw. Laufhöfe für ihre Rinder und Schweine (Ausnahme bei Sommerweide) angelegt haben. Die Untersuchung &#8220;<em>Empfehlungen zu Ausläufen bei Rindern und Schweinen</em>&#8221; fand bei zwei Drittel der Milchkuhhalter Laufhöfe vor, Ausläufe für Jung- und Mastrindern sowie Kälbern nur bei unter 10 % der Betriebe. Etwa die Hälfte aller Mastschweinbetriebe wiesen Ausläufe auf.</p>
<p>Auch die folgenden drei Vorträge hatten Haltungsbedingungen von Nutztieren zum Thema. &#8220;<em>Welche Möglichkeiten bieten Checklisten bei der on-farm-Kontrolle von Ferkelaufzuchtbetrieben?</em>&#8221;  beantwortete Dr. Dirk Schäffer aus Halle, &#8220;<em>Untersuchungen zur tiergerechten Kaninchenmast</em>&#8221; stellte Andrej Toplak vor und schlug die  Bodenhaltung als Alternative zur Käfighaltung vor. Das Forschungsvorhaben &#8220;<em>Vergleichende Untersuchungen von Lichtprogrammen in der Hähnchenmast unter besonderer Berücksichtigung von tierschutzrelevanten Aspekten</em>&#8221; gründet auf der Arbeitshypothese, dass ein Lichtprogramm mit verringerter Lichtintensität in der Endmastphase einem Lichtprogramm mit durchgehend 20 Lux sowohl wirtschaftlich als auch aus Tierschutzgründen überlegen ist.</p>
<p>Die nächsten beiden Beiträge hatten den sogenannten Wesenstest für Hunde zum Thema. Die Studie &#8220;<em>Aggressionsverhalten von Hunden in Abhängigkeit verschiedener Testsituationen im Wesenstest</em>&#8221;  verglich eine Gruppe (415 Hunde) als gefährlich geltender Rassen wie Bullterrier, Rottweiler und Pitbull mit einer Golden-Retriever-Kontrollgruppe (70 Hunde). Ihr Verhalten wurde einer Skala von 1 (keine Aggression) bis 7 (Eskalation) zugeordnet, den Testsituationen wurden – nach Bedrohlichkeit gestaffelt &#8211; Multiplikatoren von 1 (Verhalten nachvollziehbar) bis 3 (gravierend und nicht mehr akzeptabel) zugeteilt. Das Ergebnis offenbarte keinen signifikanten Unterschied zwischen Untersuchungs- und Kontrollgruppe. Auch die Hunde der als gefährlich geltenden Rassen reagierten nicht per se unangemessen und unberechenbar, sondern abhängig von der Bedrohlichkeit der jeweiligen Situation.<br />
Einen Einblick in die aktuelle Situation in Hessen gab Dr. Heidi Bernauer-Münz im Beitrag &#8220;<em>Wesenstests in Hessen – Vorgaben und Erfahrungen</em>&#8220;. Um weiterleben zu dürfen müssen Vertreter von 16 Rassen und deren Mischlinge einen Wesentest durchlaufen. Fallen sie durch, werden sie innerhalb einer Woche beschlagnahmt und eingeschläfert. Auf diese Weise wurden 2004 in Hessen ca. 530 Hunde getötet, weit mehr als in anderen Bundesländern. Besonders paradox erscheint die Vorgabe, dass Hunde, die durch ein aggressives Verhalten auffällig wurden, zur Prüfung eine Nachstellung der jeweiligen Situation durchlaufen müssen. So wurde z. B. ein Gutachten über einen Hund, der eine Katze totgebissen hatte nicht anerkannt, da die Situation nicht nachgestellt wurde.</p>
<p>Die letzten drei Vorträge informierten über Neuigkeiten im Bereich Hühnerhaltung. Die Hohenheimer Studie &#8220;<em>Federpicken bei Legehennen im Kontext des Nahrungsaufnahmeverhaltens</em>&#8221; stellte eine hohe Motivation von Federpickern Federn zu verzehren sowie eine beschleunigte Darmpassage durch die verzehrten Federn fest. Jutta Berk verglich den &#8220;<em>Einfluss von differenten Einstreumaterial auf die Tiergesundheit und die Leistungen von Broilern</em>&#8220;. Besonderes Augenmerk wurde auf die Gesundheit der Fußballen gerichtet. Die letzte vorgestellte Studie untersuchte &#8220;<em>Einflüsse auf den Gefiederzustand und Mortalität bei Legehennen in Bio-Betrieben</em>&#8221; und brachte Gefiederschäden u. a. mit der hohen Besatzdichte in Verbindung. Großbetriebe konnten trotz der hohen Besatzdichte durch gutes Management die Mortalität niedrig halten.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2007/03/18/12-internationale-fachtagung-zum-thema-tierschutz-in-rechtsetzung-und-vollzug/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Prof. Dr. Peter McLaughlin: &#8220;Mensch und Tier&#8221;</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/01/09/prof-dr-peter-mclaughlin-mensch-und-tier/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2007/01/09/prof-dr-peter-mclaughlin-mensch-und-tier/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Jan 2007 21:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Ebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2007/01/09/prof-dr-peter-mclaughlin-%e2%80%9emensch-und-tier%e2%80%9c/</guid>
		<description><![CDATA[In einem Vorlesungsverzeichnis des Sommersemesters 2006 war folgende Beschreibung eines Hauptseminars zu lesen: &#8220;Nach einer gängigen Vorstellung ist es das Bewußtsein, das den Menschen von den (anderen) Tieren unterscheidet. Ausgehend von Descartes Behauptung, Tiere könnten vollständig als Automaten erklärt werden, soll es um die Frage gehen, was Bewusstsein ist und welche Gründe man hat, Tieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem Vorlesungsverzeichnis des Sommersemesters 2006 war folgende Beschreibung eines Hauptseminars zu lesen:</p>
<p>&#8220;<em>Nach einer gängigen Vorstellung ist es das Bewußtsein, das den Menschen von den (anderen) Tieren unterscheidet. Ausgehend von Descartes Behauptung, Tiere könnten vollständig als Automaten erklärt werden, soll es um die Frage gehen, was Bewusstsein ist und welche Gründe man hat, Tieren Bewusstsein zuzuschreiben. Anhand von ausgewählten historischen und gegenwärtigen philosophischen Texten soll nach den Konsequenzen für unseren ethischen Umgang mit Tieren sowie für das Selbstverständnis des Menschen gefragt werden.</em>&#8220;<span id="more-32"></span></p>
<p>Die Lehrveranstaltung trug den Titel &#8220;Mensch und Tier&#8221;, fand statt am Philosophischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und soll, obwohl sie nunmehr nahe dem Ende des Wintersemesters bereits fast ein halbes Jahr zurückliegt, nicht unerwähnt bleiben. Denn erwähnenswert ist diese Veranstaltung in mehrerlei Hinsicht:</p>
<ul>
<li>Zuallererst ist erfreulich – weil nicht zum Standardrepertoire deutscher Universitätslehre gehörig –, dass die Auseinandersetzung mit dem Wesen des Tieres und seinem Verhältnis zum Menschen überhaupt Berücksichtigung in der philosophischen Ausbildung findet.</li>
<li>Zweitens überraschte die etwas „andere“, ja erfrischende Auswahl der Seminartexte (dazu unten mehr).</li>
<li>Und schließlich fiel das Seminar zeitlich und teils inhaltlich zusammen mit der <a title="Interdisziplinäre Vorlesungsreihe Tierrechte 2006" href="http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/">Interdisziplinären Vorlesungsreihe Tierrechte</a>, so dass interessierten Studierenden insgesamt ein umfassendes und abwechslungsreiches tierethisches Studienprogramm geboten werden konnte.</li>
</ul>
<p>Ein besonderes Augenmerk richtete der Wissenschaftstheoretiker und Leiter des Seminars Prof. Dr. Peter McLaughlin seinem Lehr- und Forschungsprofil entsprechend auf René Descartes und dessen Kritiker. Akribisch genau wurde Descartes’ Argumentation für eine mechanistische Betrachtung des Tieres behandelt, um später als universaler Prüfstein für alternative Tierbegriffe zu dienen.</p>
<p>Behandelt wurden im Laufe des Semesters folgende Texte in chronologischer Reihenfolge:</p>
<ul>
<li>René Descartes: &#8220;Discours de la Méthode&#8221;, 1637</li>
<li>Leonora D. Cohen: &#8220;Descartes and Henry More on the beast-machine – a translation of their correspondence pertaining to animal automatism&#8221;, 1936</li>
<li>René Descartes: Briefe an Morus (5. Februar 1649), W. Cavendish (23. November 1646) und den Marquis von Newcastle (3. November 1646)</li>
<li>Georges-Louis Leclerc de Buffon: &#8220;Gesammelte Werke&#8221;, 1851</li>
<li>Étienne Bonnot de Condillac: &#8220;Traité des Sensations &#8211; Traité des Animaux&#8221;, 1754</li>
<li>Daisie und Michael Radner (Hrsg.): &#8220;Animal Consciousness&#8221; (Kapitel &#8220;Three Fables of Animal Mindlessness&#8221;), 1989</li>
<li>Thomas Nagel: &#8220;Mortal Questions&#8221; (Kapitel &#8220;What is it like to be a bat?&#8221;), 1979</li>
<li>Daniel C. Dennett: &#8220;Brainchildren &#8211; Essays on Designing Minds&#8221; (Kapitel &#8220;Animal Consciousness: What Matters and Why&#8221;), 1998</li>
<li>Tom Regan: &#8220;The Case for Animal Rights&#8221; (Kapitel &#8220;Animal Welfare&#8221;), 1983</li>
<li>Kenneth Goodpaster: &#8220;On Being Morally Considerable&#8221;, 1978</li>
<li>Max Scheler: &#8220;Späte Schriften&#8221; (Kapitel &#8220;Die Stellung des Menschen im Kosmos&#8221;), 1976</li>
<li>Johann Gottfried Herder: &#8220;Frühe Schriften 1764-1772&#8243; (Kapitel &#8220;Haben die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden können?&#8221;), 1985</li>
<li>Arnold Gehlen: &#8220;Der Mensch &#8211; Seine Natur und seine Stellung in der Welt&#8221;, 1940</li>
</ul>
<p>Ausgehend von Descartes&#8217; &#8220;Discours de la Méthode&#8221; folgte also einem Streifzug durch die philosophische Diskussion um das Wesen der Tiere von 1637 bis Daniel C. Dennett die Frage nach dem moralischen Status der Tiere &#8211; gestellt von Tom Regan und Kenneth Goodpaster. In den letzten Sitzungen schließlich kamen mit Max Scheler, Johann Gottfried Herder und Arnold Gehlen drei Vertreter der philosophischen Anthropologie (zweiterer ist dies zumindest implizit) zu Wort.</p>
<p>Aufschlussreich mag abschließend folgende Beobachtung sein:</p>
<p>Im UnivIS (Informationssystem) der Universität Heidelberg findet man neben Personen, Einrichtungen und sonstigen Informationen eine nahezu vollständige Auflistung aller Lehrveranstaltungen der Universität bis zurück ins Sommersemester 2003. In diesen vergangenen sieben Semestern ist das Hauptseminar &#8220;Mensch und Tier&#8221; von McLaughlin das einzige seiner Art…</p>
<p><strong>Internetverweise</strong></p>
<p><a title="Peter McLaughlin" target="_blank" href="http://www.philosophie.uni-hd.de/personal/mclaughlin.html">Prof. Dr. Peter McLaughlin</a><br />
<a title="Philosophisches Seminar" target="_blank" href="http://www.philosophie.uni-hd.de">Philosophisches Seminar der Universität Heidelberg</a><br />
<a title="UnivIS" target="_blank" href="http://univis.uni-heidelberg.de">UnivIS der Universität Heidelberg</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2007/01/09/prof-dr-peter-mclaughlin-mensch-und-tier/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Tierschutz und Wissenschaft Hand in Hand“</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2006/11/30/%e2%80%9etierschutz-und-wissenschaft-hand-in-hand%e2%80%9c-2/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2006/11/30/%e2%80%9etierschutz-und-wissenschaft-hand-in-hand%e2%80%9c-2/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 30 Nov 2006 01:28:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>
		<category><![CDATA[Science]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2006/11/30/%e2%80%9etierschutz-und-wissenschaft-hand-in-hand%e2%80%9c-2/</guid>
		<description><![CDATA[PD Dr. med. vet. Franz P. Gruber in Heidelberg Die Kooperation zwischen der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik und der Interfakultären Biomedizinischen Forschungseinrichtung der Universität Heidelberg ermöglichte am 29. November einen Vortrag zum Thema &#8220;Tierschutz und Wissenschaft Hand in Hand: Das 3R-Prinzip&#8220;. Der Präsident der schweizerischen Dorenkamp- Zbinden-Stiftung, Chefredakteur des Periodikums ALTEX (Alternatives to Animal Experimentation) und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>PD Dr. med. vet. Franz P. Gruber in Heidelberg</strong></p>
<p><img align="left" alt="Franz P. Gruber" title="Franz P. Gruber" src="http://ag-tierethik.de/blog/gruber1.JPG" />Die Kooperation zwischen der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik und der Interfakultären Biomedizinischen Forschungseinrichtung der Universität Heidelberg ermöglichte am 29. November einen Vortrag zum Thema &#8220;<em>Tierschutz und Wissenschaft Hand in Hand: Das 3R-Prinzip</em>&#8220;. Der Präsident der schweizerischen Dorenkamp- Zbinden-Stiftung, Chefredakteur des Periodikums ALTEX (<em>Alternatives to Animal Experimentation</em>) und Privatdozent der Universität Konstanz, Dr. Franz P. Gruber, verschaffte dem Publikum einen Einblick in die Forschung nach Alternativen zum Tierversuch.<span id="more-22"></span></p>
<p align="center"><iframe width="448" scrolling="no" height="333" frameborder="0" id="I1" marginheight="1" marginwidth="1" name="I1" src="http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~rebert/arlectures/media/gruber.htm">Ihr Browser unterstützt Inlineframes nicht oder zeigt sie in der derzeitigen Konfiguration nicht an.</iframe></p>
<p>Der Veterinär stellte das 3R-Prinzip vor, wessen Ziel es ist, Tierversuche zu ersetzen (&#8220;<em>replace</em>&#8220;), die Anzahl der Tiere in Experimenten zu senken (&#8220;<em>reduce</em>&#8220;) und das Leid der Versuchstiere zu minimieren (&#8220;<em>refine</em>&#8220;). Das Prinzip ermögliche eine Zusammenarbeit zwischen Tierschutz und Wissenschaft, um die Tierversuchszahlen und das Tierleid gemeinsam zu senken. Es hielt bereits Einzug in die EU-Richtlinien, nationale Gesetzgebungen sowie in die Europäische Wissenschaftsgesellschaft. Einen Schritt weiter gehen die Grundsätze der schweizerischen Wissenschaftsgemeinschaften, indem sie angesichts schwer belastender Versuche Wissensverzicht üben.<img align="right" alt="Franz P. Gruber" title="Franz P. Gruber" src="http://ag-tierethik.de/blog/gruber2.JPG" /></p>
<p>Als Beispiel für &#8220;<em>Replacement</em>&#8221; diente u. a. der Test potenziell pyrogener Substanzen anhand von fluoreszierenden Markern in Zellkulturen, der Tests an Kaninchen ersetzte. Einen Beitrag zur &#8220;<em>Reduction</em>&#8221; leistet die QSAR-Technik, die anhand von Computersimulationen die Wirkung von Molekülen auf Rezeptoren weitgehend voraussagen und somit viele gefährliche Stoffe im Vorfeld herausfiltern könne. Als Ansatz zum &#8220;<em>Refinement</em>&#8221; wurde der &#8220;<em>humane endpunkt</em>&#8221; diskutiert, das Einschläfern totgeweihter Versuchstiere, um ihnen den leidvollen natürlichen Tod bzw. die leidvolle Endphase davor zu ersparen.</p>
<p>Dr. Gruber appellierte des Weiteren dafür, in der universitären Ausbildung die zur Verfügung stehenden Alternativen wie schmerzlose Eigenversuche wahrzunehmen.</p>
<p>Die anschließende Fragerunde wurde moderiert von Dr. Jürgen Weiß, versuchstierkundlicher Leiter der Interfakultären Biomedizinischen Forschungseinrichtung der Universität Heidelberg.</p>
<p>Die Folien des Vortrags gibt es <a target="_blank" title="Folien zum Vortrag" href="http://www.ag-tierethik.de/vortraege/franz_paul_gruber/Tierschutz_und_Wissenschaft_Franz_P_Gruber.pdf">hier</a>, ein Interview mit Herrn Dr. Gruber <a title="Interview mit Franz P. Gruber" href="http://tierethikblog.de/2007/01/12/viele-forscher-leiden-unter-dem-nih-syndrom-interview-franz-p-gruber/">hier</a><br />
und weitere Informationen unter: <a target="_blank" title="Vorträge der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik" href="http://www.ag-tierethik.de/vortraege.htm">http://www.ag-tierethik.de/vortraege.htm</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2006/11/30/%e2%80%9etierschutz-und-wissenschaft-hand-in-hand%e2%80%9c-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Tierschutz in Zeiten der Globalisierung&#8230;</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2006/11/18/tierschutz-in-zeiten-der-globalisierung-ethik-und-landwirtschaft-einklang-oder-gegensatz/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2006/11/18/tierschutz-in-zeiten-der-globalisierung-ethik-und-landwirtschaft-einklang-oder-gegensatz/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 18 Nov 2006 22:34:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>
		<category><![CDATA[Science]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/2006/11/18/tierschutz-in-zeiten-der-globalisierung-ethik-und-landwirtschaft-einklang-oder-gegensatz/</guid>
		<description><![CDATA[&#8230;- Ethik und Landwirtschaft: Einklang oder Gegensatz?&#8221; Tagung am 28.9.2006 im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Hessen in Wiesbaden Nach dem Grußwort von Volker Hoff, Hessischer Staatsminister für Bundes- und Europa-Angelegenheiten, führte die Hessische Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin ins Thema ein und leitete zum ersten Abschnitt „Warum Tierschutz?“ der dreigliedrigen Tagung über. Prof. Dr. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8230;- Ethik und Landwirtschaft: Einklang oder Gegensatz?&#8221; </strong></p>
<p>Tagung am 28.9.2006 im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Hessen in Wiesbaden</p>
<p><img align="left" alt="Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Hessen" title="Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Hessen" src="http://ag-tierethik.de/blog/logo_hessen.gif" />Nach dem Grußwort von <strong>Volker Hoff</strong>, Hessischer Staatsminister für Bundes- und Europa-Angelegenheiten, führte die Hessische Landestierschutzbeauftragte Dr. <strong>Madeleine Martin</strong> ins Thema ein und leitete zum ersten Abschnitt „<em>Warum Tierschutz?</em>“ der dreigliedrigen Tagung über.<span id="more-18"></span></p>
<p>Prof. Dr. <strong>Hanno Würbel</strong> (Lehrstuhl für Tierschutz und Ethologie, Justus-Liebig-Universität Gießen) referierte zum Thema „<em>Was empfinden Tiere?</em>“. Der Vortrag entsprach in etwa der Vorlesung, die er im Rahmen der “<a title="ILAR" href="http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/"><em>Interdisziplinären Vorlesungsreihe Tierrechte</em></a>” in Heidelberg hielt.</p>
<p>Einen kurzen Überblick über tierethische Herangehensweisen gab Prof. Dr. <strong>Jean-Claude Wolf</strong> (Lehrstuhl für Ethik und politische Philosophie, Universität Misericorde Fribourg) mit dem Vortrag „<em>Ethische Grundlagen des Tierschutzes</em>“.<br />
Der religiösen Begründung sprach er den Beitrag zur allgemeinen Tierschutzbegründung ab, da diese nur für die Mitglieder der jeweiligen Religion nachvollziehbar ist und daher nicht als universale Grundlage verwendbar ist. Weitere Möglichkeiten, sich der Tierschutzproblematik anzunähern, könnten moralische Intuition oder der Gerechtigkeitssinn („<em>sense of justice</em>“) sein, die allerdings variabel und schwer begründbar sind.<br />
Wolf, der durch die Lektüre von Peter Singers „<em>Animal Liberation</em>“ zur Beschäftigung mit dem Thema Tierethik inspiriert wurde, hält dessen Tierbefreiungsidee und die Vorstellung einer Speziesneutralität für zu unrealistisch. Jedoch versteht er sie als wichtiges Korrektiv unserer Einstellung gegenüber Tieren. Der „<em>Animal Liberation</em>“ stellt er einen paternalistischen Tierschutz gegenüber, der von einer „Herrenmoral“ im positiven Sinne bestimmt ist.<br />
Kants bedeutsamsten Beitrag zur Tierethik sieht er im Instrumentalisierungsverbot, indem die  Vorstellung von der Person als Zweck auf nichtmenschliche Tiere übertragen wird. Jedoch hält er auch das Instrumentalisierungsverbot für unzureichend begründbar, da dieses wieder auf der moralischen Intuition beruht und zudem zu ungenau ist („Instrumentalisierung“ von Personen als Busfahrer etc.).<br />
Weiterhin untersuchte er die Vertragstheorien von Rawls und Hobbes auf ihre Anwendbarkeit in Sachen Tierethik. Hinter Rawls &#8220;<em>Schleier des Nichtwissens</em>&#8220;, der die Identität der Beteiligten ausblendet,  würden die Speziesunterschiede der Betroffenen verschwinden, wodurch man den Speziesismus umgehen könnte, was Wolf jedoch als Fiktion entlarvt. Hobbes&#8217; „egoistische“ Vertragstheorie, die von unterschiedlichen Machtverhältnissen ausgeht, wäre eine realistischere Möglichkeit. Allerdings könnte das Tier nur durch einen Stellvertreter eingebunden werden und wäre größtenteils der vorherrschenden Machtverteilung unterworfen.<br />
Als letzten Punkt nannte Wolf die Tugendethik, die nicht auf normativer, sondern auf der Motivationsebene greift. Komplementär zu direkten und indirekten Pflichten gegenüber Tieren sieht Wolf den Antrieb der Selbstachtung.</p>
<p>Der zweite Abschnitt „<em>Wirtschaftliche Vorteile auf Kosten der Tiere?</em>“ begann mit dem Vortrag „<em>Schmerzhafte Eingriffe bei Nutztieren ohne Betäubung</em>“ von Dr. <strong>Johannes Baumgartner</strong> (Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Tierhaltung und Tierschutz).<br />
Er stellte die Frage in den Raum, ob es gerechtfertigt sei, wie bisher Tiere für den Produktionsprozess “zurechtzuschneiden” oder ob es nicht vielmehr an der Zeit wäre, den Produktionsprozess den Tieren anzupassen. Für Eingriffe am Tier, wie Beschädigung und Entfernung empfindlicher Körperteile und Veränderungen an der Knochenstruktur, muss laut Tierschutzgesetz ein „vernünftiger Grund“ vorliegen, der jedoch je nach Nutzungsinteressen verschieden interpretiert wird.<br />
Viele schmerzhafte Eingriffe, die laut Gesetz eigentlich Ausnahmen darstellen sollten, sind längst zur Routine geworden, so z.B. Schwanzkürzen, Enthornung, Kastration, Zahn- u. Schnabelkürzen u.v.m., die bei den betroffenen Tieren zu Belastung, Angst, akutem und postoperativem Schmerz, Wundheilungsstörungen und Funktionseinschränkungen führen.<br />
Baumgartner nannte drei Beispiele mit Lösungsvorschlägen:<br />
In Deutschland ist es erlaubt, Kälbern unter 3 Monaten mit einem elastischen Ring durch Ischämie einen Teil des Schwanzes zu amputieren. Dieser sehr schmerzhafte Eingriff soll der Schwanzspitzennekrose vorbeugen, die v.a. bei zu hoher Besatzdichte und Rauhfuttermangel vorkommt. Eine Studie dazu zeigt jedoch, dass Einstreuhaltung mit moderater Besatzdichte der Schwanzspitzennekrose weitaus besser vorbeugt und der Schwanzkürzung sogar wirtschaftlich überlegen ist.<br />
Auch bei Schweinen wird den Jungtieren der Schwanz gekürzt. Dies darf ohne Betäubung vom Tierhalter selbst durchgeführt werden und soll Schwanzbeißen und damit verbundene Infektionen verhindern. Laut Baumgartner kann das Schwanzbeißen jedoch durch ausreichende Beschäftigung und verminderte Besatzdichte vermieden werden. Außerdem sollten die Schweine nicht sich selbst überlassen werden, wie es wohl in großen Anlagen vorkommt, sondern besser beobachtet werden, so dass Beißer und verletzte Tiere frühzeitig isoliert werden können.<br />
Als letztes Beispiel nannte Baumgartner die betäubungslose Kastration von Schweinen, die den störenden Ebergeruch, der durch die Verbindung von Androstenon und Skatol beim Erhitzen des Fleisches entsteht, verhindert. Allerdings scheint die Wahrnehmung zu variieren, denn in vielen Ländern stört der Geruch die Verbraucher nicht. Die Kastration wird in der ersten Lebenswoche vom Tierhalter selbst durchgeführt. Die anästhetischen Verfahren scheitern in der Praxis der Großbetriebe aufgrund verschiedener Ursachen: Die Lokalanästhesie verursacht selbst derartig Schmerzen, dass sie kaum zur Verminderung dieser beiträgt, die Injektionsanästhesie birgt für das junge Ferkel durch das langsame Erwachen die Gefahr, von der Mutter erdrückt zu werden, die Inhalationsanästhesie gefährdet durch das lebertoxische Gas Tier und Mitarbeiter.<br />
Als eigentliche Alternative stellte der Referent die Immunokastration und die Ebermast vor. Die Immunokastration bewirkt durch eine zweimalige Impfung eine Immunreaktion gegen das “<em>Gonadotropin-Releasing-Hormone</em>” und dadurch eine Hodenatrophie. Das bereits in Australien bewährte Verfahren hinterlässt keine Rückstände im Fleisch und ist für den Menschen ungefährlich, da reversibel. In den kommenden zwei Monaten wird über eine europäische Zulassung entschieden. Die einfachste und laut Baumgartner beste langfristige Alternative bietet die Ebermast, welche z.B. in Großbritannien und Irland schon Routine ist. Allerdings wird bis zur Einführung der Ebermast im großen Stil noch viel Verbraucheraufklärung nötig sein.</p>
<p>Der Richter <strong>Christoph Maisack</strong> aus Bad Säckingen berichtete über die „<em>Routinetötung männlicher Küken der Legehennen-Linien</em>“:<br />
Ein Legehennenzüchter hat in Deutschland zwei Methoden, seine überzähligen männlichen Küken zu töten. Durch die Kohlendioxid-Vergasung leiden die Küken 10-40 s unter der schleimhautreizenden Gas-Konzentration von 80%, der Homogenisator zerhäckselt die Küken betäubungslos. Die Zuchtspezialisierung in Lege- und Masthühner macht die Hähne der Legerassen wirtschaftlich bedeutungslos, eine Mast dauert wesentlich länger als bei den Mastrassen. Der „vernünftige Grund“, den das Tierschutzgesetz verlangt und sich eigentlich, so der Richter, auf den Lebenserhalt der Menschen bezieht, ist hier klar ein ökonomischer.<br />
Maisack bot drei Lösungsansätze an: Eine neue Rasse, die Lege- und Mastqualität vereinigt, könnte sowohl die weiblichen als auch männlichen Hühner nutzbar machen. Das Wissen, jedoch nicht die Bereitschaft, sei bei den großen Zuchtverbänden bereits vorhanden. Der Geschlechtertest am Ei wurde zwar schon im Tierschutzbericht 1995 herbeigesehnt, aber weitere Fortschritte in der Verfahrensforschung wurden nicht erzielt, was die Idee zum heutigen Zeitpunkt nicht praktikabel macht. Eine Teillösung zur Senkung der Legehühnernachzuchten und damit zur Verminderung der Hahnenzahlen könnte die Verlängerung der Legezeit bedeuten. Maisack schlug vor, Bauern Prämien zu bieten, die ihre Legehennen nicht gleich bei Beginnen der Mauser schlachten, sondern sie für weitere Legeperioden behalten.</p>
<p>Zum Thema „<em>Tiertransporte und Tierschutz: Konsequenzen des internationalen Handels</em>“ trug <strong>Iris Baumgärtner</strong> von den „<em>Animals&#8217; Angels</em>“ vor.<br />
Die fast weltweit agierende Organisation „<em>Animals&#8217; Angels</em>“ wurde mit dem kurzfristigen Ziel gegründet, die Bevölkerung über Tiertransporte aufzuklären und dem langfristigen, diese abzuschaffen. Die Globalisierung und Liberalisierung des Marktes führt zur Spezialisierung einiger Länder wie Argentinien und Brasilien auf Tierprodukte, sowie auf bestimmte  Produktionsprozesse (Mast, Schlachtung). Vermehrte Tiertransporte über weite Strecken sind die Folge davon. Der Tierexport hängt ab von Preisen, Währungen, Klima, Subventionen und Seuchen.<br />
Als Beispiel nannte Baumgärtner den Schafexporteur Australien und stellte anhand der Geschichte eines Lammes den Weg von der australischen Farm bis zum saudi-arabischen Markt dar. Insgesamt bedeutet der Export für die Tiere 4 Wochen Dauerstress auf engstem Raum (etwa 0,34m²/Schaf auf dem Schiff) und einkalkulierten Todesraten von 0,95 %, die bei der hohen Exportrate tausende tote Tiere bedeuten. Salmonellen, Luftfeuchtigkeit und Hitze macht den Tieren zu schaffen, „<em>shy feeders</em>“, die sich bei der enormen Enge nicht an die Tröge trauen, verhungern. Dabei reagieren die Tiere sehr anfällig auf äußere Einflüsse, z.B. erhöhte ein Ventilationausfall von 5 min die Todesrate auf 11%.<br />
Da auch vermehrt Länder, die keinerlei Tierschutzbestimmungen haben, auf den Markt drängen, ist, so Baumgärtner, eine internationale Regelung dringend notwendig.</p>
<p>Den letzten Tagungsabschnitt „<em>Tierschutz als Chance?</em>“ begann die Quantenphysikerin und Trägerin des alternativen Friedensnobelpreises <strong>Vandana Shiva</strong> (Research Foundation for Science, Technology and Ecology, Neu Dehli) mit ihrem Vortrag „<em>Fair calculation – global costs of conventional and organic farming“</em>.<br />
Unter ökologischer Landwirtschaft versteht Shiva ein untrennbares Zusammenwirken von Tier, Mensch und Pflanze. Trennt man diese Einheit, indem man z.B. den Futtermittelanbau (Soja in Brasilien) von der Tierzucht (Rinder und Schweine in Europa) separiert, geht die nötige Rückkopplung verloren und die Pflanzen, die der menschlichen Ernährung dienen sollten, enden anderenorts als Tierfutter.<br />
Im Mittelpunkt des Vortrags stand der endemische Selbstmord von Bauern in Punjab, Indien. Durch den Kauf von teurem genmanipuliertem Saatgut und passendem Dünger stürzen sich die Bauern in Schulden und verlieren ihr Land. Die zunehmenden Zerstörung der indischen Kleinbauernbetriebe ist symptomatisch für ein weltweites Fortschreiten dieser Praktiken. Folgen sind Umweltprobleme, Hunger und soziales Elend. Dem hält Shiva die Idee des ökologischen Landbaus entgegen, der die Bauern durch seinen geschlossenen Kreislauf unabhängig macht. Durch Aufklärungsarbeit hilft Shiva den indischen Bauern, ihre Situation besser zu verstehen und sich zu organisieren.</p>
<p><strong>Paul Daum</strong> von der Kaiser&#8217;s Tengelmann AG (Nationales Qualitätsmanagement, Verbraucherschutz und ökologischer Landbau, München) berichtete in seinem Vortrag „<em>Wann kommt Tierschutz ins Regal?</em>“ von den Tierschutz-Bemühungen der Supermarktkette.<br />
Laut Daum geht das Engagement der AG weit über die Tierschutzbestimmungen hinaus, was sie jedoch aufgrund der „Unteilbarkeit des Tierschutzes“ nicht gesondert deklarieren darf. Das Unternehmen, welches dieses Jahr das 20-jährige Bestehen seiner Biomarke feiert, führte 2000 aufgrund des Kundendrucks wieder Käfigeier ein, die jedoch im untersten Regel liegen, während für Bio-Eier regelmäßig Werbemaßnahmen durchgeführt werden. Dies spiegelt Daums Überzeugung wider, nicht durch Druck in Form von Vorenthalt bestimmter Produkte, sondern durch Aufklärungsarbeit tierfreundlichere Waren einzuführen. Auch von nationalen Alleingängen hält er wenig und betont die Bedeutung der Zusammenarbeit auf europäischer und internationaler Ebene.</p>
<p>Die Verbraucherzentrale Hessen (Frankfurt am Main) wurde durch <strong>Andrea Fink-Kessler</strong> vertreten. Der Vortrag „<em>Tierschutz – ein Thema für Verbraucher</em>“ hatte die Divergenz zwischen Verbraucherumfragen und Verbraucherverhalten zum Thema.<br />
Laut Umfragen ist Tierschutz für Verbraucher ein wichtiges Kriterium. Von Verbraucherseite wird eine Mehrpreisbereitschaft bis zu 25% angegeben. Doch scheint der Markt nicht diese Einstellung widerzuspiegeln, die Marktdurchdringung der meisten Biotierprodukte ist immer noch gering. Fink-Kessler führt dies auf einen Mangel an Sicherheit in der Beurteilung der Qualität zurück. Neben dem Biosiegel und der Eierkennzeichnung gebe es hierzulande bislang keine zureichende Kennzeichnung bzgl. der Tierhaltungsbedingungen. Dieser Sicherheitsmangel führt beim Verbraucher zu einer Entscheidung auf Preisbasis.</p>
<p>Als letzter Referent erschien Dr. <strong>Reinhard Kaeppel</strong>, Consultant und ehemaliger Leiter der Qualitätssicherung von McDonald&#8217;s. Der Vortrag „<em>Tierschutz – ein Thema für global player?</em>“ handelte von der Verbesserung in Sachen Tierschutz, die der Konzern McDonald&#8217;s in den letzten Jahren vorgenommen habe. Z.B. betonte Kaeppel die strengen Kontrollen bei Schlachtung und Verarbeitung, sowie der Futtermittel. Auch bei Importen wende McDonald&#8217;s deutsche Tierschutz-Maßstäbe an.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2006/11/18/tierschutz-in-zeiten-der-globalisierung-ethik-und-landwirtschaft-einklang-oder-gegensatz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bericht über die Interdisziplinäre Vorlesungsreihe Tierrechte 2006</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/</link>
		<comments>http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Nov 2006 22:47:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proceedings]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://tierethikblog.de/?p=6</guid>
		<description><![CDATA[Im Sommersemester 2006 fand an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg eine Vorlesungsreihe zum Themenkomplex Tierrechte/Tierschutz/Tierethik mit wöchentlichen Vorträgen und Diskussionen statt. Veranstaltet wurde die Reihe von der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik der Universität Heidelberg mit dem Ziel, ein möglichst breites Spektrum an Sichtweisen und Disziplinen vorzustellen und damit einen universitären sowie öffentlichen Diskurs zu einem Thema anzuregen, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img align="top" alt="ILAR Logo" title="ILAR Logo" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/test/images/logo_top.jpg" /></p>
<p>Im Sommersemester 2006 fand an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg eine Vorlesungsreihe zum Themenkomplex Tierrechte/Tierschutz/Tierethik mit wöchentlichen Vorträgen und Diskussionen statt. Veranstaltet wurde die Reihe von der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik der Universität Heidelberg mit dem Ziel, ein möglichst breites Spektrum an Sichtweisen und Disziplinen vorzustellen und damit einen universitären sowie öffentlichen Diskurs zu einem Thema anzuregen, das hierzulande noch recht stiefmütterlich behandelt wird.<span id="more-6"></span></p>
<p><strong>26. April: Wild</strong><br />
<img align="left" alt="Rainer Ebert" title="Rainer Ebert" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/260406/wild_kl.jpg" /> Nach einer Eröffnungsrede des Vorstandsvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Tierethik, Rainer Ebert, über die Geschichte der Tierethik unter dem Titel &#8220;<em>Was ist der moralische Status der nichtmenschlichen Tiere?</em>&#8221; begann die Vorlesungsreihe mit dem Beitrag „<em>Das Tier in den Geistes- und Naturwissenschaften</em>“ von Dr. Markus Wild.<br />
Wild ist Philosoph an der Humboldt Universität Berlin und (nebst Prof. Dr. Dominik Perler) Herausgeber des Sammelbandes „<em>Der Geist der Tiere – Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion</em>“ (Suhrkamp 2005). Er stellte das Problem „Sprechweisen“ an Beispielen vor und ging auf verschiedene Sichtweisen der Mensch-Tier-Unterscheidung ein. Während der Differenzialismus das Tier als unbewusstes Wesen radikal verschieden vom Menschen deutet, erkennt der Assimilationismus keine wesentliche Unterscheide an. Die gradualistische Stufenleiter bestimmt für das Tier einen Platz<img align="right" alt="Dr. Markus Wild" title="Dr. Markus Wild" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/260406/wild%20(7)_kl.jpg" /> unter dem Menschen, die metamorphistische Anverwandlung betont die innige Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier und das skeptizistische Nicht-Wissen macht das Verstehen des fremden Gegenübers „Tier“ unmöglich. In den Geistes- und Naturwissenschaften findet man nach Wild alle diese Sichtweisen. Aufgrund naturwissenschaftlicher Studien etwa über Affen, Delphine oder Krähenvögel sehen sich differentialistische Ansichten zusehends durch einen Assimilationismus herausgefordert. Demgegenüber versuchen verschiedene geisteswissenschaftliche Studien den Skeptizismus aufrecht zu erhalten und betonen die Fremdheit der Tiere. Eine unverzerrte Sichtweise auf Tiere verlangt nach Ansicht Wilds keinen Mittelweg, sondern nach beidem. Das naturwissenschaftliche Sprechen über Tiere steht vor dem Problem, das Verhalten der Tiere zum Sprechen zu bringen und sich gleichzeitig stets zu misstrauen. Wild argumentierte für einen kritischen Anthropomorphismus.</p>
<p><strong>3. Mai: Würbel</strong><br />
Die zweite Vorlesung hielt Prof. Dr. Hanno Würbel, Inhaber des Lehrstuhls für Tierschutz und Ethologie an der Justus-Liebig-Universität in Giessen. Er ging in seiner Vorlesung den biologischen Grundlagen des Tierschutzes nach.<img align="left" alt="Prof. Dr. Hanno Würbel" title="Prof. Dr. Hanno Würbel" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/030506/Wuerbel_kl.jpg" /><br />
Nach Würbel sind Leiden und Wohlempfinden eines Tieres letztlich nur für das Tier selbst als Subjekt direkt feststellbar, daher muss der Biologe mit Analogieschlüssen und geeigneten Indikatoren arbeiten. Laut Analogieschluss leidet ein Tier, (a) wenn es sich in einer Situation befindet, die analog ist zu einer Situation, die bei Menschen Leiden verursacht, (b) dabei gleichzeitig Reaktionen zeigt, die analog sind zu den Reaktionen von Menschen in einer solchen Situation und (c) es zudem über ein zentrales Nervensystem verfügt, das homolog (stammesgeschichtlich ähnlich) ist zu jenem von Menschen. Hier wird der Mensch zum Tiermodell (oder besser: Menschenmodell) für Tiere, indem ausgehend von Reaktionen (physiologisch, Verhalten) von Menschen im Zusammenhang mit Leidenszuständen (Angst, Furcht, Schmerz, etc.) aussagekräftige Indikatoren gesucht werden, die auf Tiere übertragbar sind. Damit kann Leid zwar nicht im eigentlichen Sinn gemessen, aber immerhin plausibel gemacht werden. Benachteiligt allerdings sind Tiere, die stammesgeschichtlich weiter von uns entfernt sind und deren Nervensystem sich demzufolge grundlegend von unserem unterscheidet.</p>
<p><strong>10. Mai: Rheinz</strong><br />
Dr. Hanna Rheinz, Psychologin, Kulturwissenschaftlerin, Publizistin, Dozentin und Gründerin der „<em>Initiative Jüdischer Tierschutz</em>“, gab mit ihrem Vortrag „<em>Kabbala der Tiere: Tierrechte im Judentum und warum sie bis zum heutigen Tag kollektive Abwehr auslösen</em>“ einen Einblick in die jüdische Tierethik.<br />
Vor dem Hintergrund einer zu entwickelnden „Kabbala der Tiere“ stellte Rheinz die Grundlagen der wohl weltweit ältesten Tierschutz- und Tierrechtsethik vor; sie beruhen auf der Beseeltheit der Tiere und der Heiligung allen Lebens. Des Weiteren wurde die Frage des Tötens von Tieren angerissen, ebenso wie die mangelhafte Rezeption der jüdischen Tierrechtsposition im Rahmen des „jüdisch-christlichen Weltbildes“ und auch von Seiten der neueren Tierschutz- und Tierrechtsbewegungen. Die radikale jüdische Tierrechtsposition wird laut Rheinz bis zum heutigen Tag weitgehend verleugnet und verkannt – Folge einer kollektiven Abwehr, die für die Beurteilung der Verfolgungsgeschichte von Menschen und Tieren in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entscheidend sein dürfte, so Rheinz.</p>
<p><strong>17. Mai: Kaplan</strong><br />
Der Philosoph Dr. Helmut F. Kaplan sprach zum Thema „<em>Tierbefreiungen – Kriminelle Akte oder konsequente Ethik?</em>“.<br />
Anhand historischer Vergleiche bewertet Kaplan den moralischen Stellenwert von Tierbefreiungen, indem er eine Kontinuität von den Sklavenbefreiungen über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und die Frauenemanzipation bis hin zur Tierbefreiungsbewegung postuliert. Als Merkmale historischer Umbruchphasen nannte er gesellschaftliche Gespaltenheit und rechtliche Unsicherheit. Ein Beispiel hierfür sah er im Fall der „La Amistad“: Nachdem sich 1839 die Sklaven an Bord des Sklavenschiffes vor der kubanischen Küste gewaltsam ihrer Peiniger entledigt hatten, wurden sie in den USA als Mörder vor Gericht gestellt und den Rädelsführern drohte die Todesstrafe. Aber Gegner der Sklaverei erreichten schließlich, dass die Sklaven nicht verurteilt, sondern freigesprochen wurden. Kaplan hält – auch in Bezug auf Tierrechte – einen Vorgriff auf künftiges Bewusstsein für nötig, um eben dieses Bewusstsein zu schaffen.</p>
<p><strong>24. Mai: Regan</strong><br />
Einen Höhepunkt der Vorlesungsreihe stellte der Vortrag „<em>Animal Rights: An Introduction</em>“ von Prof. Dr. Tom Regan dar, dem sein Buch „<em>Empty Cages: Facing the Challange of Animal Rights</em>“ (Rowman and Littlefield 2004) zu Grunde lag. Der emeritierte Philosophie-Professor der North Carolina State University begründete durch sein Schaffen die Tierrechtsphilosophie und prägt auch heute noch die Tierrechtsbewegung.<img align="right" alt="Prof. Dr. Tom Regan" title="Prof. Dr. Tom Regan" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/240506/regan_kl%20(6).JPG" /><br />
Als Ausgangspunkt des Vortrags diente die Dokumentation einer Katzenschlachtung in China. Hierbei wurde verdeutlicht, dass viele Menschen eine feste Unterscheidung zwischen Haustieren und Nutztieren machen. Tierrechtsbefürworter („Animal Rights Advocates“) hingegen beschränken ihr Mitgefühl und ihren Respekt nicht auf Haustiere, sondern dehnen diese auch auf Tiere aus, die der Mensch gewohnheitsmäßig zu Nahrung, Kleidung und anderem verarbeitet. Nicht alle Tierrechtsbefürworter entwickeln auf dieselbe Art und Weise diese Einstellung. Er teilt diese anhand ihres Werdeganges ein in „DaVincians“, „Damascans“ und „Muddlers“. Während „DaVincians“ wie Leonardo da Vinci schon vom Beginn ihres Lebens an eine enge Verbundenheit mit dem Tier verspüren, kommen „Damascans“ ganz plötzlich durch ein einschneidendes Erlebnis zur Erkenntnis, analog der Wandlung Sauls zu Paul nach der Begegnung mit Jesus auf dem Weg nach Damaskus. Doch den Großteil machen, laut Regan, die „Muddlers“ aus: Sie nähern sich dem Tierrechtsbewusstsein Schritt für Schritt, suchen hier und da nach Informationen, logischen Beweisen und rationalen Begründungen.<br />
Mit den „Muddlers“ als Zielgruppe, legte er seine Tierrechtsphilosophie anschließend dar.</p>
<p><strong>31. Mai: Wenz</strong><br />
<img align="left" alt="Prof. Dr. Peter Wenz" title="Prof. Dr. Peter Wenz" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/310506/Wenz_kl%20(8).JPG" /> Der Philosoph und Experte für Umweltethik Prof. Dr. Peter S. Wenz aus Illinois referierte über das Thema „<em>Animal Rights in Social Context</em>“.<br />
Nach einer kurzen Vorstellung der Gründe, Tiere vor menschlicher Ausbeutung zu schützen und der Darstellung der Positionen Regans und Cohens zur Tierrechtsthematik, betont Wenz die Beziehungen zwischen angemessenem Schutz und sozialem Kontext. Indem er die Ausbeutung von Tieren in der medizinischen Forschung als ein Beispiel nimmt, argumentiert er gegen den Glauben, dass der Schutz von Tieren menschliches Wohlergehen reduziert. Tierversuche sind laut Wenz nicht aussagekräftig, da ein Erfolg im Tierversuch trotzdem Schaden für den Menschen nach sich ziehen kann, so wie ein Misserfolg am nichtmenschlichen Tier einen Erfolg am Menschen bewirken könnte. Letztlich bleibt der erste Mensch, an dem die Substanz oder das Verfahren getestet wird das eigentliche „guinea pig“, ob vorher Tierversuche statt fanden oder nicht. Laut Wenz’ „environmental synergism“ verbessert Respekt gegenüber Mensch und Tier gleichermaßen das Ergebnis für beide. Das „hedonic paradox“ verspricht dem Handelnden nur dann Wohlergehen, wenn er um der Sache selbst willen handelt. Die Ausbeutung der Natur fördert die Ausbeutung der Menschen. Daher profitieren Menschen davon, die Natur, einschließlich der tierlichen Natur, um ihrer selbst wertzuschätzen.</p>
<p><strong>7. Juni: Engel</strong><br />
Der Philosoph Prof. Dr. Mylan Engel Jr. lehrt an der Northern Illinois University in DeKalb und ist seit 2002 Executive Secretary der „<em>Society for the Study of Ethics and Animals</em>“.<br />
In seiner Vorlesung “<em>Do Animals Have Rights, and Does It Matter if They Don’t?</em>“ thematisiert er die Rolle des Tierrechtsbegriffs in der Tierethik. Seiner Meinung nach führt die Fixierung auf Rechte zu der Annahme, dass die Frage nach dem ethischen Umgang mit Tieren allein davon abhängt, ob Tiere Rechte haben oder nicht. Dies würde zu der Schlussfolgerung führen, dass, wenn Tiere Rechte hätten (wie Tom Regan und Joel Feinberg behaupten), vieles, was wir Tieren antun, grundsätzlich falsch wäre; wenn sie aber keine Rechte hätten (wie Carl Cohen und Alan White meinen), dann würde vieles, was wir Tieren antun, überhaupt keine nennenswerten Streitfragen aufwerfen.<img align="right" alt="Prof. Dr. Mylan Engel Jr." title="Prof. Dr. Mylan Engel Jr." src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/070606/Engel_kl%20(9).JPG" /><br />
Um zu erklären, warum diese Annahme und ihre Schlussfolgerung falsch sind, legte er den Streitfall Tierrechte dar und überlegte, was bzgl. der ethischen Behandlung von Tieren folgt, wenn das Gebäude der Tierrechtsphilosophie bzw. der Rechtsphilosophie im Allgemeinen zusammenbricht. Nach diesem Vorgehen verteidigte er die folgenden zwei Thesen: (1) Dass der Streitfall Tierrechte so zwingend ist wie der Streitfall Menschenrechte, und (2) dass, sogar wenn das Rechtskonstrukt zusammenbricht, es immer noch zwingende moralische Gründe gibt zu denken, dass ein Großteil dessen, was wir mit Tieren heutzutage tun, grundsätzlich falsch ist.</p>
<p><strong>14. Juni: Goetschel</strong><br />
Den Vortrag „<em>Das Tier im Recht – rechtspolitische Postulate</em>“ hielt Dr. Antoine F. Goetschel, Geschäftsleiter der „<em>Stiftung für das Tier im Recht</em>“ und selbstständiger Rechtsanwalt in Zürich.<br />
Laut Goetschel sind Tiere durch das Recht mangelhaft geschützt. Den nationalen und internationalen Tierschutzrechten fehlt es – neben inhaltlich zu engen wirtschaftlich motivierten Vorgaben – auch an Strukturen zur Durchsetzung des Rechts. Auch im bürgerlichen Recht (Tier in der Scheidung, Fundrecht, Mietrecht etc.) besteht weltweit Handlungsbedarf in der Richtung, die Rechtsbeziehung zum Tier zu modernisieren. Im Vortrag ging er der Frage nach, wo beim Tier im Recht, insbesondere im deutschen Sprachraum, Mängel auszumachen sind und welche rechtspolitischen Postulate (un)realistischerweise aufgestellt werden können. Zum Vergleich diente hierbei die aktuelle Rechtslage in der Schweiz, an deren Verbesserung die Stiftung für das Tier im Recht maßgeblich beteiligt war. So wurde z.B. der Sachstatus des Tieres abgeschafft, die Schweizer Bundesverfassung durch den Zusatz „Würde der Kreatur“ ergänzt und der bisher einzige „Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen“ im Kanton Zürich eingesetzt. Außerdem bietet die Stiftung die wohl umfassendste Bibliothek zum Thema Tier im Recht im deutschen Sprachraum, eine Datenbank, die sämtliche gemeldete Schweizer Tierschutz-Straffälle enthält sowie die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten im Bereich Tierschutzrecht/Tier im Recht.</p>
<p><strong>21. Juni: Luy</strong><br />
Prof. Dr. Jörg Luy, Philosoph und Fachtierarzt für Tierschutz, seit 2004 Juniorprofessor für Tierschutz und Ethik am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin, referierte zum Thema „Tierrechte – zu den Fragen ihrer ethischen Begründung und ihrer amtstierärztlichen Durchsetzung“. Er ging dabei den verschiedenen Bedeutungen des Begriffs „Tierrechte“ nach, die er von „unten“ und „oben“ in die Zange nahm. Von „unten“ wurde die jeweilige ethische Rechtfertigung rekonstruiert und diskutiert, während von „oben“ sich abzeichnende Defizite zur aktuellen amtstierärztlichen Praxis des Tierschutzvollzugs thematisiert wurden. Dabei vertrat er eine pathozentrische Ethik und betonte die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Untermauerung vertretener tierethischer Ansichten für ihre Verankerung in Politik und Recht.</p>
<p><strong>28. Juni: von Loeper</strong><br />
Der Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper, Vertreter der „<em>Menschen für Tierrechte</em>“ (und deren langjähriger Vorstandsvorsitzender) und der „<em>Juristen für Tierrechte</em>“, hielt den Vortrag „<em>Tierrechte – Ihre Dynamik und in der Praxis entschiedenen Konflikte</em>“.<br />
In dem grundlegenden ersten Teil der Vorlesung ging es um den Zusammenklang der Tierrechte mit den Menschenrechten, ihre konkrete Bedeutung und um die mitgestaltend erlebte Dynamik der Entwicklung, dass der Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Eisenhart von Loeper ging anschließend auf aktuelle Blockaden für die Umsetzung der neuen Rechtslage, insbesondere auf die noch fehlende Tierschutz-Klagemöglichkeit (Verbandsklage) ein.<img align="left" alt="Dr. Eisenhart von Loeper" title="Dr. Eisenhart von Loeper" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/280606/von_loeper_kl%20(8).JPG" /><br />
Der zweite Teil des Vortrags wollte den Hörer mit der Dramatik dessen vertraut machen, was Menschen Tieren antun und was wir dagegen tun können. Er erörterte fünf aktuelle Themen der Tierrechts-/Tierschutzarbeit: das „Hennen-Urteil“ des Bundesverfassungsgerichts (1999), die Untätigkeit der Behörden trotz begründeter Vorstöße gegen gesetzwidrige Qualzuchten („Mast“-Hähnchen, Puten), das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (2004) gegen die Verdunkelung bei Tierversuchen mit Affen (Fall Covance), der Entscheid des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim zum Taubenfütterungsverbot (2005) sowie das Schächten angesichts der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz.</p>
<p><strong>5. Juli: Remele</strong><br />
Prof. Dr. Kurt Remele, Dozent für Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz, sprach zum Thema „<em>Zwischen Apathie und Mitgefühl. Religiöse Lehren aus tierethischer Perspektive</em>“.<img align="right" alt="Prof. Dr. Kurt Remele" title="Prof. Dr. Kurt Remele" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/050706/remele_kl%20(6).JPG" /><br />
„<em>Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit, das Tieropfer von Anfang an abgeschafft zu haben; stimmt. Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion – nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch.</em>“ Dieses Zitat Karlheinz Deschners bringt auch Remeles Vorlesungsthema auf den Punkt: Die christlichen Kirchen sind keine Vorbilder und Vorreiter des Tierschutzes und der Tierrechte. Gerade der mit christlichen Heiligen- und Hochfesten in Zusammenhang stehende, „zum Himmel schreiende“ Anstieg des Fleischkonsums und die damit verbundene enorme Zunahme des Tierleids sind von der theologischen Ethik bisher kaum wahrgenommen worden. Allerdings werden laut Remele die Stimmen jener lauter, die sich für ein „tierfreundliches“ Christentum einsetzen, die für eine Abkehr von Ausbeutung und Apathie und einer Hinwendung zu Mitgefühl und Respekt gegenüber den Tieren plädieren.<br />
In diesem Zusammenhang zeigte er auf, was die monotheistischen Weltreligionen und die von ihnen geprägten Kulturen (Judentum, Christentum, Islam) in Bezug auf die (nichtmenschlichen) Tiere etwa vom Buddhismus und vom Dschainismus (Jainismus) lernen können.</p>
<p><strong>12. Juli: Tierversuche</strong><br />
Unter der Leitung des Philosophen Prof. Dr. Dieter Birnbacher von der Universität Düsseldorf trug die erste Podiumsdiskussion den Titel „<em>Tierversuche – Über Wissenschaftlichkeit, Notwendigkeit und ethische Zulässigkeit</em>“. Zu den DiskutantInnen zählten Prof. Dr. Axel Bauer, Medizinethiker der Universität Heidelberg, die Biologin Silke Bitz, Referentin bei Menschen für Tierrechte e.V., PD Dr. Gábor B. Szabo, Leiter der experimentellen Herzchirurgie der Universität Heidelberg, sowie die Philosophin Prof. Dr. Ursula Wolf von der Universität Mannheim.<img align="left" alt="Podiumsdiskussion Tierversuche" title="Podiumsdiskussion Tierversuche" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/120706/tierversuche_kl%20(2).JPG" /><br />
Nach den eher allgemeinen Vorträgen bat diese Podiumsdiskussion nun die Gelegenheit, tierethische sowie naturwissenschaftliche Thesen an einem konkreten Beispiel zu hinterfragen.<br />
Aus ethisch-philosophischer Perspektive wurden vor allem folgende Fragen diskutiert: „<em>Wie sind Tierversuche unabhängig von der Ausbeute und unabhängig vom Grad der Belastung überhaupt zu rechtfertigen?</em>“, &#8220;<em>Wie lässt sich das im Versuch erfahrene tierliche Leid gegen den gewonnenen Nutzen abwägen?</em>&#8220;, &#8220;<em>Wie sind Tierversuche im Hinblick auf die Verwandtschaft der tierlichen und menschlichen Psyche zu beurteilen, welche psychologischen bzw. neurologischen Experimenten zugrunde liegt?</em>&#8220;. Aber auch die unmittelbare Handhabung der in § 7 Abs. 3 Tierschutzgesetz vorgesehenen „ethischen Abwägung“ stand zur Debatte.<br />
In medizinisch-naturwissenschaftlicher Hinsicht wurde der Nutzen, aber auch der mögliche Schaden, der durch Tierversuche für den Menschen entsteht, diskutiert. Außerdem wurden Möglichkeiten und Grenzen moderner Alternativverfahren und zu erwartende zukünftige Entwicklungen derselben angesprochen.</p>
<p><strong>19. Juli: Corbey</strong><br />
Prof. Dr. Raymond Corbey ist Dozent für Epistemologie und Anthropologie am archäologischen Institut der Universität Leiden und lehrt am philosophischen Institut der Universität Tilburg. In seinem neuesten Buch „<em>The metaphysics of apes: Negotiating the animal-human boundary</em>“ (Cambridge University Press 2005), welches auch der Vorlesung ihren Titel verlieh, beschäftigt er sich mit den Tabus und Herausforderungen der Tier-Mensch-Grenze im historischen Rückblick.<br />
Neben der fortschreitenden Modernisierung und Säkularisierung sowie dem wachsenden Einfluss der Naturwissenschaften trug, so Corbey, ein weiterer Faktor maßgeblich zur tiefgreifenden Neuordnung der nord-atlantischen Weltanschauung bei: die Entdeckung und das Studium der Menschenaffen sowie der affenartigen frühen Hominiden. Schließlich war es nicht mehr die Theologie mit ihrer Schöpfungsgeschichte, die dem Menschen einen Platz in der Natur zuwies, sondern die Entwicklungen der Evolution. Die neu entdeckten Kreaturen, menschenähnlich und dennoch Tiere, entpuppten sich als unsere engsten biologischen Verwandten und bedrohten somit uralte und gern geglaubte Vorstellungen menschlicher Göttlichkeit und Einzigartigkeit. Dennoch wurde die heilige Mensch-Tier-Grenze, die bestimmte wer besessen, getötet, gegessen werden konnte und wer nicht, nicht aufgegeben, sondern erneut gezogen. Der ausschließlich menschliche Bereich wurde unermüdlich bewacht und immer wieder bereinigt. Corbey thematisierte den unfreiwilligen Rückzug von Vorstellungen menschlicher Einzigartigkeit, die angesichts der Menschenaffendebatten immer wieder herausgefordert und angepasst wurden.</p>
<p><strong>19. Juli: Politik</strong><br />
Die Podiumsdiskussion „<em>Tierrechte politisch</em>“ wurde von Prof. Dr. Peter McLaughlin, dem geschäftsführenden Direktor des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg, moderiert. Unter den Teilnehmern befanden sich die Bundestagsmitglieder Lothar Binding (SPD), Eva Bulling-Schroeter (Die Linke/PDS), Hans-Michael Goldmann (FDP) und Dr. Peter Jahr (CDU), sowie die Abgeordnete des baden-württembergischen Landtags Renate Rastätter (Bündnis 90/Die Grünen).<img align="right" alt="Podiumsdiskussion Politik" title="Podiumsdiskussion Politik" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/190706/corbey_diskpolitik_kl%20(8).JPG" /><br />
Die Podiumsdiskussion schloss an eine Reihe von Vorträgen an, die ein äußerst uneinheitliches Bild des aktuellen Diskussionstandes um die Frage nach den Rechten der Tiere zeichneten. Von einem Konsens innerhalb der Forschergemeinschaft scheint man noch weit entfernt zu sein. Weder besteht darüber Einigkeit, ob Tiere überhaupt Individualrechte besitzen, noch sind diejenigen, die letzteres bejahen, darüber eins, welche Spezies welcherart Rechte besitzen könnten und wie diese dann durchzusetzen wären.<br />
Ganz anders zeigt sich die Situation, wenn man seinen Blick weg von den Tummelplätzen der Akademiker hin zur Politik – national und international – richtet. Kein Staat der Welt gewährt heute Tieren Individualrechte, wie sie etwa natürliche oder juristische Personen besitzen. Hingegen ist das Verhalten von Menschen gegenüber Tieren in vielen Staaten reglementiert. So zum Beispiel im deutschen Tierschutzgesetz, dessen Grundsatz-Paragraph 1 lautet:<br />
“<em>Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.</em>“<br />
Freilich kann man kaum erwarten, dass Einigkeit darüber besteht, was als “vernünftiger Grund” anzusehen oder wie tierliches Leiden zu bewerten ist. Auch der neuerdings vollzogene Einzug des Tierschutzes in das Deutsche Grundgesetz – ein mögliches Diskussionsthema dieser Veranstaltung – schafft hier nicht mehr Klarheit. Bei der Beantwortung dieser oder ähnlicher Fragestellungen ist es gängige Praxis, Wissenschaftler zu Rate zu ziehen, welche dem Politiker dann Sachverständigengutachten zur politischen Verarbeitung an die Hand geben.<br />
In dieser Podiumsdiskussion wurde die beschriebene Praxis nun einmal umgekehrt beleuchtet. Welchen Beitrag können Politiker zur akademischen Diskussion über die Tierrechtsfrage liefern? Ist es für den Politiker verpflichtend, wenigstens wünschenswert oder überhaupt notwendig, sich mit theoretischen Ansätzen zum Tierrecht aus den Geistes- und Naturwissenschaften zu befassen?</p>
<p><strong>26. Juli: Cohen</strong><br />
<img align="left" alt="Prof. Dr. Carl Cohen" title="Prof. Dr. Carl Cohen" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/260706/cohen_kl%20(9).JPG" /> Die Vorlesung „<em>Why Animals Do Not Have Rights</em>“ wurde gehalten von Prof. Dr. Carl Cohen, Philosophie-Dozent an der University of Michigan, Ann Arbor; neben Prof. Dr. Tom Regan Autor des Buches „<em>The Animal Rights Debate</em>“ (Rowman and Littlefield, 2001).<br />
Er begann seinen Vortrag mit einer Analyse des Rechtskonzeptes und der Beziehung zwischen Rechten und Verpflichtungen. Diese Beziehung ist laut Cohen nicht reziprok, obwohl dies oft fälschlicherweise behauptet werde. Obwohl es sicherlich wahr sei, dass wir viele bedeutende Pflichten gegenüber Tieren haben, folge nicht, dass diese Pflichten aus ihren Rechten resultieren. Cohen zufolge sind Rechte ein zentraler Bestandteil der menschlichen Gemeinschaft, haben aber keinen Platz in der Tierwelt. Er spricht allein den Menschen Rechte zu, da nur diese eine Vorstellung von Moral haben und damit auch Pflichten wahrnehmen können. Ebenso spricht er Menschen, die keine Vorstellung von Moral haben, Rechte zu, da diese Angehörige einer Spezies sind, deren allgemeines Merkmal Moralität ist und Moral von den Merkmalen des Typus und nicht von denen des Individuums abhänge.</p>
<p><strong>19. Oktober: Drewermann</strong><br />
<img align="left" alt="Dr. Eugen Drewermann" title="Dr. Eugen Drewermann" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/191006/drewermann_kl%20(2).JPG" /> Als letzten Referenten konnten wir den weltbekannten Theologen, Therapeuten und Publizisten Herrn Dr. <a title="Interview mit Eugen Drewermann" href="http://tierethikblog.de/2006/11/25/neurologie-theologie-tierschutz-interview-eugen-drewermann/">Eugen Drewermann</a> gewinnen.<br />
In seinem Vortrag &#8220;<em>Wie hältst Du&#8217;s mit den Tieren oder: Von der Notwendigkeit einer neuen Ethik</em>&#8221; betonte er, dass sich eine Hauptsache der fortschreitenden Naturzerstörung aus der Anthropozentrik des christlichen Weltbildes ergebe, wonach die gesamte Welt auf den Menschen hin geschaffen wurde. Die Selbstanschauung der menschlichen Spezies auf dem Planeten Erde erscheine geradezu als die Volle<img align="right" alt="Dr. Eugen Drewermann" title="Dr. Eugen Drewermann" src="http://vorlesungen-tierrechte.nkit.de/press/191006/drewermann_kl%20(8).JPG" />ndung eines göttlichen Auftrags, und selbst der Begriff Verantwortung meine mit Bezug auf den Menschen allein die Verteidigung des menschlichen Art-Egoismus gegen alle anderen Lebensformen. Was wir derzeit anrichten, sei eine Querschnittslähmung durch den Motor der Evolution. Dabei, so Drewermann, wissen wir seit 1859, als Darwin die &#8220;<em>Entstehung der Arten</em>&#8221; veröffentlichte, dass wir Menschen nur eine Welle im Ozean des Lebens sind, und dieses Wissen sollten wir nutzen, um eine neue Ethik und Weisheit zu entwickeln, in der das veränderte Weltbild der Naturwissenschaften zum Schutz der Pflanzen und Tiere, statt zu ihrer Ausrottung, genutzt wird. Doch was dagegen stehe, sei nicht nur die geistige Trägheit kirchlicher Traditionen, sondern vor allem die &#8220;Gesetze&#8221; eines Marktes, dem es frei stehe, alles, was lebt, zu &#8220;kapitalisieren&#8221;, das heißt in das Toteste vom Toten: in Geld, zu verwandeln.</p>
<p>Eine umfangreiche Dokumentation zur Vorlesungsreihe mit Videos der Vorträge, Fotos und Pressemitteilungen findet sich unter <a target="_blank" title="Interdisziplinäre Vorlesungsreihe Tierrechte 2006" href="http://www.vorlesungen-tierrechte.de">www.vorlesungen-tierrechte.de</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
