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	<title>Tierethik - Animal Ethics &#187; Literature</title>
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	<description>Bilingual Blog about the Moral Status of Nonhuman Animals and Related Fields of Study</description>
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		<title>Menschen und Tiere bei Tomasello</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Dec 2007 14:08:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Harr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Michael N. Forster: Menschen und andere Tiere; Über das Verhältnis von Mensch und Tier bei Tomasello; DZPhil 55 (2007) 5, S. 761-767. Forster setzt sich in seinem Aufsatz mit dem Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren auseinander, das der Psychologe und Sprachtheoretiker Michael Tomasello in verschiedenen Publikationen (1) zur Sprache bringt. Nach Forsters Interpretation unterscheidet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michael N. Forster: Menschen und andere Tiere; Über das Verhältnis von Mensch und Tier bei Tomasello; DZPhil 55 (2007) 5, S. 761-767.</p>
<p>Forster setzt sich in seinem Aufsatz mit dem Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren auseinander, das der Psychologe und Sprachtheoretiker Michael Tomasello in verschiedenen Publikationen (1) zur Sprache bringt.</p>
<p><span id="more-73"></span> Nach Forsters Interpretation unterscheidet Tomasello Menschen, obwohl sie selbst zu den Primaten zählen, durch eine Reihe von eigentümlichen Verhaltensweisen von allen anderen Tieren. Diese Eigenschaften sind nach Tomasellos Ansicht: „Absichtslesen“ (intention-reading), imitatives Lernen, aktives Lehren, Sprache, „Theorie des Geistes“ (theory of mind) und Kultur, die sich jedoch alle auf das „intention-reading“ zurückführen lassen. Gegen diese Theorie erhebt Forster einige Bedenken. Er hält es zunächst für problematisch, eine einzige zentrale, valorisierte Eigenschaft zu benennen, die angeblich alle normalen Menschen von allen anderen Tieren unterscheidet („Kluft und Überlegenheit-Struktur“), da diese Eigenschaft prima facie auch manche Tiere zu besitzen scheinen. Darüber hinaus deutet die Abwechslung der für ausschlaggebend gehaltenen Eigenschaften unter Beibehaltung derselben Struktur nach Forster darauf hin, dass es mehr um die Struktur an sich als um die jeweilige Eigenschaft geht und die Theorie daher eher eine ideologische Funktion erfüllt. Das Valorisieren der Eigenschaften lässt nach Forster dieselbe Vermutung zu, da dieselben Eigenschaften sowohl positive als auch negative Konsequenzen haben können und sogar zur Vernichtung des Menschengeschlechts führen könnten. Prima facie bietet sich nach Forster darüber hinaus auch die alternative theoretische Struktur an, sich nicht auf eine einzelne Eigenschaft zu konzentrieren, die alle Menschen von allen Tieren unterscheidet, sondern auf eine Vielfalt von Eigenschaften, die teilweise Menschen und teilweise Tieren in unterschiedlichem Grad zukommen können und die von ganz unterschiedlichem Wert sind. Menschen wären nach dieser Sicht zwar in gewisser Hinsicht Tieren überlegen, in anderer Hinsicht jedoch auch unterlegen.</p>
<p>Nach Forster spricht viel dafür, dass alle nicht-menschlichen Tiere die Eigenschaft des „intention-reading“ mit dem Menschen teilen. Tomasello selbst erwähnt viele Beispiele, die diese These stützen. So „lernen“ einige Affenarten das Kartoffelwaschen voneinander, Leoparden verletzen ihre Beute und überlassen sie zur Übung ihren Nachkommen, Vervet-Affen gebrauchen verschiedene Alarmstufen für verschiedene Raubtiere und einige Tiere scheinen Konkurrenten absichtlich zu betrügen. Tomasello leugnet nach Forster jedoch die Echtheit der scheinbaren Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier. Nach Forsters Vermutung gibt es dagegen keine scharfe Trennung zwischen den menschlichen Eigenschaften und den tierischen (etwa menschliche Sprache und tierische Zeichen), sondern es handelt sich seiner Ansicht nach eher um verschiedene Ausprägungen derselben Eigenschaften. Neben den Unterschieden tierischer und menschlicher Eigenschaften müssen nach Forster auch die Ähnlichkeiten gesehen werden, die Tomasello auszublenden scheint. Die Tatsache, dass Tomasello grundsätzlich das Vorhandensein des „intention-reading“ bei Tieren leugnet, bedeute in der Praxis nach Forster einen „Zwang  zum Bild einer grundsätzlichen Kluft zwischen Menschen und Tieren“, der unvermeidlich schädliche Folgen für unsere ethische Einstellung zu und Behandlung von Tieren habe.</p>
<p>So wie Tomasello die Unterschiede zwischen Mensch und Tier in mancher Hinsicht übertreibt, unterschätzt er diese nach Forster aber auch in anderer Hinsicht. Tomasello schreibt etwa menschlichen Babys, die noch keine Sprache beherrschen, und manchen nicht-menschlichen Tieren, die überhaupt keine Sprache beherrschen, Begriffe von Objekten und Verhältnissen zu. Das Wort „Begriff“ (concept) ist nach Forster ohne einen entsprechenden sprachlichen Ausdruck allerdings kaum vorstellbar, in den Fällen von Babys und Tieren sollte man daher seiner Ansicht nach eher von „Vor-begriffen“ sprechen, die sich von den „Begriffen“ erwachsener Menschen inhaltlich unterscheiden.</p>
<p>Die These, dass manche Tiere eine Sprache haben könnten und die Annahmen über die kognitiven Fähigkeiten von sprachlosen Babys und Tieren sollen nach Forster den Blick für die hermeneutische Arbeit schärfen, die im Falle sprachloser kognitiver Leistungen noch zu bewältigen ist. Die Aufgabe, den Inhalt dieser Begriffe, bzw. Vorbegriffe deutlicher zu fassen, darf nach Forster nicht aufgrund ihrer scheinbaren „Primitivität“ vernachlässigt werden und stellt damit eine neue Herausforderung an die herkömmliche Hermeneutik dar, die sich üblicherweise fast ausschließlich mit der Interpretation der sprachlichen Ausdrücke von erwachsenen Menschen befasst.</p>
<p>(1) Michael Tomasello: Primate Cognition (1997); The Cultural Origins of Human Cognition (1999); Constructing a Language: A Usage-Based Theory of Language Acquisition (2003).</p>
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		<title>Zum Begriff „Mord“ bei Tieren: Anmerkungen zu einer halbherzigen Diskussion</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/11/30/zum-begriff-mord-bei-tieren/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Nov 2007 14:23:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Harr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Franz M. Wuketits: „Mord“ bei und an Tieren; in: Aufklärung und Kritik 2 /1007. S. 207-212.; Norbert Hoerster: Es gibt keinen „Mord an Tieren“; Aufklärung und Kritik 1/2007, S. 239-242; Franz Wuketits greift in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“ die Frage auf, ob der Begriff „Mord“ auf das Töten von Tieren anwendbar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Franz M. Wuketits: <span style="font-style: italic">„Mord“ bei und an Tieren</span>; in: Aufklärung und Kritik 2 /1007. S. 207-212.; Norbert Hoerster:<span style="font-style: italic"> Es gibt keinen „Mord an Tieren“</span>; Aufklärung und Kritik 1/2007, S. 239-242;  Franz Wuketits greift in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“ die Frage auf, ob der Begriff „Mord“ auf das Töten von Tieren anwendbar ist. Er bezieht sich dabei auf Norbert Hoersters in der vorherigen Ausgabe erschienene Kritik an der Tierethik Karlheinz Deschners. Als Aufhänger der Diskussion dient ein bereits 2004 erschienenes Sonderheft[1] der Zeitschrift, das sich dem Werk Deschners widmet, der vor allem durch seine radikale Kirchenkritik[2] bekannt wurde.</p>
<p>Hoerster äußert sich in Heft 1/2007 kritisch zu der überwiegend positiven Resonanz auf Deschners Äußerungen zur Tierethik[3], die seiner Ansicht nach lediglich auf einen <span style="font-style: italic">„Mangel an Rationalität</span>“ und <span style="font-style: italic">„bloße Stimmungsmache“</span> zurückzuführen sind. Deschner gehe von einem allgemeinen moralischen und rechtlichen Verbot des Tötens von Tieren zum Fleischverzehr aus, das sich nicht verteidigen lasse. <span style="font-style: italic">„Man muss nur seinen Verstand ein wenig bemühen“</span>, so Hoerster, um die empirischen Tatsachen zu erkennen, die Deschners Ansicht widerlegen.<span id="more-72"></span></p>
<p>Rechtliche und moralische Normen lassen sich nach Hoerster nur begründen, wenn sie trotz der ihnen immanenten Freiheitsbeschränkungen egoistischen oder altruistischer Interessen dienen. Das zwischen Menschen geltende Tötungsverbot lässt sich deshalb begründen, weil es der Sicherung des menschlichen Interesses am Überleben dient. Tieren fehlt es nach Hoerster gerade an diesem Überlebensinteresse, da sich ihr bewusstes Leben nur auf die Gegenwart und unmittelbare Zukunft bezieht, sie aber im Gegensatz zu Menschen keine auf die Zukunft bezogenen Wünsche haben können. Auf das Leben eines <span style="font-style: italic">individuellen</span> Tieres kann es daher nach Hoerster grundsätzlich nicht ankommen: <span style="font-style: italic">„Dem einzelnen Tier steht deshalb – anders als dem einzelnen Menschen – kein individuelles Recht auf Leben zu. Denn Tierindividuen sind, eben weil sich ihr bewusstes Leben nur von einem Moment zum anderen in der Gegenwart abspielt, ohne weiteres gegeneinander austauschbar bzw. durcheinander ersetzbar.“</span> Das gilt nach Hoerster in besonderem Maße für Tiere, die vom Menschen zum Zweck des Fleischverzehrs erzeugt werden: <span style="font-style: italic">„Wer diese Tiere erzeugt und später tötet, um sie zu essen, fügt ihnen insoweit nicht nur keinerlei Unrecht zu, sondern tut ihnen sogar eindeutig etwas Gutes: Er schenkt ihnen für eine gewisse Zeit ein für sie von einem gegenwärtigen Moment zum anderen im Prinzip immer wieder lohnendes Leben.“</span> Dabei räumt Hoerster durchaus ein, dass in der Realität das Halten und Töten von Nutztieren nicht immer quallos erfolgt, sieht darin aber kein Argument gegen das Töten als solches. Hoerster abstrahiert bei seinen Überlegungen von den realen Auswirkungen und Bedingungen der Nutztierhaltung und reduziert die Frage nach der moralischen Beurteilung des Tötens von Tieren allein auf das Töten an sich als Beendigung einer Existenz, die es im Falle eines sogenannten Nutztieres ohne das Fleischessen gar nicht geben würde. Sein Rat an wahre, klar denkende Tierfreunde lautet daher, den Fleischverzehr nicht zu verteufeln, sondern nachdrücklich gutzuheißen.</p>
<p>Hoerster steht mit seiner Position den altbekannten Schwierigkeiten gegenüber, die damit verbunden sind, ein Recht auf Leben an die Fähigkeit eines konkreten Überlebenswunsches zu knüpfen. Auch die Frage der Ersetzbarkeit eines Lebewesens, das nicht imstande ist, seine eigene Zukunft geistig zu erfassen und etwa seinen Tod vorauszuahnen, wirft (nicht nur tierethische) Fragen auf, die Hoerster in seiner kurzen Darstellung unberücksichtigt lässt. Dennoch kommt Hoerster bereits in der Überschrift zu einem klaren Ergebnis: Es gibt keinen „Mord“ an Tieren. Eine klare Grenze zwischen Mensch und Tier, die ein pauschales Urteil über die kognitiven Fähigkeiten von Tieren erlaubt und eine grundsätzliche moralische Ungleichbehandlung von Mensch und Tier rechtfertigt, nimmt Hoerster als gegebene Tatsache an und stellt seine Position damit auf eine äußerst umstrittene Grundlage.</p>
<p>Franz Wuketits erweitert die Diskussion in Heft 2/2007 um eine evolutionstheoretische Betrachtungsweise: Deschners Gebrauch des Begriffs „Mord“ im Bezug auf Tiere, widerspricht nach Wuketits der sprachlichen Konvention, denjenigen als Mörder zu bezeichnen, <span style="font-style: italic">„der das Leben einer anderen Person absichtlich auslöscht“</span>. Da man annimmt, nur ein Mensch könne schuldhaft handeln, geht man dabei grundsätzlich von zwei Menschen aus. Wenn von der Tierethik <span style="font-style: italic">„nichtmenschlichen Kreaturen“</span> der Status von <span style="font-style: italic">„empfindenden Wesen [!] und Personen“</span> eingeräumt wird, soll entgegen dieser Konvention auch derjenige zum Mörder werden, der ein Tier tötet. Dagegen hat der gängige Sprachgebrauch nach Wuketits durchaus seine Berechtigung: Dass in der Regel niemand von einem Mörder spricht, wenn ein Rottweiler einen Dackel tötet, findet nach Wuketits seine Rechtfertigung in der tierischen Natur. Das Töten von anderen Tieren und auch Artgenossen entspreche der Natur vieler Spezies und sei nicht auf aggressive Motivationen zurückzuführen, also nicht als schuldhaft zu beurteilen. Macht etwa Martin Balluch seinen Hund zum Veganer, verkennt er nach Wuketits gerade die Natur des Hundes, indem er den Fleischverzehr von Raubtieren abschaffen will, <span style="font-style: italic">„schließlich soll ja niemand zum Mörder werden“</span>. Auf die der Natur widersprechende Umerziehung von Fleischfressern zu Pflanzenfressern habe der Mensch aber kein Recht. Wuketits Schluss lautet daher: <span style="font-style: italic">„In der Tierwelt gibt es keine Mörder“</span>.</p>
<p>Auch dem Menschen ist nach Wuketits seine Natur zuzugestehen: Seiner Ansicht nach liegt es aber gerade in der Natur des Menschen</p>
<p><span style="font-weight: bold">1.</span> Tiere zu Nahrungszwecken zu töten, da der Mensch von Natur aus Allesfresser ist. Es ist nach Wuketits an den Menschen, <span style="font-style: italic">„die sich mit pflanzlicher Kost begnügen“</span>, zu beweisen, dass der Mensch von Natur aus ein Pflanzenfresser ist.</p>
<p><span style="font-weight: bold">2.</span> Abstufungen zwischen den verschiedenen Tierarten vorzunehmen: <span style="font-style: italic">„Die Evolution durch natürliche Auslese hat uns nicht mit dem Bedürfnis ausgestattet, allen Kreaturen dieser Welt unsere hütende Hand zu reichen“</span>. Wuketits fasst es daher als eine verkannte Schwierigkeit der Tierethik auf, dass es nicht „das Tier“, sondern unzählige Tierarten von höchst unterschiedlichen Komplexitätsgraden gibt, die <span style="font-style: italic">„eine moralische Gleichbehandlung aller Tierarten weder möglich, noch wünschenswert“</span> machen. Die Frage, ob alle Tiere gleich sind, müsse daher als rhetorische Frage verstanden werden. Wuketits nimmt an, dass ohnehin auch die meisten Tierethiker, denen er nebenbei mangelndes Überblickswissen aus dem Bereich des Systems der Tierwelt unterstellt, an Tierklassen denken, <span style="font-style: italic">„die den Menschen emotional ansprechen“</span>. Den entscheidenden Punkt scheint Wuketits darin zu sehen, dass die Unterscheidung, die die meisten Menschen zwischen der Fiebermücke Anopheles und einem Säugetier machen in der Natur des Menschen begründet ist und auch zeitweise durchaus sinnvoll ist, um vor Gefahren zu schützen. Der Mensch ist daher <span style="font-style: italic">naturgemäß</span> nicht imstande, allen Tieren die gleichen Sympathien zukommen zu lassen.</p>
<p><span style="font-weight: bold">3.</span> Tiere aus Notwehr zu töten (was eindeutig nicht nur im Bezug auf Tiere gilt): Der Mensch hat nach Wuketits ein in seinem naturgegebenen Überlebensinteresse begründetes Recht, Tiere zu beseitigen, die eine Bedrohung für ihn darstellen. Daher wäre es verfehlt, wenn die Tierethik an der Heiligkeit allen Lebens ansetzten wollte, entscheidend könne vielmehr nur das Individualwohl von Tieren sein.</p>
<p>Nach dieser Auffassung kann das Leben eines Tieres also der Natur des Menschen entsprechend nicht als unantastbar betrachtet werden. Die Antwort auf die Frage, ob man Tiere töten darf, ist daher nach Wuketits in Übereinstimmung mit Hoerster grundsätzlich zu bejahen. Diese Ansicht relativiert er allerdings dadurch, dass er gerade die Grundlage von Hoersters Position darin kritisiert, einen zu starken Kontrast zwischen dem menschlichen Leben und dem Leben anderer Spezies aufzubauen. Zumindest den großen Menschenaffen gesteht er durchaus Interessen zu und räumt damit auch die Möglichkeit ein, ein Tötungsverbot für gewisse Spezies für begründbar zu halten. Damit umgeht Wuketits im Gegensatz zu Hoerster zumindest vordergründig den Vorwurf, die Spezieszugehörigkeit als entscheidendes Kriterium zu betrachten. Wuketits stellt diese Position auf ein stärkeres, evolutionstheoretisches Fundament: Der Begriff des „Mordes“ findet unter den Tierarten deshalb keine Anwendung, weil es in der Natur des Tieres liegt, andere Tiere zu töten, ohne dadurch schuldig zu werden. Ebenso wie das Tier das Recht hat, seiner Natur zu folgen, ohne sich des Mordes schuldig zu machen, muss man nach Wuketits dem Menschen dasselbe Recht zugestehen, da <span style="font-style: italic">„evolutionsbiologisch betrachtet auch Menschen ja Tiere sind“</span>: <span style="font-style: italic">„Wenn Rechte der Tiere eingemahnt werden, dann darf man darob die Rechte der Menschen nicht vergessen.“</span> Dabei unterschlägt Wuketits den Unterschied, dass ein Tier seiner Natur folgt, weil ihm, wie er selbst eingesteht,<span style="font-style: italic"> „nichts anderes übrigbleibt“</span>. Wer keine Wahl hat, kann naturgemäß auch nicht für sein Handeln verantwortlich gemacht werden. Der Mensch hat dagegen in der Regel die Wahl, sich zwischen verschiedenen Handlungsweisen zu entscheiden, ohne dadurch zwangsläufig gegen seine Natur zu handeln. Ganz im Gegenteil gehört die Fähigkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen selbst zur Natur des Menschen. So hat er auch als Allesfresser die Wahl zwischen verschiedenen Nahrungsquellen, ohne sein Überlebensinteresse zu vernachlässigen. Natürlich gibt es Einzelfälle, in denen diese Wahl nicht bleibt. Dem von Wuketits angeführte hungernden Äthiopier, der eine Ziege tötet, um zu überleben, würde kein Tierethiker abverlangen, auf sein Überleben zu verzichten. In solchen Ausnahmefällen, wie auch in Fällen echter Notwehr, kann die Theorie von der „Natur des Menschen“ angewendet werden.</p>
<p>In Fällen, in denen die Tötung von Tieren nicht durch das blanke Überlebensinteresse gerechtfertigt ist, in denen dem Menschen selbst vielmehr überhaupt keine Gefahr droht, hat der Mensch allerdings die Möglichkeit, sich bewusst für oder gegen die Tötung eines Tieres zu entscheiden, ohne sich selbst zu schaden. Auch die Abstufung zwischen Tierarten, die nach Wuketits ebenfalls natürlich ist, muss in der Regel nicht rein instinktiv oder aus emotionalen Gesichtspunkten heraus geschehen, sondern kann auf wissenschaftliche Fakten über die Gefährlichkeit des Tieres, bzw. dessen Leidensfähigkeit gestützt werden. Wuketits scheint allerdings davon auszugehen, dass der Mensch, wenn er hier von seinen intellektuellen Fähigkeiten Gebrauch macht, den Tieren, die ja ihrer Natur folgen dürfen, unrechtmäßigerweise mehr Rechte als dem Menschen zugesteht und letztendlich eine <span style="font-style: italic">„Diskriminierung von Menschen“</span> bewirkt, die dem Verdacht der Misanthropie ausgesetzt ist: <span style="font-style: italic">„In einer Zivilisation, in der viele Menschen hungern und verhungern, grenzt es an Zynismus, die vegetarische bzw. vegane Lebensweise als (moralisch) einzig richtige zu propagieren und pauschal alle diejenigen als Mörder zu bezeichnen, die fleischliche Kost zu sich nehmen.[...] Tierethiker sind aufgerufen, auch über die Bedürfnisse des Menschen nachzudenken. Unseren Katzen und Hunden, Kaninchen und Hamstern, die wir uns als Hausgenossen halten, geht es im allgemeinen besser als den meisten Menschen in der Dritten Welt.“</span></p>
<p>Daneben bleibt Hoersters These, wer Tiere erzeugt, um sie zu töten, tue ihnen im Grunde etwas Gutes. Wuketits räumt ein, dass der Mensch möglicherweise kein Recht hatte, Tiere zu domestizieren, es aber nun einmal getan hat. Diese Entwicklung sei nicht mehr rückgängig zu machen, ohne <span style="font-style: italic">„unsägliches Leid“</span> unter den Tieren auszulösen, die in der freien Wildbahn nicht mehr überlebensfähig wären. Es bleibe somit dem Menschen nur die moralische Verpflichtung, die Tiere artgerecht zu behandeln und ihnen zum Wohlbefinden zu verhelfen, wobei Wuketits das Wohlbefinden als psychische und physische Fähigkeit definiert, mit der jeweiligen Umwelt gut zurechtzukommen. <span style="font-style: italic">„Artgerecht behandelten Haus- und Nutztieren gönnen wir, auch wenn wir sie am Ende töten, während ihres Lebens ein Wohlbefinden, das sie ansonsten wahrscheinlich gar nicht gewinnen könnten.“</span> Wuketits stimmt damit Hoersters Ansicht zu, dass es verwerflicher wäre, die Tiere überhaupt nicht zu „erzeugen“, da man sie dadurch ihrer, wie Hoerster es ausdrückt, <span style="font-style: italic">„lohnenden“</span> Existenz berauben würde. Angesichts der Realität des Umgangs mit sogenannten Nutztieren muss es erlaubt sein, den Vorwurf des Zynismus an dieser Stelle zurückzugeben.</p>
<p>Wuketits kommt im Bezug auf die Verwendung des Begriffs „Mord“ bei Tieren zu keinem ausdrücklichen Ergebnis. Die Frage scheint für ihn dadurch beantwortet, dass er das Töten von Tieren als erlaubt einstuft. Indem er diese Ansicht mit der menschlichen Natur begründet, reduziert er die Fälle, in denen das Töten eines Tieres erlaubt ist, weil durch die Natur des Menschen gerechtfertigt, auf diejenigen Einzelfälle, in denen tatsächlich ein existenzielles Interesse des Menschen betroffen ist. Dass es Ausnahmefälle geben kann, steht der Verwendung des Mordbegriffs nicht grundsätzlich entgegen. Auch beim Menschen unterscheidet man zwischen vorsätzlichem Mord und Notwehrreaktionen, die im natürlichen Überlebensinteresse begründet und daher „gerechtfertigt“ sein können. Die Aufzählung von Ausnahmefällen, in denen der Begriff „Mord“ offensichtlich unangebracht ist, liefert jedenfalls noch kein Argument dafür, den Terminus „Mord“ gänzlich zu streichen. Auf der anderen Seite entspricht es sicher auch nicht den <span style="font-style: italic">„romantischen Vorstellungen einiger Tierschützer und Tierethiker“</span>, jede Tötung eines Tieres pauschal als Mord zu verurteilen und damit den Mordbegriff im Bezug auf Tiere enger auszulegen als im Bezug auf Menschen.</p>
<p>In ihrem Urteil über Deschner sind sich Hoerster und Wuketits jedenfalls offensichtlich einig: Dem durchaus geachteten Kirchenkritiker Deschner wird sein Ausflug in die Tierethik mit einem gewissen Augenzwinkern verziehen, aber kaum zum Anlass einer ernsthaften Diskussion um die Frage nach einem „ Mord an Tieren“ genommen. So versäumt es etwa Hoerster nicht, den bekennenden Katzenfreund Deschner scherzhaft als heimlichen Mittäter an zahlreichen <span style="font-style: italic">„Mäusemorden“</span> zu entlarven und so dem Leser die scheinbare Absurdität der ganzen Fragestellung zu illustrieren: <span style="font-style: italic">„Müsste man nicht sämtliche Katzen – sowie alle anderen Tiere, die sich vegetarisch gar nicht ernähren können! – ausrotten, damit die furchtbare Fleischfresserei auf der Erde ein Ende hat?“</span> Helder Yurén versucht dieser Art des Gedankenaustauschs in seiner Replik auf Hoersters Ausführungen[4] daher konsequent mit Ironie zu begegnen und sieht in Hoersters Deschner-Kritik vor allem eine Antwort auf Deschners Versuch, <span style="font-style: italic">„ihm in seinem Dabeisein den duftenden Braten vom Teller zu stehlen“</span>.</p>
<p><span style="font-weight: bold">Anmerkungen</span></p>
<p>[1] Aufklärung und Kritik, Sonderheft 9/2004; Schwerpunkt: Karlheinz Deschner</p>
<p>[2] Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn (1962); Kriminalgeschichte des Christentums (seit 1986)</p>
<p>[3] Karlheinz Deschner: Für einen Bissen Fleisch. Das schwärzeste aller Verbrechen (1998)</p>
<p>[4] Helder Yurén: Replik auf Prof. Hoersters glückliches Tierleben; Aufklärung und Kritik 2/2007, S. 212 &#8211; 213</p>
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		<title>Neu im Buchhandel: Tierrechte &#8211; Eine interdisziplinäre Herausforderung</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 17:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Ebert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Miscellaneous]]></category>

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		<description><![CDATA[Im August 2007 erschien im Harald Fischer Verlag der Tagungsband &#8220;Tierrechte &#8211; Eine interdisziplinäre Herausforderung&#8221;. Auf 295 Seiten informieren international renommierte Autorinnen und Autoren über den aktuellen Stand der Tierrechtsdebatte in den Natur- und Geisteswissenschaften. 295 Seiten ISBN 978-3-89131-417-3 Verkaufspreis: 22,00 € Mit Beiträgen von Markus Wild, Hanno Würbel, Hanna Rheinz, Helmut F. Kaplan, Tom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im August 2007 erschien im Harald Fischer Verlag der Tagungsband &#8220;Tierrechte &#8211; Eine interdisziplinäre Herausforderung&#8221;.</strong></p>
<p><img title="Cover" src="http://www.ag-tierethik.de/tagungsband/Buchcover_kl.jpg" alt="Cover" align="left" />Auf 295 Seiten informieren international renommierte Autorinnen und Autoren über den aktuellen Stand der Tierrechtsdebatte in den Natur- und Geisteswissenschaften.</p>
<p>295 Seiten</p>
<p>ISBN 978-3-89131-417-3</p>
<p>Verkaufspreis: 22,00 €</p>
<p>Mit Beiträgen von Markus Wild, Hanno Würbel, Hanna Rheinz, Helmut F. Kaplan, <strong>Tom Regan</strong>, Peter S. Wenz, Mylan Engel Jr., Antoine F. Goetschel, Jörg Luy, Eisenhart von Loeper, Kurt Remele, Silke Bitz, Raymond Corbey, Renate Rastätter, <strong>Carl Cohen</strong> und <strong>Eugen Drewermann</strong>.</p>
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		<title>The Animals Reader</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Aug 2007 10:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieses Jahr erschien der Sammelband &#8220;The Animals Reader &#8211; The Essential Classic and Contemporary Writings&#8221; im Verlag Berg (Oxford/New York). Die Herausgeber Linda Kalof und Amy Fitzgerald geben einen Überblick über das Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren, der von Aristoteles bis zu Cyborgs reicht. Die sechs Kapitel vereinen richtungsweisende Aufsätze aus Philosophie, Ethik, Anthropologie, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://ag-tierethik.de/blog/the_animals_reader.jpg" alt="" align="left" />Dieses Jahr erschien der Sammelband &#8220;The Animals Reader &#8211; The Essential Classic and Contemporary Writings&#8221; im Verlag Berg (Oxford/New York). Die Herausgeber Linda Kalof und Amy Fitzgerald geben einen Überblick über das Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren, der von Aristoteles bis zu Cyborgs reicht. Die sechs Kapitel vereinen richtungsweisende Aufsätze aus Philosophie, Ethik, Anthropologie, Natur- und Rechtswissenschaften, Geschichte und Soziologie.</p>
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		<title>Können Tiere denken? Haben sie einen Geist?</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jan 2007 16:04:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Blesch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Interviews sind gute Möglichkeiten, die eigenen Ideen und Standpunkte unverfälscht darzulegen und diese dem Leser zugänglich zu machen. Gerade für Vertreter junger Disziplinen ist dies eine Chance, die es sich zu ergreifen lohnt. Helmut Kaplan, Dominik Perler, Kurt Simons und Peter Singer, allesamt im Bereich der Tierethik tätig, nutzten in der letzten Zeit das Interview, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Interviews sind gute Möglichkeiten, die eigenen Ideen und Standpunkte unverfälscht darzulegen und diese dem Leser zugänglich zu machen. Gerade für Vertreter junger Disziplinen ist dies eine Chance, die es sich zu ergreifen lohnt. Helmut Kaplan, Dominik Perler, Kurt Simons und Peter Singer, allesamt im Bereich der Tierethik tätig, nutzten in der letzten Zeit das Interview, um ihre Ideen zu erläutern. Es soll im Folgenden eine kurze Zusammenfassung besagter Interviews gegeben werden.<span id="more-37"></span></p>
<p>Unter dem Titel &#8220;Das ist Verrat in reinster Form&#8221; gab Helmut Kaplan der Tageszeitung &#8220;Neues Deutschland&#8221; ein Interview über die ethische Problematik des Tötens von Tieren. Ausgehend von der Widersprüchlichkeit des christlichen Weihnachtsfest – bei dem auf der einen Seite Nächstenliebe und Vergebung gefeiert werden und andererseits Tausende von Tieren ihr Leben für den menschlichen Wunsch nach Fleischgenuß lassen müssen – legt der Philosoph und Psychologe die allgemeine Grausamkeit des Tötens, der Massentierhaltung und des menschlichen Unverständnisses für das offensichtliche Leid anderer Tiere dar. Die Verantwortlichkeit des Einzelnen wird betont, der laut Kaplan seine Opposition und Abneigung unter anderem über die Umstellung auf vegetarische Ernährung leben kann.</p>
<p><a title="Das ist Verrat in reinster Form" target="_blank" href="http://www.neues-deutschland.de/artikel.asp?AID=103014&#038;IDC=13">http://www.neues-deutschland.de/artikel.asp?AID=103014&#038;IDC=13</a></p>
<p>Dominik Perler geht in seinem Interview mit &#8220;Die Welt&#8221; auf die Frage nach dem Geist und Bewusstsein der Tiere ein. &#8220;Können Tiere denken? Haben sie einen Geist? Was unterscheidet sie vom Menschen?&#8221; – diesen Fragen stellt sich der Berliner Philosophie Professor. Denken und Kognition werden als Kontinuum verstanden, auf dem sich die verschiedenen Arten graduell unterscheiden. Perler stellt seine Thesen zum Bewusstsein dar, wobei die Beziehung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren einen wichtigen Teil im insgesamt vielseitigen Interview einnimmt.</p>
<p><a title="Können Tiere denken?" target="_blank" href="http://www.welt.de/data/2007/01/07/1168143.html">http://www.welt.de/data/2007/01/07/1168143.html</a></p>
<p>In Anlehnung an Brecht ist das Interview der &#8220;Frankfurter Rundschau&#8221; mit Kurt Simons mit &#8220;Erst das Essen, dann die Moral&#8221; betitelt. Der Vorsitzende des Bundesverbands &#8220;Menschen für Tierrechte&#8221; äußert sich zum Stellenwert des Tierversuchs in der modernen Wissenschaft. Äquivalente Verfahren, die ohne den Einsatz von Tieren auskommen, existieren zwar, werden dennoch vergleichsweise wenig genutzt. Simons erläutert dies und nennt unter anderem Gründe für die mangelnde Bereitschaft, alternative Untersuchungsmethoden anzuwenden.</p>
<p><a title="Erst das Essen, dann die Moral" target="_blank" href="http://www.tierrechte.de/p200060001001x1004.html">http://www.tierrechte.de/p200060001001x1004.html </a></p>
<p>Der Philosoph und prominente Tierethiker Peter Singer beantwortet in &#8220;The New Times Magazin&#8221; Fragen von Lesern. &#8220;Questions for Peter Singer&#8221; ist ein ausführliches Interview zu ethischen Fragestellungen in Bezug auf Armut, Spenden und der Verantwortung des Einzelnen. Sollte man einen gutbezahlten Beruf wählen, um mehr Geld für wohltätige Zwecke ausgeben zu können? Ist die Idee des Wert des einzelnen Lebens in Zeiten der Überbevölkerung überhaupt tragbar? Was wiegt mehr: die Armut im eigenen Land oder die unvorstellbare Armut in z.B. Teilen von Afrika? Alles Fragen, die auf den ersten Blick wenig mit Tierethik gemein haben, aber das Bedürfnis vieler Menschen aufzeigen, sich Fragen zu stellen, was wiederum Ausgangspunkt jeglichen philosophischen Diskurses ist.</p>
<p><a title="Questions for Peter Singer" target="_blank" href="http://www.utilitarian.net/singer/interviews-debates/20061224.htm">http://www.utilitarian.net/singer/interviews-debates/20061224.htm</a></p>
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		<title>Themenschwerpunkt Mensch/Tier in der Neuen Rundschau</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jan 2007 19:38:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Harr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Rundschau, 117. Jahrgang 2006, Heft 4 Die Frankfurter Zeitschrift für Kulturessayistik widmet sich in der Ausgabe 4/06 dem Themenschwerpunkt Mensch/Tier. Felicitas Hoppe, John Berger, László Krasznahorkai, Scott Bradfield und Barry Lopez nähern sich dem zwiespältigen Verhältnis von Mensch und Tier literarisch. Tilman Spreckelsen betrachtet die Figur des Storches aus kulturgeschichtlicher Sicht, indem er um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neue Rundschau, 117. Jahrgang 2006, Heft 4</p>
<p>Die Frankfurter Zeitschrift für Kulturessayistik widmet sich in der Ausgabe 4/06 dem Themenschwerpunkt Mensch/Tier. <span id="more-31"></span><em>Felicitas Hoppe</em>, <em>John Berger</em>, <em>László Krasznahorkai</em>, <em>Scott Bradfield</em> und <em>Barry Lopez</em> nähern sich dem zwiespältigen Verhältnis von Mensch und Tier literarisch. <em>Tilman Spreckelsen</em> betrachtet die Figur des Storches aus kulturgeschichtlicher Sicht, indem er um den Storch kreisende Sagen und Legenden sammelt und ihre Darstellung bei Hans Christian Andersen, in Wilhelm Hauffs &#8220;Kalif Storch&#8221; und Mihaly Babits&#8217; &#8220;Der Storchkalif&#8221; vergleicht. <em>Benjamin Bühler</em> und <em>Stefan Rieger</em> setzen sich mit der Geltung des Differenzschemas Mensch/Tier auseinander, das durch die Ableitung der Figur des Menschen aus der Figur des Tieres entstanden ist und das Tier so zum Verhaltensmodell, zum &#8220;Übertier&#8221; erhebt. <em>Silvia Bovenschen</em> erinnert an Ekelfleisch und Fleischekel und zeigt die Macht der Verdrängung beim Umgang mit dem Tier als Nahrungsmittel, die das Essen zur Kultur des Vergessens macht.</p>
<p>Im Werkgespräch spricht Jörg Bong mit dem Anatom, Human- und Evolutionsbiologen <em>Carsten Niemitz</em> über &#8220;<em>Das Tier, das keines sein will</em>&#8220;:</p>
<p>Während dem menschlichen Selbstverständnis, das den Homo sapiens streng vom Tier unterscheidet, schon die Vorstellung, vom Affen abzustammen, Unbehagen bereitet, handelt es sich hierbei aus evolutionsbiologischer Sicht nur um die halbe Wahrheit. Streng genommen stammt der Mensch nicht vom Affen ab, sondern ist selbst ein Affe, den Catarrhini, den Altweltaffen zuzuordnen. Auch wenn derzeit Molekulargenetiker und Paläoanthropologen noch darüber streiten, ob Menschenaffen der Status von Hominiden zuerkannt werden muss, relativiert sich aus der Sicht des Evolutionsbiologen die Trennlinie zwischen Mensch und Tier und auch die Epoche seit den ersten Hochkulturen, die der Mensch als seine Geschichte begreift, muss im Hinblick auf das Wesentliche des Menschen im Vergleich mit der Bedeutung seiner evolutionären Entwicklung als unbedeutender Zeitabschnitt erscheinen. Die Abgrenzung des Individuums von der Umwelt und die Fähigkeit zur Reproduktion, der Erwerb des Zellkerns, die Segmentation des Körpers, die Entwicklung von Kiemenbögen und des zentralen Nervensystems, die Ausbildung der Gliedmaßen, der später aufrechte Landgang und die Entwicklung komplizierter Gestik und Mimik markieren die im Hinblick auf das wesentlich Menschliche tatsächlich entscheidenden Voraussetzungen und Eckpunkte der Menschheitsgeschichte. Aber auch das, was als das Besondere der &#8220;Natur&#8221; des Menschen betrachtet wird, Kultur; Intellekt, Bewusstsein, Sprache, Moral, Kunst, Technik und Glaube versteht Niemitz als Ergebnis des evolutionären Prozesses.</p>
<p>Als eine Besonderheit des Menschen wird seine Sprachfähigkeit verstanden und tatsächlich handelt es sich nach Niemitz bei sogenannten &#8220;Sprachversuchen&#8221; mit Menschenaffen nicht um gesprochenen Sprache, sondern um den Umgang mit lesbaren Zeichen und Gebärden, sie gehören somit alle noch zum evolutionsbiologisch gesehen älteren Phänomen der Schrift. Als weiteres menschliches Charakteristikum kann die Fähigkeit zur Empathie und die damit einhergehende Entwicklung von List und Tücke, ebenso als möglicher Selektionsvorteil betrachtet werden wie die geringfügige Spezialisierung des Menschen, die es ihm als &#8220;Generalisten&#8221; erlaubt, sich verschiedenen Lebensräumen und Lebensumständen anzupassen und ihn vergleichbar mit Ratten zur derzeit biologisch erfolgreichsten Tierart macht. Auch die aristotelische Beschreibung des Menschen als <em>zoon politikon</em> erlangt durch die Evolutionsbiologie neue Bedeutung, die die Vermutung nahe legt, dass das Soziale nicht nur Charakteristikum, sondern Konstituens des Menschen sein könnte. Aus den bei Schimpansen bereits rudimentär vorhandenen Kommunikationsformen entwickelte der Mensch die Fähigkeit zur Kommunikation mit einer großen Zahl anonym bleibender Partner als weiteres Exklusivmerkmal. Eine weitere, allerdings weniger ruhmreiche Sonderstellung nimmt der Mensch ein, indem er zu einer nicht durch arterhaltende Vorteile zu erklärenden Aggressivität und Grausamkeit imstande ist. Paradoxerweise findet sich diese ausgerechnet als &#8220;Bestialität&#8221; bezeichnete Eigenschaft außer bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, bei keiner einzigen nichtmenschlichen Tierart und kann daher als zutiefst humanes Verhalten bezeichnet werden.</p>
<p>Das Tier Mensch büßt also auch aus Sicht der Evolutionsbiologie nicht das ein, was als sein &#8220;Wesen&#8221; verstanden werden kann, der Mensch wird aber als ein Gewordenes und immer noch Werdendes erkennbar, der in seiner heutigen Gestalt nichts weiter als eine Momentaufnahme, ein Zwischenergebnis der Evolution, darstellt. Die evolutionären Mechanismen, die Mutationen sind aus evolutionsbiologischer Sicht nichts als reiner Zufall, die keinerlei Teleologie erkennen lassen, was auch bedeutet, dass eine Konstanz der Arten damit nicht mehr denkbar ist. Die Kultur des Menschen, das Bewusstsein, die Sprache, könnten somit selbst als wirksame evolutive Funktionen gesehen werden, als <em>hard skills</em>, die zwar zufällig entstehen, aber zu wirksamen Optimierungen der einzelnen Menschen im Hinblick auf die Fortpflanzungserfolge werden und durch die Funktion des Kulturzusammenhangs komplementär zu den genetischen Informationen verstanden werden können. Die Fähigkeiten des menschlichen Geistes sind im Gegensatz zur Wahrnehmung und Umsetzung der damit verbundenen Verantwortung evolutionär entstanden, ob der Mensch diese Fähigkeiten zur Zerstörung oder Erhaltung der Welt nutzt, bleibt nach Niemitz ihm überlassen.</p>
<p>In seinem Essay &#8220;<em>Können Tiere denken?</em>&#8221; diskutiert <em>Dominik Perler</em> die in der gegenwärtigen Tierdebatte in der Philosophie des Geistes von Robert Brandom vertretene Position, die Tieren das Denken grundsätzlich abspricht, indem er prüft, ob sich dessen Annahmen auf die Ergebnisse empirischer Untersuchungen anwenden lassen. Nach Brandom unterscheidet sich der Mensch vom Tier darin, dass er komplexe begriffliche Inhalte erfassen und Gründe angeben kann, während das Tier sich lediglich mit einer Fülle von Sinneseindrücken konfrontiert sieht. Die Sprachfähigkeit stellt für Brandom hierbei das entscheidende Abgrenzungskriterium dar, er geht davon aus, dass nur sprachfähige Lebewesen intentionale und damit kognitive Lebewesen sind. Brandom nimmt an, dass Tiere in einem kausalen Zusammenhang zur Umwelt stehen, innerhalb dessen sie Sinnesreize als Inputs aufnehmen und motorische Reaktionen als Outputs liefern und spricht ihnen damit Intentionalität ab. Das Verhalten von Vögeln, die anscheinend kognitive Landkarten erstellen können, setzt nach Perler allerdings Fähigkeiten voraus, die auf der Ebene eines bloßen Reiz-Reaktions-Schemas nicht mehr zu erklären sind, die vielmehr eine Zwischenstellung zwischen der Reizaufnahme und dem prädikativen Denken einnehmen. Beobachtungen von Affen deuten auf ein zielgerichtetes Verhalten hin, das die Fähigkeit zum Erzeugen einer Zweck-Mittel-Relation sowohl zwischen aktuell präsenten als auch zwischen präsenten und erwünschten Gegenständen voraussetzt. Diese Beobachtungen legen für Perler nahe, den Begriff der Intentionalität in einen vorsprachlichen und einen sprachlichen zu unterscheiden. Tieren muss damit nicht jede Form von Intentionalität abgesprochen werden, sondern nur eine höhere Stufe der sprachlichen Intentionalität.</p>
<p>Ob man Brandoms Sprachthese entkräften kann, hängt nach Perler also davon ab, ob man eine Erklärung für Repräsentationen finden kann, die nicht an Sprache gebunden ist. Nach der Informationstheorie von Fred Dretske ist ein Repräsentationszustand dadurch gekennzeichnet, dass er Information in sich trägt, dass er die Funktion hat, aufgrund eines spezifischen Inhalts ein Verhalten zu bewirken und dass er die Situation richtig oder falsch anzeigt. Der zweite Grund bezieht sich auf die innere Repräsentation und ist damit entscheidend. Die Beobachtung des Lernverhaltens bei Schimpansen kann einen Hinweis darauf geben, dass Tiere über innere Repräsentationen verfügen, da sie auf den gleichen visuellen Reiz mit unterschiedlichem Verhalten reagieren können. Zwischen Reiz und Reaktion ist vielmehr die Zwischenstufe der Repräsentation erforderlich, die den Schimpansen dazu befähigt, selbständig mit dem Input umzugehen. Entscheidend ist hier, dass sie die Repräsentation nicht nur <em>haben</em>, sondern die selbständig <em>überprüfen</em> können, was der informationstheoretische Ansatz übersieht. Eine Repräsentation überprüfen zu können bedeutet aber, dass die Fähigkeit vorausgesetzt werden muss, Wahres von Falschem zu unterscheiden, was nur durch die Unterscheidung von wahren und falschen Feststellungen, also auf der Grundlage der Sprachfähigkeit geschehen kann. Letztendlich scheint man auch ohne Brandoms Voraussetzungen wieder bei der Sprachthese anzukommen. Die ethologische Forschung zeigt allerdings, auf welcher nicht-sprachlichen Grundlage eine Unterscheidung von korrekten und unkorrekten Repräsentationen möglich wäre. So sind etwa Schweine in der Lage, unterschiedliche Gegenstände zu klassifizieren, indem sie sie unter allgemeine Muster subsumieren und auf diese mit korrigierendem Verhalten reagieren, sie also überprüfen.</p>
<p>Können Tiere also denken? Das Problem der Tierdebatte liegt nach Perler in der Bedeutung des Begriffs Denken, die sehr hoch, aber auch sehr niedrig angesetzt werden kann. Perler hält es daher für sinnvoll, den Begriff des Denkens zu differenzieren und nicht einen einzigen Begriff, sondern eine Skala unterschiedlicher kognitiver Prozesse anzunehmen. Dadurch wird ermöglicht, dass keine strenge Trennung zwischen sprachlicher und vorsprachlicher Tätigkeit vorgenommen werden muss, sondern eine Überprüfung stattfinden kann, wie weit Objektivität und Normativität auf vorsprachlicher Ebene möglich sind. Die Frage, ob Tiere denken oder nicht, erweist sich somit zunächst als falsch gestellt.</p>
<p><em>Markus Wild</em>, der am 24. April 2006 den Eröffnungsvortrag im Rahmen der <a title="Interdisziplinäre Vorlesungsreihe Tierrechte" href="http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/">Interdisziplinären Vorlesungsreihe &#8220;Tierrechte&#8221;</a> hielt, setzt sich in seinem Essay <em>&#8220;Talk to me, walk with me like lovers do!</em>&#8221; mit den ideengeschichtlichen Wurzeln der Tierkommunikation auseinander. Während die Sprachfähigkeit des Menschen gerne als wichtigster Faktor aufgefasst wird, der das Tier als Natur- und Sinnenwesen vom Kultur- und Sinnwesen Mensch unterscheidet, behaupten Tierkommunikatoren, Zugang zu der Sprache der Tiere erlangen zu können. Die pädagogische Richtung der Tierkommunikation wurzelt in der bereits von Michel de Montaigne geforderten Umkehr der Perspektive. Die Betrachtung der menschlichen Kommunikation aus der Sicht des Tieres kann dazu beitragen, den engen Begriff der Sprache zu erweitern und den Blick auch auf über die natürliche Sprache hinausgehende Mittel der Verständigung zu richten. Auch die bekanntesten Vertreter der heutige Tierkommunikation, der &#8220;Pferdeflüsterer&#8221; Monty Roberts und die Hundetrainerin Jan Fennell, machen diesen Perspektivwechsel zur Grundlage ihrer Arbeit. Die Tatsache, dass der Mensch nicht in der Lage ist, Tiere zu verstehen, liegt nach dieser Ansicht nicht daran, dass Tiere keine Sprache hätten, sondern vielmehr am Verlust der ursprünglichen menschlichen Fähigkeit zur Kommunikation mit Tieren. Der in der europäischen Romantik entwickelte Wunsch, diesen Verlust auszugleichen fördert nach Wild seither auf der einen Seite einen veränderten Umgang mit Tieren und trägt so zu ihrer Befreiung bei, auf der anderen Seite macht er deren Verhalten aber auch besser beherrschbar. Vor allem in der esoterischen Richtung der intuitiven und telepathischen Tierkommunikation wird der begrüßenswerte Versuch, Zugang zur Sprache der Tiere zu gewinnen, von der Idee einer kommunikativen Transparenz überlagert. Welch seltsame Blüten diese Auffassung tragen kann, illustriert Wild am Beispiel der Broschüre eines Tierversuchslabors, in der das Versuchstier sein eigenes Dasein als Versuchsobjekt rechtfertigt und so indirekt seine Einwilligung erteilt. Die positiven Tendenzen, die die Umkehr der Perspektive mit sich bringt, werden hier nach Wild von einem sozialen Kitsch überlagert und damit ins Negative umgekehrt.</p>
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		<title>Haben wir Pflichten gegenüber wildlebenden Tieren?</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jan 2007 19:25:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Melanie Harr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>

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		<description><![CDATA[John Hadley: The Duty to Aid Nonhuman Animals in Dire Need; Journal of Applied Philosophy, Vol. 23, No. 4, 2006. Hadley vertritt die These, dass die unter Moralphilosophen anerkannte Pflicht, fremden Menschen in höchster Not im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu helfen, auch auf wildlebende Tiere in vergleichbaren Situationen ausgeweitet werden muss. Er begründet seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>John Hadley: <em>The Duty to Aid Nonhuman Animals in Dire Need</em>; Journal of Applied Philosophy, Vol. 23, No. 4, 2006.</p>
<p>Hadley vertritt die These, dass die unter Moralphilosophen anerkannte Pflicht, fremden Menschen in höchster Not im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu helfen, auch auf wildlebende Tiere in vergleichbaren Situationen ausgeweitet werden muss. Er begründet seine Ansicht damit, dass Menschen und Tiere in äußersten Notsituationen, etwa nach einer ökologischen Katastrophe, gleichwertige fundamentale Bedürfnisse haben, die in beiden Fällen in erster Linie der Sicherung des Überlebens dienen und sich daher nicht grundlegend voneinander unterscheiden.<span id="more-30"></span></p>
<p>Der Versuch, den Vorrang menschlicher Interessen durch höhere kognitive Fähigkeiten zu begründen und damit das Recht auf Hilfe an das Interesse an der Fortsetzung der eigene Existenz zu knüpfen, scheitert nach Hadley, da nicht alle Menschen über diese Fähigkeiten verfügen. Würde man eine Pflicht auch im Falle kognitiv beeinträchtigter Menschen annehmen, Tiere aber ausschließen, müsste die alleinige Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens als moralisch relevant angesehen werden. Abgesehen von der Schwierigkeit, ein biologisches Faktum als Grundlage für moralische Pflichten anzusehen, könnte damit nach Hadley höchstens eine Abstufung der Pflichten begründet werden. Vergleichbar damit, dass besondere Pflichten gegenüber den eigenen Kindern zu haben nicht bedeutet, keine Pflichten gegenüber anderen Kindern zu haben, könnte die Spezieszugehörigkeit höchstens besondere zusätzliche Pflichten begründen. Das Argument reicht in keinem Fall aus, eine Ungleichbehandlung in einer vergleichbar schweren Notsituation zu rechtfertigen und damit die Pflicht zur minimalen Hilfeleistung zu widerlegen.</p>
<p>Speziell bei wildlebenden Tieren führen einige Kritiker das Prinzip des „Flourishing“ an und betrachten negative Umwelteinflüsse als natürlichen Teil des Lebens wildlebender Tiere, Hilfsmaßnahmen dagegen als unnatürliche Behinderung ihrer naturgemäßen Entwicklung. Das Konzept des „Flourishing“ kann aber nach Hadley auch beim Menschen nur unabhängig von äußeren, Leiden verursachenden Umständen betrachtet werden. Naturkatastrophen und Krankheiten behindern dieses bei Tieren und Menschen gleichermaßen.</p>
<p>Als Sonderfall betrachtet Hadley Tiere, die als Opfer der Beutejagd anderer Tiere in lebensbedrohliche Situationen geraten. Obwohl man ohne Zweifel eingreifen müsste, wenn sich kognitiv beeinträchtigte Menschen gegenseitig Schaden zufügen und auch wenn die Interessen von Tieren als mit menschlichen Interessen vergleichbar angesehen werden, lässt sich hier für Hadley gerade keine Pflicht begründen, da hier der Jägers selbst nur aus einem Überlebensinteresse heraus handelt. Wenn es dem Überleben kognitiv beeinträchtigter Menschen dienen würde, sich gegenseitig zu verletzten, wäre auch hier eine Pflicht zur Hilfeleistung nicht unmittelbar einsichtig. Nimmt man darüber hinaus an, dass ein Sollen auch ein Können einschließen muss und es im Falle der Beutejagd im Gegensatz zur Umweltkatastrophe nahezu unmöglich ist, dem Gejagten wie auch dem Jäger mit vertretbarem Aufwand zu helfen, kann dies keine Pflicht darstellen.</p>
<p>Hadleys Fazit ist, dass, solange die Interessen der Tiere mit denen der Menschen in Notsituationen vergleichbar sind, auch eine Pflicht zur Hilfeleistung angenommen werden muss, was im Fall der Naturkatastrophe zutrifft, aber nicht im Fall der Beutejagd.</p>
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		<title>The Ethics of Animal Research</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jan 2007 15:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Schneele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>
		<category><![CDATA[Science]]></category>

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		<description><![CDATA[In May 2005 the British Nuffield Council on Bioethics published a voluminous report, titled &#8220;The Ethics of Research Involving Animals&#8221; (324 pages). The report is free for download at: http://www.nuffieldbioethics.org/go/ourwork/animalresearch/publication_178.html It is advertised as follows: &#8220;This Report seeks to clarify the debate and aims to help people think through the ethical issues that are raised. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In May 2005 the <a title="British Nuffiel Council on Bioethics" target="_blank" href="http://www.nuffieldbioethics.org/">British Nuffield Council on Bioethics</a> published a voluminous report, titled &#8220;The Ethics of Research Involving Animals&#8221; (324 pages).<span id="more-29"></span> The report is free for download at:</p>
<p><a title="The Ethics of Research Involving Animals" target="_blank" href="http://www.nuffieldbioethics.org/go/ourwork/animalresearch/publication_178.html">http://www.nuffieldbioethics.org/go/ourwork/animalresearch/publication_178.html</a></p>
<p>It is advertised as follows:</p>
<p>&#8220;This Report seeks to clarify the debate and aims to help people think through the ethical issues that are raised. The ways in which animals are used in different areas of research are reviewed, including: basic or &#8220;blue sky&#8221; research, the development of new medicines and vaccines, and toxicity testing. The Report makes practical recommendations for future policy and practice, relating among other things, to the use of GM animals, ways of improving the quality of debate, the implementation of the <a title="Tierschutz und Wissenschaft Hand in Hand" href="http://tierethikblog.de/2006/11/30/%e2%80%9etierschutz-und-wissenschaft-hand-in-hand%e2%80%9c-2/">Three Rs</a> (Refinement, Reduction and Replacement), and the responsibilities of researchers, reviewers and funding bodies.&#8221;</p>
<p>This report is a great deal foreward to provide reliable information on the difficult topic &#8220;Animal Ethics&#8221;.</p>
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		<title>Nature greift das Thema Tierversuche auf</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2006/12/22/nature-greift-das-thema-tierversuche-auf/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Dec 2006 23:57:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Schneele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literature]]></category>
		<category><![CDATA[Science]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zeitschrift &#8220;Nature&#8221; ist eine der weltweit führenden Fachzeitschriften für Naturwissenschaften. Eines ihrer Hauptthemengebiete sind die Biowissenschaften. In diesem Forschungsbereich sind Tierversuche bekanntlich keine Seltenheit. Die &#8220;Nature&#8221; bietet somit eine Plattform, um Daten aus tierverbrauchenden Studien zu publizieren. Erfreulicherweise griff die &#8220;Nature&#8221; in ihrer Ausgabe 444 vom 14.12.06 das schwierige Thema &#8220;Tierversuche&#8221; mit einer Reihe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a title="Nature" href="http://www.nature.com" target="_blank">Zeitschrift &#8220;Nature&#8221;</a> ist eine der weltweit führenden Fachzeitschriften für Naturwissenschaften. Eines ihrer Hauptthemengebiete sind die Biowissenschaften. In diesem Forschungsbereich sind Tierversuche bekanntlich keine Seltenheit. Die &#8220;Nature&#8221; bietet somit eine Plattform, um Daten aus tierverbrauchenden Studien zu publizieren. Erfreulicherweise griff die &#8220;Nature&#8221; in ihrer Ausgabe 444 vom 14.12.06 das schwierige Thema &#8220;Tierversuche&#8221; mit einer Reihe interessanter Artikel auf nicht emotionaler Ebene auf.<span id="more-25"></span></p>
<p>In einem Artikel wird geschildert, wie schwierig es ist, die Diskussion überhaupt auf nicht emotionaler Ebene führen zu können. Oft sind die Standpunkte zu diesem Thema &#8220;extrem&#8221;. Tierexperimentatoren mussten sogar um ihr Leben fürchten, als sie sich öffentlich zu ihrem Tun bekannten. In einem Interview schildert eine Tierärztin, die für das Wohlergehen von Versuchstieren verantwortlich ist, welche Schwierigkeiten mit ihrem Beruf verbunden sind. Zum einen sieht sie sich Angriffen &#8220;extremer&#8221; Tierschützer ausgesetzt, weil sie mit Tierexperimentatoren kooperiert. Wissenschaftler sehen in ihr oft eine zusätzliche Erschwerung ihrer sowieso schon schwierigen Arbeit.</p>
<p>Ein weiterer Artikel beschreibt die Situation für europäische Primatenforscher und schildert, dass die bürokratischen Hindernisse für die Forschung an Affen derart erhöht wurden, dass diese Art der Forschung wohl bald allein schon wegen bürokratischer Hemmnisse nicht mehr möglich sein wird.</p>
<p>Im letzten Artikel der Serie wird schließlich die Übertragbarkeit von Daten aus Studien mit gentechnisch veränderten Mäusen auf den menschlichen Genhaushalt diskutiert.</p>
<p>Eine vollständige Übersicht der &#8220;Nature&#8221;-Artikel zum Tierversuchs-Special, ist auf <a title="Nature" href="http://www.nature.com/news/specials/animalresearch/index.html" target="_blank">www.nature.com/news/specials/animalresearch/index.html</a> einzusehen.</p>
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