October 20, 2007
Der schwierige Stand der Tiere – gibt es einen Ausweg aus der Dissonanz?
Nie standen nichtmenschliche Tiere so sehr im Mittelpunkt unserer Gesellschaft. Nie waren sie dem Menschen so nahe wie heute. Nie war der Mensch so abhängig von ihnen wie in dieser Zeit.
Seien es Blindenhunde, Tiere, die in der Therapie eingesetzt werden, Polizei- und Spürhunde, Pferde, die es Eltern ermöglichen, ihren Kindern ein Hauch von Freiheit zu erkaufen, niedliche Zooinsassen oder schlicht unsere geliebten Haustiere – der Mensch von heute kann nicht mehr ohne sie. Ganz zu schweigen von den die Tieren, die wir nicht auf emotionaler, sondern auf wirtschaftlicher, technischer oder wissenschaftlicher Ebene einsetzen. (more…)
August 12, 2007
Seit 1991 beschäftige ich mich mit Tierrechten und der Befreiung der Tiere. Es begann mit einem Artikel mit dem Titel „Do Animals Have Rights?“. Diesen habe ich geschrieben, nachdem ich erfahren hatte, dass ein Kollege, Tom Regan, mit „The Case for Animal Rights“ (University of California Press, 1983) ein viel beachtetes Buch veröffentlicht hat. Seit ich meine Dissertation über dieses Thema verfasst habe, schreibe ich über die Theorie natürlicher Rechte und wollte deshalb endlich einmal klar sagen, was bei dieser Tierrechtsdebatte eigentlich Sache ist. (more…)
July 15, 2007
Introduction
In the concern about how human beings treat animals, whether as pets, as prospective nourishment, or for medical research or experimentation, one school, led by Professor Tom Regan, has proposed the idea that animals have rights like human beings do, [1] while another school, under the leadership of Professor Peter Singer, has proposed that the well being of animals should be considered in a utilitarian assessment of how they ought to be treated. [2] I aim to argue here that the concept of “rights” has not be shown to apply to animals in anything like the way it applies to human beings. Looking at the conceptual foundation of basic rights, especially a la John Locke, rights are founded on the moral nature of human beings, specifically on their moral agency. They identify, as the late Robert Nozick put it, our moral space. Given that animals have not been shown to possess moral agency, the basis of ascribing to them rights of the sort human beings possess is lacking. As to the utilitarian case associated with Peter Singer, I will only mention, briefly, that Singer’s ultimate foundation for ethics does not support any kind of normative stance toward animals, given that he is fundamentally a non-cognitivist or conventionalist. [3] I shall develop these ideas and consider some objections to my position. (more…)
June 22, 2007
In der Vorrede zur Dialektik der Aufklärung warnen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno eindringlich davor, die Besinnung auf das Zerstörerische des Fortschritts dessen Gegnern zu überlassen (vgl. 5). Gewiss: Der Frankfurter Schule ging und geht es um eine kritische Sicht und insbesondere emanzipatorische Fortentwicklung der Gesellschaft. Dennoch drängte sie stets in gleichem Maße auf einen differenzierten Fortschrittsbegriff, der die dialektische Verschlingung von zivilisatorischem progress und „Fortschritt in Ungleichheit und neuer Barbarei“ (Greven 115) erfasst. Das Projekt Aufklärung, das – konventionell betrachtet – in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert seinen Anfang nahm, dürfe nicht – so die Kritische Theorie – auf bloß instrumentelle Vernunft reduziert, gleichsam vom emanzipatorischen Impetus entkoppelt werden. Wenig verwunderlich ist, dass sich Horkheimer und Adorno im Rahmen ihrer düsteren Bestandsaufnahme von Aufklärung, Fortschritt und Vernunft auch mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinandersetzen. Allerdings erschöpft sich ihre Reflexion nicht in blankem Entsetzen angesichts des unermesslichen Leids, welches der Mensch dem Tier zufügt. Sie demonstrieren ferner, dass die barbarische Verdinglichung von Menschen ihren Anfang im Umgang des Menschen mit Tieren nimmt. Solch verhängnisvollem Denken und Wahrnehmen in Stereotypen setzten sie – und das ist meine dritte These – ein Beispiel für spontane Erfahrung und unmittelbare zwischenmenschliche Beziehungen in Form von verspielter Tiermetaphorik entgegen. Die liebevolle gegenseitige Anrede mit Tiernamen ist nicht zuletzt ein Zeugnis ihrer Humanität. (more…)
May 6, 2007
In der Forschung zu Alternativen zu Tierversuchen geht es darum, den Versuchstieren Leiden zu ersparen. Replace, Reduce, Refine: ersetze Tierversuche, wo es möglich ist, durch alternative Methoden. Reduziere die Anzahl der Tierversuche. Wenn Versuche durchgeführt werden, verbessere die Konditionen für die Tiere. Dieses 3-R-Prinzip ist darauf ausgerichtet, die Situationen tausender Versuchstiere erträglicher zu gestalten und die Anzahl der Tiere, die für Versuche verwendet werden, heute und in Zukunft zu reduzieren. Doch was ist mit dem Leben des einzelnen Tiers? Was ist mit der einzelnen Ratte, die sich heute in einem Versuchlabor befindet und an der heute Versuche durchgeführt werden? (more…)
March 15, 2007
Grundsätzlich haben wir die Möglichkeit, uns Fragen der Ethik religiös-intuitiv oder rational-wissenschaftlich zu nähern. Am Anfang der ersteren Betrachtungsweise stehen religiöse Dogmen oder Intuitionen, über die wir nicht mehr diskutieren können. Man nimmt sie an oder nicht. Entsprechend endet in diesem Fall spätestens dort die ethische Diskussion.
Oder man versucht auf rational-wissenschaftlicher Ebene vorzugehen und ist bereit, alles in Frage zu stellen und sich nur auf handfeste wissenschaftliche Fakten zu beziehen. Birnbacher (2006) geht in seiner Analyse dieses Zugangs ganz automatisch davon aus, dass nur ein Utilitarismus den Ansprüchen eines rationalen Zugangs genügen kann. Die einzige Grundlage, zwischen gut und schlecht zu unterscheiden, ist dabei das subjektive Empfinden jedes einzelnen Wesens, das empfinden kann. Setzen wir also eine Handlung, dann müssen wir deren Konsequenzen betrachten. Die gute Empfindung jedes Wesens – das Glücksgefühl – als Folge dieser Handlung wird addiert, die schlechte Empfindung – das Leiden – jedes Wesens wird subtrahiert. Bleibt ein positives Ergebnis war die Handlung gut, bei einem negativen Ergebnis schlecht. Die ethisch ideale Handlung minimiert das Leiden und maximiert das Glücksgefühl, bzw. maximiert die Differenz zwischen Glücksgefühl und Leid.
So weit so gut. Auf den ersten Blick scheint diese Lösung sehr einfach und begrüßenswert. Warum sollte maximales Glücksgefühl und minimales Leid nicht ein Idealziel sein? Die meisten Menschen, die im Tierschutz aktiv sind, sind wahrscheinlich durch den Anspruch Leiden zu minimieren motiviert. Bei näherem Hinsehen ergeben sich allerdings zahllose Probleme. (more…)
February 7, 2007
Menschenwürde
Tierrechte werden üblicherweise im Zusammenhang bzw. im Vergleich mit Menschenrechten thematisiert. Das ist durchaus sinnvoll. Leider wird hierbei aber meist der verhängnisvolle Fehler begangen, gleich auch die Menschenwürde mit in die Diskussion zu ziehen. Dies ist deshalb fatal, weil der Begriff der Menschenwürde zu den nebulosesten Begriffen zählt, die es überhaupt gibt. Durch die Hereinnahme der Menschenwürde in die Diskussion um Tierrechte wird der ganze Themenbereich unnötig belastet, kompliziert und auf eine irrationale Ebene gebracht. Erschwerend kommt hinzu, daß der diffuse Begriff der Menschenwürde im Zusammenhang mit Menschenrechten nicht irgendeine, sondern eine ganz herausragende Rolle spielt: die Menschenwürde dient dazu, Menschenrechte zu begründen und zu rechtfertigen. (more…)
November 12, 2006
Verfügen nichtmenschliche Tiere (im Folgenden wird der Einfachheit halber der Zusatz „nichtmenschlich“ weggelassen) über Emotionen und Gefühle? Wie lässt sich dies wissenschaftlich untersuchen?
Diese schlichten Fragestellungen bilden den Ausgangspunkt für den folgenden Artikel. In ihrer Formulierung und Erscheinung relativ eindeutig und klar, sind diese Fragen doch von großer Komplexität und bieten Konfliktpotential sowohl für die gesellschaftliche, wie auch die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema. Ein zusätzlicher Aspekt zu der inhaltlichen Frage nach Emotion versus Gefühl bei Tieren wird im Folgenden die methodische Gegenüberstellung von Experiment und Anschauung sein. Zunächst werden die zwei aktuellen Arbeiten „Fundamental Feelings“ des Neurowissenschaftlers Antonio Damasio und „Do Animals Have Feelings?“ von Klaus Wilhelm herangezogen und als Basis für die Beschäftigung mit der Frage nach den Emotionen und Gefühlen der Tiere verwendet. In den darauffolgenden Abschnitten soll versucht werden, die verschiedenen Gedankengänge zu kombinieren, bzw. einander in ergänzender Weise gegenüberzustellen. (more…)