In der Vorrede zur Dialektik der Aufklärung warnen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno eindringlich davor, die Besinnung auf das Zerstörerische des Fortschritts dessen Gegnern zu überlassen (vgl. 5). Gewiss: Der Frankfurter Schule ging und geht es um eine kritische Sicht und insbesondere emanzipatorische Fortentwicklung der Gesellschaft. Dennoch drängte sie stets in gleichem Maße auf einen differenzierten Fortschrittsbegriff, der die dialektische Verschlingung von zivilisatorischem progress und „Fortschritt in Ungleichheit und neuer Barbarei“ (Greven 115) erfasst. Das Projekt Aufklärung, das – konventionell betrachtet – in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert seinen Anfang nahm, dürfe nicht – so die Kritische Theorie – auf bloß instrumentelle Vernunft reduziert, gleichsam vom emanzipatorischen Impetus entkoppelt werden. Wenig verwunderlich ist, dass sich Horkheimer und Adorno im Rahmen ihrer düsteren Bestandsaufnahme von Aufklärung, Fortschritt und Vernunft auch mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinandersetzen. Allerdings erschöpft sich ihre Reflexion nicht in blankem Entsetzen angesichts des unermesslichen Leids, welches der Mensch dem Tier zufügt. Sie demonstrieren ferner, dass die barbarische Verdinglichung von Menschen ihren Anfang im Umgang des Menschen mit Tieren nimmt. Solch verhängnisvollem Denken und Wahrnehmen in Stereotypen setzten sie – und das ist meine dritte These – ein Beispiel für spontane Erfahrung und unmittelbare zwischenmenschliche Beziehungen in Form von verspielter Tiermetaphorik entgegen. Die liebevolle gegenseitige Anrede mit Tiernamen ist nicht zuletzt ein Zeugnis ihrer Humanität. (more…)