Tierethik – Animal Ethics




March 20, 2007

Ansprechpartner für Alternativen zu Tierversuchen

Filed under: ScienceJürgen Schneele @ 10:18 pm

In Artikel 23 Absatz 1 der EU Richtlinie 86/609/EEC [Link] ist festgeschrieben, dass die EU Kommission die Entwicklung und Validierung von Alternativmethoden fördern soll und geeignete Maßnahmen trifft, um die Forschung auf diesem Gebiet zu fördern. Um diesem Auftrag Folge zu leisten, haben die Europäische Kommission und verschiedene Staaten Zentren für die Validierung von Alternativmethoden etabliert.

Validierungsprozess

Damit Alternativmethoden als Testmethoden in vorgeschriebenen toxikologischen Prüfverfahren akzeptiert werden, müssen sie beweisen, dass sie die Vorhersagekraft für das Ergebnis des entsprechenden Tierversuchs besitzen. Der Prozess, in dem dies geprüft wird, wird Validierung genannt. Im Zuge dieses Prozesses wird  die Methode mit einem breiten Spektrum an Substanzen in verschiedenen Labors auf ihre Tauglichkeit zur Vorhersage von Tierversuchsdaten und auf ihre Reproduzierbarkeit geprüft.

[Weiterführende Literatur: F. P. Gruber und H. Spielmann: Alternativen zu Tierexperimenten (Kapitel B.9.: Validierung von Alternativmethoden zum Tierversuch), Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg-Berlin-Oxford, 1996]

Zentren für Alternativmethoden

In der Bundesrepublik Deutschland wurde im Jahr 1990 die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) gegründet [Link]. Die ZEBET ist Teil des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Sie hat neben der systematischen Erfassung bereits publizierter Ersatz- und Ergänzungsmethoden auch die Aufgabe, diese Methoden zu evaluieren und erfolgversprechende Ansätze auf diesem Gebiet zu fördern. Sie leistet Gutachtertätigkeit für zuständige Behörden zu Anträgen von Tierversuchsvorhaben und steht für Anfragen auf dem Gebiet der Alternativmethoden bereit.

Besondere Priorität der ZEBET hat der Ersatz von Tierversuchen in behördlichen Anmelde- und Zulassungsverfahren [siehe hier]. Die ZEBET koordiniert und initiiert in Zusammenarbeit mit anderen, auch internationalen Behörden und Verbänden (siehe unten) Validierungsaufgaben. Zudem wurde eine Datenbank zur Erfassung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden aufgebaut, die seit dem Jahr 2000 unter dem Namen “AnimAlt-ZEBET” online zur Verfügung steht [Link].

[Adresse: ZEBET, Diedersdorfer Weg 1, D-12277 Berlin]

Die Europäische Union gründete im Jahr 1992 das European Center for the Validation of Alternaive Methods (ECVAM) [Link]. Diese Institution betreut ähnliche Aufgaben wie die ZEBET, allerdings auf EU-Ebene. Auch sie erfasst und bewertet Alternativmethoden und koordiniert Validierungsprozesse. Bestenfalls erreicht die ECVAM die EU-weite Akzeptanz einer Alternativmethode und damit die Abschaffung des davor zu einem Prüfzweck vorgesehenen Tierversuchs. Wie die ZEBET stellt auch die ECVAM eine Datenbank mit validierten und akzeptierten Alternativmethoden zur Verfügung [Link].

In den USA wurde im Jahr 1997 das Interagency Coordination Committee on the Validation of Alternative Methods (ICCVAM) gegründet [Link]. Dieses Komitee prüft zur Zeit unter anderem verschiedene Alternativmethoden auf Tauglichkeit zum Ersatz des Draize-Tests am Kaninchenauge, die in verschiednen Ländern der EU bereits akzeptiert wurden.

[Weiterführende Links: Link 1, Link 2]

Weitere europäische Staaten, die Zentren für Alternativen zu Tierversuchen einrichteten:

Österreich – Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZET) [Link]

Niederlande – Netherlands Centre Alternatives to Animal Use (NCA) [Link]

Schweden – (geplant)

Kriterien für Akzeptanz einer Alternativmethode

Die Kriterien, die eine neue Testmethode (wie eine Alternative zu einem Tierversuch) erfüllen muss, um in dem Validierungsprozess und später als offizielle Prüfmethode, z. B. in OECD-Richtlinien, aufgenommen werden zu können, sind von der OECD in einem Dokument festgeschrieben worden [Link].

Auch die  ICCVAM stellt ähnliche Dokumente zur Verfügung [Link]. Die ECVAM bietet ein Dokument mit Kriterien zur Übermittlung von potentiellen Alternativmethoden für den Eintritt in den Prävalidierungs-/Validierungsprozess an [Link].

Tierversuchsfreie Lehrmethoden

Die bekannteste Arbeitsgruppe in Deutschland, die sich für ein tierversuchsfreies Studium stark macht, ist Satis (lat.: Genug!) [Link]. Satis ist eine Arbeitsgruppe des Verbands Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., der auch die Zeitschrift “Tierrechte” herausgibt [Link].

[Adresse, Telefon, FAX: Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., SATIS – Studentische Arbeitsgruppe gegen Tiermissbrauch im Studium, Roermonder Str. 4a, 52072 Aachen, Tel.: 0241 – 15 72 14, FAX: 0241 – 15 56 42]

Auf viele Tierversuche in der Lehre kann heute durch den Einsatz elektronischer Medien verzichtet werden. Lehrfilme können viele anatomische Beschaffenheiten oder physiologische Vorgänge sehr gut veranschaulichen. Sie ersetzen zunehmend studentische Tierversuchspraktika in den Fächern Medizin und Biologie. [Weitere Informationen: David Dewhurst, Universität Edinburgh, Link]

InterNICHE ist ein offenes Netzwerk von Studenten, Lehrkräften und Tierschützern mit dem Fokus auf den Einsatz von Tieren und Alternativmethoden in der biologischen Forschung und medizinischen Ausbildung. Es stellt unter anderem kostenfrei das Buch “From Guinea Pig to Comupter Mouse” zur Verfügung [Link].

Die Akademie für Tierschutz stellt auf ihrer Homepage eine sehr umfassende Linksammlung für Alternativen zu Tierversuchen bereit, in der auch viele Links dieses Beitrags nocheinmal zusammengefasst sind [Link].

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