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	<title>Comments on: Recht auf Autonomie statt Pflicht zur Leidensminimierung &#8211; Kritik an Konsequentialismus und Pathozentrismus</title>
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	<description>Bilingual Blog about the Moral Status of Nonhuman Animals and Related Fields of Study</description>
	<lastBuildDate>Sat, 18 Apr 2009 17:32:52 +0000</lastBuildDate>
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		<title>By: Gary Snail</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/15/recht-auf-autonomie-kritik-konsequentialismus-pathozentrismus/comment-page-1/#comment-8154</link>
		<dc:creator>Gary Snail</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jul 2007 09:01:36 +0000</pubDate>
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		<description>Ich kann mir sehr viele Personen vorstellen, die sich dieses Leben wünschen würden. Jedes Jahr geben tausende jegliche Autonomie auf um das Leid zu minimieren ohne Glückgefühle zu erhalten. Das nennt sich dann Suizid.

Leid kann das Denken verändern.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mir sehr viele Personen vorstellen, die sich dieses Leben wünschen würden. Jedes Jahr geben tausende jegliche Autonomie auf um das Leid zu minimieren ohne Glückgefühle zu erhalten. Das nennt sich dann Suizid.</p>
<p>Leid kann das Denken verändern.</p>
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		<title>By: Dr. Dr. Martin Balluch</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/15/recht-auf-autonomie-kritik-konsequentialismus-pathozentrismus/comment-page-1/#comment-1746</link>
		<dc:creator>Dr. Dr. Martin Balluch</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Mar 2007 12:06:21 +0000</pubDate>
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		<description>Was mich eigentlich sehr verwundert und zu diesem Essay angeregt hat, ist die Beobachtung, dass oft Tierschutz und sogar Tierrechte mit Jeremy Bentham und Peter Singer und deren Ideen verbunden werden, dass die Leidensfähigkeit das zentrale ethische Thema sei, und dass nur die Konsequenzen einer Handlung relevant wären. Dabei waren sowohl Bentham als auch Singer eindeutig gegen Tierrechte. Und sowohl vor Bentham als auch vor Singer haben sich DenkerInnen und AktivistInnen für Tierrechte und Veganismus, und gegen Tiermissbrauch und Speziesismus ausgesprochen.

Folgendes Gedankenexperiment macht eigentlich klar, dass niemand für sich die Singer-Benthamsche These der Leidensminimierung und des Konsequentialismus vertreten könnte. Eine Gesellschaft wie im Film &quot;Matrix&quot; sieht wie folgt aus. Die Menschen sind physisch in eine Nährlösung eingetaucht, fühlen sich also physisch wohl, und haben einen Computer an ihr Hirn angeschlossen, der ihnen Fantasien vorspielt. Sie erleben also maximale Glücksgefühle und minimales Leid und fühlen sich dabei pudelwohl. Sie haben aber überhaupt keine Autonomie.

Ich kann mir kaum eine Person vorstellen, die sich diese Art von Leben wünscht. Zugegeben, nur ein intuitives Argument, aber doch eine sehr starke Intuition. Niemand will maximales Glück und minimales Leid auf Kosten von Autonomie. Schlicht niemand. Ich wundere mich daher, warum der Pathozentrismus und der Konsequentialismus noch immer so fröhliche Urständ feiern.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Was mich eigentlich sehr verwundert und zu diesem Essay angeregt hat, ist die Beobachtung, dass oft Tierschutz und sogar Tierrechte mit Jeremy Bentham und Peter Singer und deren Ideen verbunden werden, dass die Leidensfähigkeit das zentrale ethische Thema sei, und dass nur die Konsequenzen einer Handlung relevant wären. Dabei waren sowohl Bentham als auch Singer eindeutig gegen Tierrechte. Und sowohl vor Bentham als auch vor Singer haben sich DenkerInnen und AktivistInnen für Tierrechte und Veganismus, und gegen Tiermissbrauch und Speziesismus ausgesprochen.</p>
<p>Folgendes Gedankenexperiment macht eigentlich klar, dass niemand für sich die Singer-Benthamsche These der Leidensminimierung und des Konsequentialismus vertreten könnte. Eine Gesellschaft wie im Film &#8220;Matrix&#8221; sieht wie folgt aus. Die Menschen sind physisch in eine Nährlösung eingetaucht, fühlen sich also physisch wohl, und haben einen Computer an ihr Hirn angeschlossen, der ihnen Fantasien vorspielt. Sie erleben also maximale Glücksgefühle und minimales Leid und fühlen sich dabei pudelwohl. Sie haben aber überhaupt keine Autonomie.</p>
<p>Ich kann mir kaum eine Person vorstellen, die sich diese Art von Leben wünscht. Zugegeben, nur ein intuitives Argument, aber doch eine sehr starke Intuition. Niemand will maximales Glück und minimales Leid auf Kosten von Autonomie. Schlicht niemand. Ich wundere mich daher, warum der Pathozentrismus und der Konsequentialismus noch immer so fröhliche Urständ feiern.</p>
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		<title>By: Dr. Dr. Martin Balluch</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/15/recht-auf-autonomie-kritik-konsequentialismus-pathozentrismus/comment-page-1/#comment-1448</link>
		<dc:creator>Dr. Dr. Martin Balluch</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2007 17:20:00 +0000</pubDate>
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		<description>Unbewusster Schmerz ist, obwohl das nach einem Widerspruch klingt, ein Faktum. Vor einigen Jahren fiel ich in eine Gletscherspalte und brach mir die Schulter. Später im Spital wurde mir die Schulter zusammengeschraubt. Für diese Operation erhielt ich nicht nur eine Generalanästhesie, sondern auch zusätzlich Schmerzmittel, obwohl ich bewusstlos war. Trotz Bewusstlosigkeit würde nämlich mein Körper heftigste Schmerzreaktionen zeigen, wie Herzrasen, chemische Ausschüttungen usw. Die körperlichen Schmerzreaktionen ohne bewusst erlebte Schmerzen dabei nenne ich &quot;unbewusster Schmerz&quot;.

Damasio erklärt in seinen Arbeiten sehr genau, dass zur Schmerzreaktion noch viel dazugehört, bevor sie bewusst wird. Am Anfang ist die lokale Schädigung von Gewebe mit ihrer körpereigenen Reaktion zur Reperatur. Dann kommt die Schmerzreaktion des gesamten Körpers. Dann muss diese Schmerzreaktion in erster Ordnung im Gehirn dargestellt werden. Erst die Darstellung (2. Ordnung) der Interaktion dieser Darstellung 1. Ordnung der Schmerzreaktion mit dem sogenannten Protoselbst (der Darstellung 1. Ordnung des gesamten Körpers im Gehirn), d.h. die Interpretation dieser Interaktion, bedingt Bewusstsein.

In Tierversuchen an z.B. Menschen und Makaken konnte das Phänomen des blind sight nachgewiesen werden. Dabei sehen die Versuchstiere zwar im gesamten Gesichtsfeld, nehmen aber nur das halbe Gesichtsfeld wahr. Wenn man sie danach fragt (den Menschen verbal, die Makaken mittels Konditionierung auf Hebel), dann geben diese Versuchstiere das auch an. Man kann also - ohne Analogieschluss - dabei sehr deutlich zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung unterscheiden.

Anderes Beispiel. In einem Bild kann man 2 verschiedene Figuren wahrnehmen (Gestaltwahrnehmung), je nachdem wie das Hirn das Bild interpretiert. Aus Hirnstrommessungen kann man objektiv ablesen, welches der beiden Bilder vom Versuchstier (inkl. Menschen) gerade bewusst wahrgenommen wird. Dieses Experiment wurde z.B. erfolgreich an Katzen durchgeführt.

Ich bezog mich in meiner Aussage auf derartige Experimente.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Unbewusster Schmerz ist, obwohl das nach einem Widerspruch klingt, ein Faktum. Vor einigen Jahren fiel ich in eine Gletscherspalte und brach mir die Schulter. Später im Spital wurde mir die Schulter zusammengeschraubt. Für diese Operation erhielt ich nicht nur eine Generalanästhesie, sondern auch zusätzlich Schmerzmittel, obwohl ich bewusstlos war. Trotz Bewusstlosigkeit würde nämlich mein Körper heftigste Schmerzreaktionen zeigen, wie Herzrasen, chemische Ausschüttungen usw. Die körperlichen Schmerzreaktionen ohne bewusst erlebte Schmerzen dabei nenne ich &#8220;unbewusster Schmerz&#8221;.</p>
<p>Damasio erklärt in seinen Arbeiten sehr genau, dass zur Schmerzreaktion noch viel dazugehört, bevor sie bewusst wird. Am Anfang ist die lokale Schädigung von Gewebe mit ihrer körpereigenen Reaktion zur Reperatur. Dann kommt die Schmerzreaktion des gesamten Körpers. Dann muss diese Schmerzreaktion in erster Ordnung im Gehirn dargestellt werden. Erst die Darstellung (2. Ordnung) der Interaktion dieser Darstellung 1. Ordnung der Schmerzreaktion mit dem sogenannten Protoselbst (der Darstellung 1. Ordnung des gesamten Körpers im Gehirn), d.h. die Interpretation dieser Interaktion, bedingt Bewusstsein.</p>
<p>In Tierversuchen an z.B. Menschen und Makaken konnte das Phänomen des blind sight nachgewiesen werden. Dabei sehen die Versuchstiere zwar im gesamten Gesichtsfeld, nehmen aber nur das halbe Gesichtsfeld wahr. Wenn man sie danach fragt (den Menschen verbal, die Makaken mittels Konditionierung auf Hebel), dann geben diese Versuchstiere das auch an. Man kann also &#8211; ohne Analogieschluss &#8211; dabei sehr deutlich zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung unterscheiden.</p>
<p>Anderes Beispiel. In einem Bild kann man 2 verschiedene Figuren wahrnehmen (Gestaltwahrnehmung), je nachdem wie das Hirn das Bild interpretiert. Aus Hirnstrommessungen kann man objektiv ablesen, welches der beiden Bilder vom Versuchstier (inkl. Menschen) gerade bewusst wahrgenommen wird. Dieses Experiment wurde z.B. erfolgreich an Katzen durchgeführt.</p>
<p>Ich bezog mich in meiner Aussage auf derartige Experimente.</p>
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		<title>By: Alexandra Breunig</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/15/recht-auf-autonomie-kritik-konsequentialismus-pathozentrismus/comment-page-1/#comment-1213</link>
		<dc:creator>Alexandra Breunig</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 19:03:54 +0000</pubDate>
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		<description>&quot;Ich glaube nicht, dass die Naturwissenschaft hier auf einen Analogieschluss angewiesen ist, auch bei subjektiven Empfindungen nicht. Es lässt sich neurobiologisch in vielen Fällen sehr deutlich sehen, ob ein Wesen etwas bewusst wahrnimmt oder nicht. Ich kann - ohne es selbst subjektiv zu erleben oder mich in Analogie in andere hineinzuversetzen - in vielen Fällen rein empirisch zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung von etwas Gesehenem oder zwischen bewusster und unbewusster Schmerzempfindung unterscheiden&quot;

Könnten Sie das näher erläutern? Auch die neurobiologische Herangehensweise scheint mir letzten Endes nicht ohne Analogieschlusss auszukommen. Die neurobiologische Messung an sich ist zwar objektiv, wird jedoch bewertet. Dabei sind wir wieder abhängig von Analogieschlüssen. Wenn bei uns selbst bestimmte neurobiologische Prozesse Schmerz auslösen, gehen wir davon aus, dass sie bei anderen ähnliches hervorbringen.

Was verstehen Sie unter &quot;unbewusstem Schmerz&quot;?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Ich glaube nicht, dass die Naturwissenschaft hier auf einen Analogieschluss angewiesen ist, auch bei subjektiven Empfindungen nicht. Es lässt sich neurobiologisch in vielen Fällen sehr deutlich sehen, ob ein Wesen etwas bewusst wahrnimmt oder nicht. Ich kann &#8211; ohne es selbst subjektiv zu erleben oder mich in Analogie in andere hineinzuversetzen &#8211; in vielen Fällen rein empirisch zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung von etwas Gesehenem oder zwischen bewusster und unbewusster Schmerzempfindung unterscheiden&#8221;</p>
<p>Könnten Sie das näher erläutern? Auch die neurobiologische Herangehensweise scheint mir letzten Endes nicht ohne Analogieschlusss auszukommen. Die neurobiologische Messung an sich ist zwar objektiv, wird jedoch bewertet. Dabei sind wir wieder abhängig von Analogieschlüssen. Wenn bei uns selbst bestimmte neurobiologische Prozesse Schmerz auslösen, gehen wir davon aus, dass sie bei anderen ähnliches hervorbringen.</p>
<p>Was verstehen Sie unter &#8220;unbewusstem Schmerz&#8221;?</p>
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	<item>
		<title>By: Dr. Dr. Martin Balluch</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/15/recht-auf-autonomie-kritik-konsequentialismus-pathozentrismus/comment-page-1/#comment-1200</link>
		<dc:creator>Dr. Dr. Martin Balluch</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 14:24:15 +0000</pubDate>
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		<description>Wir müssen hier vorsichtig auseinanderhalten, was behauptet wird.

i) Zunächst der Vergleich bzgl. des eigenen Präferenzensystems (meiner eigenen Algebra) mit meiner eigenen Ordnungsrelation: Wenn ich mir mit dem Hammer auf den Finger schlage, dann werde ich das als schlimmer empfinden, als wenn ich mich leicht an einem Tisch stosse.

ii) Dann der Vergleich bzgl. des Präferenzensystems eines anderen, mit dessen eigener Algebra und Ordnungsrelation: Wenn ich mich in den anderen und dessen Präferenzensystem hineinversetze, dann wird auch der Schlag auf den eigenen Finger schlimmer sein, als sich selbst leicht am Tisch zu stossen.

iii) Wenn ich jetzt aber den Schlag auf MEINEN Finger mit dem Anstossen an den Tisch eines ANDEREN vergleiche, dann muss ich fragen, bzgl. welchen Präferenzensystems? In wen muss ich mich hineinversetzen? Wessen Algebra und wessen Ordnungsrelation verwende ich?

Oben wird behauptet, es gäbe &quot;insgesamt&quot; mehr Leid durch den Hammerschlag als durch das Anstossen am Tisch. Hier muss ich bitten exakt zu sein und zu sagen, in welchem Sinn das gemeint sein soll. Ich behaupte, diesem Satz lässt sich kein objektiver Sinn geben.

Was aber mit unserer Intuition, dass der Hammerschlag - egal wen er trifft - einfach &quot;objektiv&quot; schlimmer sein muss, als das Anstossen am Tisch. Dieser Intuition lässt sich ein Sinn geben.

Der Schlag auf den Finger ist i.a. subjektiv für jeden relativ schlimmer als das Anstossen. Mit anderen Worten: relativ zu einem maximalen Schmerzerlebnis ist der Hammerschlag, sagen wir, 40% und das Anstossen 5%. Und 40% ist grösser als 5%. NUR in diesem Sinn kann ich die Intuition verstehen, dass der Hammerschlag auf den Finger des einen schlimmer ist als das Anstossen des anderen: der Hammerschlag macht 40% des Maximalschmerzes des einen aus, das Anstossen aber nur 5% des Maximalschmerzes des anderen. Damit bleibt der Vergleich aber noch immer relativ, es gibt keine absolute Ordnungsrelation und keine Möglichkeit die Schmerzen des einen und des anderen zu addieren. Es kann keine geben, aus grundsätzlichen Überlegungen heraus nicht.

iv) Es bleibt also dabei: der Schmerz des Hammerschlages auf ein Wesen ist nicht zum Schmerz des Anstossens eines anderen Wesens addierbar, weil sich kein übergeordnetes Präferenzensystem finden lässt, nach dem addiert (d.h. bewertet) werden könnte. Es lässt sich keine übergeordnete Algebra und keine übergeordnete Ordnungsrelation definieren, weil Bewertungen dieser Art immer subjektiv bleiben müssen. Summen von Leidgefühlen zu bilden, und sie von Glücksgefühlen abzuziehen, bedarf eben der Bewertung. Es handelt sich hier also um keine Frage der Schwierigkeit, sondern eine der logischen Unmöglichkeit. Es geht um eine Kategorienverwechslung analog zum naturalistischen Fehlschluss: einmal wird die Kategorie des Seins mit der des Sollens verwechselt, das andere Mal die Kategorie meiner Werte mit der Kategorie der Werte von anderen. Eine übergeordnete Position, nach der Sein und Sollen in Beziehung gesetzt werden könnten, gibt es genauso wenig wie eine übergeordnete Position, die die Werte zweier verschiedener Wesen in Beziehung setzen und objektiv bewerten könnte. Beides ist eine logische Unmöglichkeit.

v) Ich glaube nicht, dass die Naturwissenschaft hier auf einen Analogieschluss angewiesen ist, auch bei subjektiven Empfindungen nicht. Es lässt sich neurobiologisch in vielen Fällen sehr deutlich sehen, ob ein Wesen etwas bewusst wahrnimmt oder nicht. Ich kann - ohne es selbst subjektiv zu erleben oder mich in Analogie in andere hineinzuversetzen - in vielen Fällen rein empirisch zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung von etwas Gesehenem oder zwischen bewusster und unbewusster Schmerzempfindung unterscheiden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wir müssen hier vorsichtig auseinanderhalten, was behauptet wird.</p>
<p>i) Zunächst der Vergleich bzgl. des eigenen Präferenzensystems (meiner eigenen Algebra) mit meiner eigenen Ordnungsrelation: Wenn ich mir mit dem Hammer auf den Finger schlage, dann werde ich das als schlimmer empfinden, als wenn ich mich leicht an einem Tisch stosse.</p>
<p>ii) Dann der Vergleich bzgl. des Präferenzensystems eines anderen, mit dessen eigener Algebra und Ordnungsrelation: Wenn ich mich in den anderen und dessen Präferenzensystem hineinversetze, dann wird auch der Schlag auf den eigenen Finger schlimmer sein, als sich selbst leicht am Tisch zu stossen.</p>
<p>iii) Wenn ich jetzt aber den Schlag auf MEINEN Finger mit dem Anstossen an den Tisch eines ANDEREN vergleiche, dann muss ich fragen, bzgl. welchen Präferenzensystems? In wen muss ich mich hineinversetzen? Wessen Algebra und wessen Ordnungsrelation verwende ich?</p>
<p>Oben wird behauptet, es gäbe &#8220;insgesamt&#8221; mehr Leid durch den Hammerschlag als durch das Anstossen am Tisch. Hier muss ich bitten exakt zu sein und zu sagen, in welchem Sinn das gemeint sein soll. Ich behaupte, diesem Satz lässt sich kein objektiver Sinn geben.</p>
<p>Was aber mit unserer Intuition, dass der Hammerschlag &#8211; egal wen er trifft &#8211; einfach &#8220;objektiv&#8221; schlimmer sein muss, als das Anstossen am Tisch. Dieser Intuition lässt sich ein Sinn geben.</p>
<p>Der Schlag auf den Finger ist i.a. subjektiv für jeden relativ schlimmer als das Anstossen. Mit anderen Worten: relativ zu einem maximalen Schmerzerlebnis ist der Hammerschlag, sagen wir, 40% und das Anstossen 5%. Und 40% ist grösser als 5%. NUR in diesem Sinn kann ich die Intuition verstehen, dass der Hammerschlag auf den Finger des einen schlimmer ist als das Anstossen des anderen: der Hammerschlag macht 40% des Maximalschmerzes des einen aus, das Anstossen aber nur 5% des Maximalschmerzes des anderen. Damit bleibt der Vergleich aber noch immer relativ, es gibt keine absolute Ordnungsrelation und keine Möglichkeit die Schmerzen des einen und des anderen zu addieren. Es kann keine geben, aus grundsätzlichen Überlegungen heraus nicht.</p>
<p>iv) Es bleibt also dabei: der Schmerz des Hammerschlages auf ein Wesen ist nicht zum Schmerz des Anstossens eines anderen Wesens addierbar, weil sich kein übergeordnetes Präferenzensystem finden lässt, nach dem addiert (d.h. bewertet) werden könnte. Es lässt sich keine übergeordnete Algebra und keine übergeordnete Ordnungsrelation definieren, weil Bewertungen dieser Art immer subjektiv bleiben müssen. Summen von Leidgefühlen zu bilden, und sie von Glücksgefühlen abzuziehen, bedarf eben der Bewertung. Es handelt sich hier also um keine Frage der Schwierigkeit, sondern eine der logischen Unmöglichkeit. Es geht um eine Kategorienverwechslung analog zum naturalistischen Fehlschluss: einmal wird die Kategorie des Seins mit der des Sollens verwechselt, das andere Mal die Kategorie meiner Werte mit der Kategorie der Werte von anderen. Eine übergeordnete Position, nach der Sein und Sollen in Beziehung gesetzt werden könnten, gibt es genauso wenig wie eine übergeordnete Position, die die Werte zweier verschiedener Wesen in Beziehung setzen und objektiv bewerten könnte. Beides ist eine logische Unmöglichkeit.</p>
<p>v) Ich glaube nicht, dass die Naturwissenschaft hier auf einen Analogieschluss angewiesen ist, auch bei subjektiven Empfindungen nicht. Es lässt sich neurobiologisch in vielen Fällen sehr deutlich sehen, ob ein Wesen etwas bewusst wahrnimmt oder nicht. Ich kann &#8211; ohne es selbst subjektiv zu erleben oder mich in Analogie in andere hineinzuversetzen &#8211; in vielen Fällen rein empirisch zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung von etwas Gesehenem oder zwischen bewusster und unbewusster Schmerzempfindung unterscheiden.</p>
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		<title>By: Rainer Ebert</title>
		<link>http://tierethikblog.de/2007/03/15/recht-auf-autonomie-kritik-konsequentialismus-pathozentrismus/comment-page-1/#comment-1188</link>
		<dc:creator>Rainer Ebert</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 07:59:45 +0000</pubDate>
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		<description>Leiden und Glück sind subjektive Empfindungen und also solche naturwissenschaftlich (wohl) nicht direkt messbar. Denn Naturwissenschaft ist eine objektive Angelegenheit – die adäquate Perspektive der Naturwissenschaft(en) ist die der dritten Person. Nun ist Ethik als Teil der Philosophie zwar keine Naturwissenschaft (noch Mathematik), sollte aber nichtsdestotrotz &quot;rational-wissenschaftlich&quot; betrieben werden, denn religiös-dogmatisch lässt sich allenfalls eine Moral begründen, jedoch definitionsgemäß keine ethische Diskussion. Eine utilitaristische Ethik, die chronisch von Leiden und Glück bzw. der Maximierung des letzteren redet, ist somit schwerlich denkbar. Wie konnte ein so gewissenhafter Denker wie Peter Singer das Offensichtliche nur übersehen? – Soweit der Autor obigen Artikels.

Doch Balluch unterschätzt die Naturwissenschaft. &quot;Messe was messbar ist, und mache messbar, was nicht messbar ist.&quot; [*] So lautete schon die Devise von Galileo Galilei und so verfährt auch ein zeitgenössischer Naturwissenschaftler, wenn er vom so genannten Analogieschluss Gebrauch macht. Aus eigener Erfahrung wissen wir beispielsweise, dass wir unter dem Tod eines uns emotional nahe stehenden Menschen mehr leiden als unter einer Erkältung. Vorausgesetzt ein anderer Mensch ist psychologisch ähnlich konstituiert wie wir, befindet sich in ähnlichen Lebensumständen usw., dürfen wir daraus mit einiger Plausibilität schließen, dass auch er weit stärker unter dem Tod eines ihm emotional nahe stehenden Menschen leidet als unter einer Erkältung. Der Analogieschluss erlaubt uns also (zumindest prinzipiell) die plausible Darstellung einer Ordnungsrelation, die in der Menge aller möglichen Erlebnisse eines anderen Menschen objektive Vergleiche zwischen den Elementen der Menge hinsichtlich des mit diesen verbundenen Glücks bzw. Leids ermöglicht. Doch nicht nur das. Auch interpersonale Vergleiche lassen sich mittels Analogieschluss ziehen. Stellen wir uns vor, wir schlagen uns mit einem Hammer versehentlich selbst ordentlich auf die Finger. Passiert nun später einem anderen Menschen in einer ähnlichen Situation dasselbe, so dürfen wir insbesondere aufgrund seines mit unserem identischen Nervensystems und seinen unseren ähnlichen Reaktionen (Aufschrei, schmerzverzerrtes Gesicht, physiologische Reaktionen…) plausibel und übereinstimmend mit unserer Intuition schließen, dass er in ähnlichem Maße leidet wie wir zuvor. Dasselbe gilt für den weniger schmerzhaften Fall, dass wir uns beim Vorbeigehen leicht an einem Tisch stoßen. Schließlich können wir somit plausibel und unter Anwendung wissenschaftlicher Methodik folgern, dass es insgesamt mehr Leid verursacht, wenn ein anderer Mensch sich mit dem Hammer auf seine Finger schlägt als wenn wir uns an einem Tisch stoßen. Vielleicht hatte Singer diese Argumentation im Hinterkopf, als er seine Lösung für das Problem der interpersonellen Vergleichbarkeit von Leid und Glück formuliert.

Balluch könnte einwenden, dem Analogieschluss fehle die strenge Beweiskraft und er könne somit nicht Teil &quot;exakter&quot; Wissenschaften sein. Damit entzöge er aber zugleich dem Tierschutz weitgehend die wissenschaftliche Grundlage – ein ihm vermutlich unerwünschtes Resultat. Denn wie sonst als mittels Analogieschluss könnte man &quot;rational-wissenschaftlich&quot; begründen, dass Tiere überhaupt leiden können (oder auch Menschen)?

Weiter könnte Balluch einwenden, dass es in seinem Beispiel des Buchlesers und des Kinobesuchers weitaus schwieriger ist, ja unmöglich, einen objektiven Vergleich zwischen Glück des Ersteren und Leid des Letzteren anzustellen. Doch wie wir gesehen haben, kann daraus nicht folgen, dass solche Vergleiche prinzipiell nicht möglich sind – denn in oben beschriebenen Beispielen sind sie möglich. Es mag sein, dass uns eine Entscheidung im von Balluch beschrieben Fall schwer fällt bzw. hohen wissenschaftlichen Aufwand fordert, doch sollten wir uns einzig von solchen Schwierigkeiten dazu verleiten lassen, den Präferenzutilitarismus als ethische Theorie zu verwerfen? In den Naturwissenschaften als auch in der Mathematik gibt es zahlreiche ungelöste Probleme – Grund genug, die Theorien der Physik, Biologie, Psychologie, Funktionalanalysis usw. zu verwerfen? Nein.

[*] Zitiert nach Hanno Würbel: &quot;Biologische Grundlagen zum ethischen Tierschutz&quot;. Erscheint demnächst im &lt;em&gt;&lt;a rel=&quot;nofollow&quot; target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.ag-tierethik.de/tagungsband.htm&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Tagungsband&lt;/a&gt; zur &lt;a rel=&quot;nofollow&quot; href=&quot;http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Interdisziplinären Vorlesungsreihe Tierrechte 2006&lt;/a&gt;&lt;/em&gt; im Harald Fischer Verlag.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Leiden und Glück sind subjektive Empfindungen und also solche naturwissenschaftlich (wohl) nicht direkt messbar. Denn Naturwissenschaft ist eine objektive Angelegenheit – die adäquate Perspektive der Naturwissenschaft(en) ist die der dritten Person. Nun ist Ethik als Teil der Philosophie zwar keine Naturwissenschaft (noch Mathematik), sollte aber nichtsdestotrotz &#8220;rational-wissenschaftlich&#8221; betrieben werden, denn religiös-dogmatisch lässt sich allenfalls eine Moral begründen, jedoch definitionsgemäß keine ethische Diskussion. Eine utilitaristische Ethik, die chronisch von Leiden und Glück bzw. der Maximierung des letzteren redet, ist somit schwerlich denkbar. Wie konnte ein so gewissenhafter Denker wie Peter Singer das Offensichtliche nur übersehen? – Soweit der Autor obigen Artikels.</p>
<p>Doch Balluch unterschätzt die Naturwissenschaft. &#8220;Messe was messbar ist, und mache messbar, was nicht messbar ist.&#8221; [*] So lautete schon die Devise von Galileo Galilei und so verfährt auch ein zeitgenössischer Naturwissenschaftler, wenn er vom so genannten Analogieschluss Gebrauch macht. Aus eigener Erfahrung wissen wir beispielsweise, dass wir unter dem Tod eines uns emotional nahe stehenden Menschen mehr leiden als unter einer Erkältung. Vorausgesetzt ein anderer Mensch ist psychologisch ähnlich konstituiert wie wir, befindet sich in ähnlichen Lebensumständen usw., dürfen wir daraus mit einiger Plausibilität schließen, dass auch er weit stärker unter dem Tod eines ihm emotional nahe stehenden Menschen leidet als unter einer Erkältung. Der Analogieschluss erlaubt uns also (zumindest prinzipiell) die plausible Darstellung einer Ordnungsrelation, die in der Menge aller möglichen Erlebnisse eines anderen Menschen objektive Vergleiche zwischen den Elementen der Menge hinsichtlich des mit diesen verbundenen Glücks bzw. Leids ermöglicht. Doch nicht nur das. Auch interpersonale Vergleiche lassen sich mittels Analogieschluss ziehen. Stellen wir uns vor, wir schlagen uns mit einem Hammer versehentlich selbst ordentlich auf die Finger. Passiert nun später einem anderen Menschen in einer ähnlichen Situation dasselbe, so dürfen wir insbesondere aufgrund seines mit unserem identischen Nervensystems und seinen unseren ähnlichen Reaktionen (Aufschrei, schmerzverzerrtes Gesicht, physiologische Reaktionen…) plausibel und übereinstimmend mit unserer Intuition schließen, dass er in ähnlichem Maße leidet wie wir zuvor. Dasselbe gilt für den weniger schmerzhaften Fall, dass wir uns beim Vorbeigehen leicht an einem Tisch stoßen. Schließlich können wir somit plausibel und unter Anwendung wissenschaftlicher Methodik folgern, dass es insgesamt mehr Leid verursacht, wenn ein anderer Mensch sich mit dem Hammer auf seine Finger schlägt als wenn wir uns an einem Tisch stoßen. Vielleicht hatte Singer diese Argumentation im Hinterkopf, als er seine Lösung für das Problem der interpersonellen Vergleichbarkeit von Leid und Glück formuliert.</p>
<p>Balluch könnte einwenden, dem Analogieschluss fehle die strenge Beweiskraft und er könne somit nicht Teil &#8220;exakter&#8221; Wissenschaften sein. Damit entzöge er aber zugleich dem Tierschutz weitgehend die wissenschaftliche Grundlage – ein ihm vermutlich unerwünschtes Resultat. Denn wie sonst als mittels Analogieschluss könnte man &#8220;rational-wissenschaftlich&#8221; begründen, dass Tiere überhaupt leiden können (oder auch Menschen)?</p>
<p>Weiter könnte Balluch einwenden, dass es in seinem Beispiel des Buchlesers und des Kinobesuchers weitaus schwieriger ist, ja unmöglich, einen objektiven Vergleich zwischen Glück des Ersteren und Leid des Letzteren anzustellen. Doch wie wir gesehen haben, kann daraus nicht folgen, dass solche Vergleiche prinzipiell nicht möglich sind – denn in oben beschriebenen Beispielen sind sie möglich. Es mag sein, dass uns eine Entscheidung im von Balluch beschrieben Fall schwer fällt bzw. hohen wissenschaftlichen Aufwand fordert, doch sollten wir uns einzig von solchen Schwierigkeiten dazu verleiten lassen, den Präferenzutilitarismus als ethische Theorie zu verwerfen? In den Naturwissenschaften als auch in der Mathematik gibt es zahlreiche ungelöste Probleme – Grund genug, die Theorien der Physik, Biologie, Psychologie, Funktionalanalysis usw. zu verwerfen? Nein.</p>
<p>[*] Zitiert nach Hanno Würbel: &#8220;Biologische Grundlagen zum ethischen Tierschutz&#8221;. Erscheint demnächst im <em><a rel="nofollow" target="_blank" href="http://www.ag-tierethik.de/tagungsband.htm" rel="nofollow">Tagungsband</a> zur <a rel="nofollow" href="http://tierethikblog.de/2006/11/10/bericht-uber-die-interdisziplinare-vorlesungsreihe-tierrechte-2006/" rel="nofollow">Interdisziplinären Vorlesungsreihe Tierrechte 2006</a></em> im Harald Fischer Verlag.</p>
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