Die Zeitschrift “Nature” ist eine der weltweit führenden Fachzeitschriften für Naturwissenschaften. Eines ihrer Hauptthemengebiete sind die Biowissenschaften. In diesem Forschungsbereich sind Tierversuche bekanntlich keine Seltenheit. Die “Nature” bietet somit eine Plattform, um Daten aus tierverbrauchenden Studien zu publizieren. Erfreulicherweise griff die “Nature” in ihrer Ausgabe 444 vom 14.12.06 das schwierige Thema “Tierversuche” mit einer Reihe interessanter Artikel auf nicht emotionaler Ebene auf.
In einem Artikel wird geschildert, wie schwierig es ist, die Diskussion überhaupt auf nicht emotionaler Ebene führen zu können. Oft sind die Standpunkte zu diesem Thema “extrem”. Tierexperimentatoren mussten sogar um ihr Leben fürchten, als sie sich öffentlich zu ihrem Tun bekannten. In einem Interview schildert eine Tierärztin, die für das Wohlergehen von Versuchstieren verantwortlich ist, welche Schwierigkeiten mit ihrem Beruf verbunden sind. Zum einen sieht sie sich Angriffen “extremer” Tierschützer ausgesetzt, weil sie mit Tierexperimentatoren kooperiert. Wissenschaftler sehen in ihr oft eine zusätzliche Erschwerung ihrer sowieso schon schwierigen Arbeit.
Ein weiterer Artikel beschreibt die Situation für europäische Primatenforscher und schildert, dass die bürokratischen Hindernisse für die Forschung an Affen derart erhöht wurden, dass diese Art der Forschung wohl bald allein schon wegen bürokratischer Hemmnisse nicht mehr möglich sein wird.
Im letzten Artikel der Serie wird schließlich die Übertragbarkeit von Daten aus Studien mit gentechnisch veränderten Mäusen auf den menschlichen Genhaushalt diskutiert.
Eine vollständige Übersicht der “Nature”-Artikel zum Tierversuchs-Special, ist auf www.nature.com/news/specials/animalresearch/index.html einzusehen.
Der Sprechgebrauch “tierverbrauchenden Studien” konserviert die Rechtsunterscheidung zwischen Sachen, die man gebrauchen oder verbrauchen darf, und Personen, die man nicht gebrauchen oder verbrauchen darf. Wer “tierverbrauchend” verwendet, hat sich implizit also schon entschieden, daß Tiere rechtlich betrachtet Sachen sind. Sachen in diesem Sinne haben aber per definitionem keine (positivierten) Rechte – allenfalls moralische Rechte.
Comment by Miriam — January 8, 2007 @ 3:05 pm
Kommentar des Autors:
Der Begriff “tierverbrauchend” wurde bewusst gewählt. Der Leser sollte über diesen Begriff stolpern und sich die Frage stellen, ob Tiere überhaupt wie Sachen “verbraucht” werden können. Leider trifft dieser Begriff die Situation aus Sicht des Autors nur zu gut. Der Autor wollte mit der Verwendung des Begriffs aber in keinster Weise Tiere sls Sachen definieren, sondern den Leser dazu bringen, deren Missbrauch als Sachen in Frage stellen.
Comment by Jürgen Schneele — January 9, 2007 @ 1:36 pm